Lokale Kultur

Avantgardist, Pionier und Pädagoge

KIRCHHEIM Am Mittwoch, 16. Februar, veranstaltet der Literaturbeirat der Stadt Kirchheim um 19.30 Uhr im 1. Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus einen Abend zu Georg Philipp Telemann.

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Der 1681 in Magdeburg geborene Telemann war eine der vielseitigsten, tatkräftigsten und produktivsten Musikerpersönlichkeiten seiner Zeit und zählte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu den höchstgeschätzten deutschen Musikern. So verkehrte er freundschaftlich mit allen bedeutenden Musikerkollegen seiner Zeit. Die meiste Zeit seines Lebens wirkte er als Kirchenmusiker, war als Konzertunternehmer tätig und äußerte sich zu musikalischen Fragen seiner Zeit.

Die Rezeptionsgeschichte meinte es freilich nicht gut mit ihm. Schnell begann man gerade das an ihm zu kritisieren, wofür man in zuvor gerühmt hatte. Seine großen Leistungen verblassten. Im Gefolge der aufkommenden Bach-Renaissance und einer preußischen Musikgeschichtsschreibung wurde er zur Zielscheibe nationalistisch gefärbter Polemik. Erst im Verlauf des letzten Jahrhunderts setzte allmählich eine differenzierte Neubewertung von Telemanns Wirken und Werk ein.

Das bis dato nur sehr geringe Wissen wurde durch die Erforschung von Leben und Werk, durch die Neuedition von Kompositionen und die Wiederaufführung vieler seiner Werke beträchtlich erweitert. Dabei trat das Bild eines umfassend gebildeten und auf musikalischem Gebiet unermüdlich tätigen Menschen zutage. Es zeigt Telemann als einen musikalischen Avantgardisten, als einen Pionier des öffentlichen Konzertwesens und unermüdlichen Pädagogen, als einen an Esprit reichen Komponisten, der mit seinen Werken alle musikinteressierten Schichten der Bevölkerung unmittelbar ansprach.

Dr. Bernhard Moosbauer, Musiker und Musikwissenschaftler, stellt diesen bedeutenden Musiker und Zeitgenossen von Bach und Händel anhand von Briefen und anderen Dokumenten vor und spielt einige seiner Fantasien für Violine solo. Moosbauer studierte Schulmusik, Musikwissenschaft und Barockvioline in Stuttgart, Tübingen und Straßburg. Er widmet sich hauptsächlich der Kammermusik des Barock und spielt außerdem als Geiger und Bratscher in diversen Ensembles und Orchestern mit Originalinstrumenten im südwestdeutschen Raum, unter anderem in dem von ihm mitbegründeten "Ensemble Concerto Imperiale".

Seine Tätigkeit führte ihn auch in die Schweiz und nach Norddeutschland. Dr. Bernhard Moosbauer ist Dozent auf Kursen für Kammermusik und Barockorchester und unterrichtet am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Tübingen. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Instrumentalmusik des 17. und 18. Jahrhunderts. Er ist mit Editionen von Werken Corellis und Bibers sowie mit Fachartikeln hervorgetreten.

Karten für die Veranstaltung des Literaturbeirats der Stadt gibt es an der Abendkasse.

pm