Lokale Kultur

Begehren, Leidenschaft und Sehnsucht Buddha und die Liebe

KIRCHHEIM Begehren, Leidenschaft und Sehnsucht was seit dem Kulturphilosophen der Frühromantik, Friedrich Schlegel, zum abendländischen Ideal und zur Grundlage der Ehe avancierte, gilt im Buddhismus eher als eine Fessel. In der

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BRIGITTE GERSTENBERGER

Buchhandlung Schieferle lernten die Zuhörer nun bei einem Vortrag von Manfred Maier vom Buddhistischen Zentrum der Karma Kagyü Linie in Villingen die buddhistische Sichtweise von der Vereinigung männlicher Tatkraft und weiblicher intuitiver Weisheit kennen.

Wer allerdings bei dem vom Buddhistischen Zentrum Kirchheim veranstalteten Vortrag Informationen über komplizierte Kamasutra-Stellungen, tantrischen Sex oder fernöstliche Erotik erwartete, war fehl am Platz. Vielmehr war gesunder Menschenverstand angesagt.

Als "Reiselehrer" ist Manfred Maier unterwegs, um die Lehre Buddhas zu verbreiten. Von Haus aus Musiklehrer, begann er schon im Jahr 1982 sich für den Buddhismus zu interessieren. Rund 220 buddhistische Zentren der Karma Kagyü Linie wurden seit 1972 von Lama Ole Nydal im Auftrag des 16. Karmapa gegründet.

Ziel der Karma Kagyü-Zentren ist es, einen Laien- und Verwirklicher-Weg (Diamantweg-Buddhismus) zu lehren, der auf die Entwicklung von Klarheit und Selbstständigkeit in der heutigen Welt zielt. Im Buddhismus liegt die Quelle zum Glück im Geist, einer Lebenskunst, die zum Denken ermutigt. Buddhismus ist mehr als eine Religion, er ist auch Philosophie und Psychologie. Unter diesem Terminus wird die Liebe zuallererst unter dem Gesichtspunkt menschlicher Begegnungen gesehen.

"Liebe ist, wenn man mehr ans Geben als ans Nehmen denkt". Zweifellos kein einfacher Gedanke in einer Zeit, in der schnöder Mammon regiert, in der Menschen die größte Erfüllung in der Befriedigung ihrer materiellen Wünsche sehen. Mit dem Traumschiff auf die Trauminsel, Zufluchtsorte, von denen man dann zurückkehrt zum ungeliebten Job und zu schlecht gelaunten Kollegen. Diesen erzählt man dann voller Stolz von seinem Traumurlaub.

Stolz, so erfährt man von Manfred Maier, ist ein "Störgefühl". Stolz ist, wenn man sich besser fühlt als andere und er macht vor allem einsam. Ebenso die Eifersucht, die mit ihrer zerstörerischen Kraft schon so manche große Liebe vernichtete. Hass und Geiz sind weitere "Störgefühle, die nichts Gutes ins Leben bringen, sondern zu Leid im Leben führen". Was aber tun im täglichen Einerlei des Beziehungslebens? Wie verhindert man die aufkommende Langeweile? Was geschieht, wenn die Liebe zum Drama wird Buddhas Weisheit contra Shakespeare's Romeo und Julia.

Hier eröffnet Buddha drei verschiedene Ebenen von Verhaltensweisen: Die Arbeit mit Ursache und Wirkung, das Heben der Motivation und das Halten der Sicht. "Solange der Geist erkennbar von Störgefühlen geleitet wird, sollte man entsprechend seiner Fähigkeiten die Gegenkräfte aktivieren". Es gilt, Gedanken und Gefühle zu verwenden, die einen mit dem Partner verbinden, und helfen, dualistische Sichtweisen zu überwinden.

Im Fall von Stolz sollte man auf die Fähigkeiten des anderen schauen. Bei Eifersucht wünscht man ihm eine Unmenge von dem, worauf man selbst eifersüchtig ist. Bei der Begierde wird zwischen vergänglichem und dauerhaften Glück unterschieden. Fähigkeiten und Eigenschaften, die durch meditative Übungen zu erreichen sind.

Lama Ole Nydahl erklärt bezüglich dieser Dispositionen, dass man bei der Liebe den Partner als Wiederspiegelung derjenigen erleuchteten Eigenschaften erfahren kann, die man in sich selbst noch nicht erkannt hat. Alle Frauen zeigen Aspekte des großen weiblichen Prinzips der Weisheit. Männer hingegen verkörpern Aktivitäten.

Buddhistische Sichtweisen vermeiden "ein Leben im Konjunktiv", betonte Manfred Maier und ergänzte, dass sie darüber hinaus zweifellos eine erfrischende, befreiende, tolerante, andere Sicht der Wirklichkeit bieten.