Lokale Kultur

Bachkantaten am Barbaratag

LENNINGEN Advent Zeit der Lichter, Lieder, Leuchtsterne. Der Ökumenische Chor der Kreuz- und der Sankt-Josef-Kirche Stuttgart

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ERIKA HILLEGAART

brachte mit seinen Solisten und einer Instrumentalgruppe am Vorabend des zweiten Advents am Sankt-Barbara-Tag, das Licht der Bach'schen Musik in die Ulrichskirche Unterlenningen.

Dreißig Jahre lang konzertierte hier in der Vorweihnachtszeit das Durlacher Residenz-Collegium, nämlich die Musikerfamilie Löffler mit ihren Freunden. Persönlichen Beziehungen zur evangelischen Kirchengemeinde Unterlenningen sei heuer das "einmalige Geschenk", dieses großen Chorkonzerts zu verdanken, sagte der Initiator dieser Konzertreihe, Helmut Köble, "Gerhard Löffler hat Pläne und schon Termine für ein neues Ensemble".

Die Bach-Kantaten "Nun komm, der Heiden Heiland" BWV 61 und "Süßer Trost, mein Jesus kömmt", BWV 151, mit der Besetzung von Chören, Solisten, Orchester und Continuo sind Leuchtsterne am adventlichen Musikhimmel. Unter der Leitung von Klaus Weber entfaltete das Stuttgarter Ensemble in dieser barocken Saalkirche diese Kantatenkompositionen: "Du kommst und lässt dein Licht mit vollem Segen scheinen."

Die klein besetzte Instrumentalgruppe musizierte gut motiviert, gut intoniert und bot den Gesangssolisten solide Sicherheit. Die Sopranistin Barbara van den Booms legte ihren Part ausdrucksstark an; die Altistin Henriette Schöwitz meisterte mit angenehmem Timbre ihre Arie; Georg Grünenbergs Tenor überzeugte insbesondere in Rezitativ und Arie bei der Kantate BWV 61; der Bassist Martin Callenius bot bei seinen Rezitativen hohe Konzentration auf Text und Ton. Bei den Schlusschorälen sang der ökumenische Chor volltönig, schön und mit spürbarer Anteilnahme.

Zwischen die Kantaten gebettet war das 5. Brandenburgische Konzert, so benannt nach seinem Auftraggeber Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg. Dieses höfische Unterhaltungskonzert des 18. Jahrhunderts musizierten Elisabeth Stierle (Querflöte), Luca Bognar (Solo-Violine), Gabriele Degenhardt (Cembalo ), das Streicher - und Basso-Continuo-Ensemble. In enger Verflechtung von Tutti und Soli spannten die Musizierenden ein Netz mit feinen Kantilenen. Im Dialog der Soloinstrumente dominierte das Cembalo. Gabriele Degenhardt ließ insbesondere bei der 65-taktigen Kadenz ihr Klangspiel funkeln. Den langsamen Mittelsatz gestalteten die drei Solisten mit dezenter Zurückhaltung. Das Affetuoso schließlich, dieser fugenartige 3. Satz mit seinem Giguecharakter, verfehlte seine Wirkung nicht.

Die "dynamische Anschubkraft" des Geigers Gerhard Löffler sei nicht unerwähnt. "Alle Music soll Uhrsache anders nicht als nur zu Ehre Gottes und Recreation des Gemüths sein." In diesem Sinne von Johann Sebastian Bach sangen und musizierten Laien und Berufsmusiker aus den Stuttgarter Kirchengemeinden an diesem Sankt-Barbara-Tag im Lenninger Tal.

Wie singt die Christenheit im Advent? "Die Zweiglein der Gottseligkeit steckt auf mit Andacht, Lust und Freud." Barbarazweige zu schneiden, damit sie bis Weihnachten blühen, ist längst ökumenischer Brauch geworden. Pfarrerin Regine Stierlen wünschte, "dass der ökumenische Chor eine tragfähige Brücke bleibt" wie so manch alter neu belebter Brauch.