Lokale Kultur

Ausstellungsmotto: "Wann sind wir endlich da?"

KIRCHHEIM Sechzehn Künstlermitglieder des Kirchheimer Kunstvereins setzen sich derzeit in der Städtischen Galerie im 1. Obergeschoss des Kornhauses mit einer komplexen Thematik auseinander.

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FLORIAN STEGMAIER

"Wann sind wir endlich da? Ein Leben im Spannungsfeld zwischen Flexibilität und Kindheitsmustern" ist die programmatische Betitelung dieser facettenreichen Ausstellung.

Hinter diesem Titel verbirgt sich die für den heutigen Menschen ungebrochen aktuelle Frage nach dem sich ständig auftuenden Zwiespalt zwischen geforderter Mobilität und permanentem Wandel einerseits und dem natürlichen Bedürfnis nach konstanten, individuellen Prägungen andererseits. Nicht umsonst spricht Richard Sennett vom "flexiblen Menschen", dem langfristige Bindungen unmöglich sind, weil nahezu alles den zufälligen Anforderungen des Wirtschaftslebens untergeordnet ist, weil immer nur das Neue gefragt ist und weil Routine gar nicht erst entstehen darf.

Aus diesem vielschichtigen Themenkomplex heraus konnten die beteiligten Künstlerinnen und Künstler ihre punktuellen Sichtweisen herausarbeiten. Entstanden ist dabei ein äußerst heterogenes Gemisch, dessen vorläufiger Endzustand nun in der Galerie zu sehen ist, das aber erfreulicherweise auf Grund der durchgehenden Thematik bei aller Vielfalt mit einem einheitlichen Gesicht aufwarten kann. Darüber hinaus haben sich obwohl das bei diesem breit gefächerten Projekt nicht von langer Hand kalkuliert werden konnte auch diverse korrespondierende, teils dialoghafte Bezüge zwischen einzelnen Exponaten ergeben. So harmonieren etwa Jochen Herzogs sechs in Holzkisten gezwängte Skulpturen, bei denen der Bildhauer das Element des Zeitlichen in die Plastizität hineinträgt und Stein und Zeit einander durchdringen lässt, hervorragend mit den Werktischen von Bertl Zagst, die ihre frei gesetzten, eingebrannten und archetypisch anmutenden Spuren dem Prozess einer anderweitigen künstlerischen Arbeit verdanken.

Kunstfreunde haben noch bis Sonntag, 5. Dezember, Gelegenheit, sich selbst auf Entdeckungsreise durch die Ausstellung im 1. Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus zu begeben und solche oder etliche weitere Bezüge aufzuspüren. Ob mit oder ohne Themenkomplex im Hinterkopf sei einmal dahingestellt, denn glücklicherweise können die versammelten Werke in ihrem Miteinander auch ohne Kenntnis der ursprünglich formgebenden Thematik als ein organisch funktionierendes Ganzes erlebt werden. Zweifellos ein Indiz für Qualität.

Mit der Lesung von Hans-Peter Kuhnle, einem langjährigen Mitglied des Kunstvereins, der am Mittwoch, 24. November, aus seinem aktuellen Gedichtband "Zeitfall" lesen wird, werden sich zudem auch Lyrik und Musik zur Bildenden Kunst gesellen.