Lokale Kultur

Beatles-Renaissance und Bauernhof

KIRCHHEIM Brahms und Beatles, Old Mc Donald und Dvorak oder auch "Morning has broken" am späten Abend obwohl es genau das im Rahmen von "Kirche und Kultur" in

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ALEXANDRA BOGER

der Christuskirche in Kirchheim zu hören und zu sehen gab, hatte der Abend mit Wundern eher weniger zu tun, eher mit wunderbaren Arrangements und Melodien.

Nur zum Spaß? In Anbetracht des abend- und kirchenfüllenden Programms des Wernauer Chors mag man das nicht so recht glauben. "Just4FUN" zogen alle Register durch sämtliche Tonlagen, Musikgattungen und Kulturen. Dass die über 20 Sänger und Sängerinnen Spaß an der Sache hatten, war nicht zu übersehen, dass hinter zwei-Stunden a cappella neben "fun" auch eine Menge Arbeit und Begeisterung für die Sache stecken muss, schon eher. Zumindest vermittelte der Chor unter Leitung von Bernd Reichenecker die Synthese aus routiniertem Auftritt und qualitativer Darbietung.

Allein schon beim ersten Blick ins Programm wurde klar, dass dies ein Konzert der unkonventionellen Art werden würde, wenn es nach Mozarts "Forelle" in die Steppe geht, wo "The Lion sleeps tonight" der Löwe nachts schläft. Auch mit einer klassischen Choraufstellung war nur bedingt zu rechnen. So erklang das erste Stück, "Laudate omnes gentes", schon aus den hinteren Reihen, während der Chor noch am Auftreten war. Auch so mancher Beatles-Klassiker erfuhr eine Wiedergeburt der besondern Art: John, Paul, George und Ringo hätten sicher schwer gestaunt bei den Interpretationen ihrer einst so revolutionären Musik, hätten sie die Renaissance-Version von "Can't buy me love" hören können.

Bildhaft und humorvoll führte Chorleiter Bern Reichnecker durch das Programm und schloss Wissens- und Verständnislücken zwischen den einzelnen Stücken. So mochte es wohl seltsam anmuten, mit einem "Come again" begrüßt zu werden, da ein "Komm wieder" wohl eher als letztes Stück vor der Pause hätte seinen Platz finden können. Doch ebenso wie das Arrangement der einzelnen Stücke teilweise auch aus Feder und Stimmgabel von Bernd Reichenecker bildete der gesamte Programmablauf einen melodischen Ausflug: mit Dvorak in die Tschechei, mit Kuoppamäki nach Finnland, mit Ricardo Mansilla nach Argentinien und wieder zurück "over the Rainbow", über den Regenbogen. Auch mit durch die Zeit nahm "Just4FUN" die Besucher der Christuskirche: von "Yesterday" über "Morning has broken" bis "der Mond aufgegangen ist" und danach weiter "all through the night".

Völlig ausreichend waren Sopran, Alt, Tenor und Bass für das Gänsehautgefühl: die Stimmbänder ersetzten ein Orchester. Terzen und Triolen, Quinten und Crescendi machten den Kirchenraum zu einem einzigen Resonanzkörper. Akustische Finessen durch chorische Dialoge, Soli und experimentelle Nutzung des Raumklangs erweiterten das Repertoire des Wernauer Chores. Eine kleine Nachhilfestunde zum Thema "kultureller Anspruch von Kinderliedern" gab es auch für die Zuhörerschaft. Es muss nicht immer Mozart sein. Man nehme einen Bauernhof, lustige Tiergeräusche, unterlege all das mit Gesten und gesanglichen Kommentaren und fertig ist das Mini-Musical zu "Old Mc Donald". Nicht genug der Aktivitäten, nahm Bernd Reichenecker das Taize-Stück "Laudate omnes gentes" wörtlich, gab die Aufforderung "Lobt, all ihr Völker!" an seine Zuhörer weiter und machte sie zu einem Teil des Chores.

Gefühlvoll ließ der Chorleiter den Abend ausklingen: "Mir geht das Lied immer ans Herz, wenn's Ihnen auch so geht, lassen Sie's geschehen", gab Bernd Reichenecker die Erlaubnis für glasige Augen und die Versicherung, das "Gott euch sicher durch die Nacht geleiten wird". Mit auf den Nachhause-Weg gab es mit dem Irischen Segen noch ein ganz besonderes Ade: "Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein, sanft falle Regen auf deine Felder und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein. Und bis wir uns wieder sehen, halte Gott dich fest in seiner Hand. Führe die Straße, die du gehst, immer nur zu deinem Ziel bergab ,hab' wenn es kühl wird warme Gedanken und den vollen Mond in dunkler Nacht."