Lokale Kultur

Begeisternde Präsentation mancher Seltenheiten

KIRCHHEIM Auch dieses Jahr ließ das "Podium", das alljährlich im Herbst stattfindende "große" Schülerkonzert mit Kirchheimer Nachwuchstalenten, wieder aufhorchen.

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PATRICK TRÖSTER

Zwar fiel das ansonsten oft fast überbordende Programm etwas bescheidener aus, doch auf der anderen Seite bekam man Seltenes zu hören, obwohl heuer solistische Beiträge aus den Reihen der Streicher und der Holzbläser vermisst wurden.

Das Symphonische Orchester der Musikschule beabsichtigte eigentlich, Vivaldis "Herbst" als Konzertauftakt darzubieten, doch die Solistin erkrankte, und so wurden das "Boisterous Bourée" und das "Playful Pizzicato" aus Benjamin Brittens "Simple Symphonie" kurzerhand eingesetzt. Mit großer Konzentration umschiffte Johannes Stortz die Klippen dieses populären Streicherwerks und obsiegte beim Wagnis, sein Ensemble dem erhabenen Podium in dieser kurz geprobten Fassung zu präsentieren: die Fugati des ersten Satzes tanzten wahrhaft ungestüm, die Pizzikati im zweiten erklangen allerliebst verspielt.

Das folgende Blechbläserensemble der Musikschule (Benjamin Siegel, Tobias Plesch, Christoph Stortz, Simon Beck und Karl Hammerstein) spielte sich in einem Arrangement für zwei Trompeten, zwei Posaunen und Euphonium lässig in die "Halle des Bergkönigs" aus Edvard Griegs "Peer Gynt-Suite", wobei sie trefflich die Trolle des Bergkönigs zwickten und zwackten. Mit dem Pianisten Andreas Specker steuerte der Abend schon seinem ersten Höhepunkt zu.

Das Charakterstück "Harlekin" des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu wirkte dem kleinen Meister wie auf den Leib geschneidert. Dynamisch fein ausgefeilt, mit klarer Artikulation und schalkhafter Musikalität, woben seine Hände das virtuose Tastenwerk. In der niedergeschrieben "Improvisation I" des zeitgenössischen japanischen Komponisten Ryo Noda balancierte Adrian Planitz mit seinem Altsaxofon nonchalant und ungezwungen die neuen Spieltechniken aus. Ganz anders die Homage des französischen Filmkomponisten Raymond Alessandrini an den großen Tangokünstler in der Virtuosenpièce "Piazzolino": Hier reizte der Solist die Vitesse der leidenschaftlichen Spielfiguren gleichwohl charmant und amabile aus, und zusammen mit Ella Stückelmaier am Flügel verband er über das reine Zierwerk hinaus Können mit Kennerschaft.

Felix Mendelssohn Bartholdis "Rondo capriccioso" opus 14 für Klavier wurde im Vortrag von Salome Seitz mehr als seinem Namen gerecht. Über das sommernächtliche Thema hinaus trieb darin Puk sein kapriziöses Unwesen und hielt Interpretin wie Zuhörer in Atem. Solisten der Gesangsklasse stellten sich mit dem Finale aus Wolfgang Amadé Mozarts Oper "Bastien und Bastienne" vor, wobei Wolfgang Junker pianistisch das Orchester trefflich übernahm. Einmütig und in süßen Intervallen duettierten Michaela Cummerow und Tabea Junker als Titelfiguren, während Peter Schinko als Colas im Schlussterzett das Fundament zauberte.

Ganz andere und vor allem äußerst viele Noten schlugen Vanessa Wünsch (Vibrafon) und Florian Dehling (Marimbafon) in einem atemberaubendem "Siebentanz" des Percussionspezialisten Eckhard Kopetzki an: Der Siebener-Rhythmus wurde in allen Facetten gedreht und gewandt, durch jede Schattierung gesiebt und siedend heiß gesotten, indem die vier Mal zwei Schlägel nur so wirbelten, ohne jedoch Feinheiten für einen nuancenreichen Anschlag außer Acht zu lassen.

Das Blockflöten-Ensemble Uccelini (Michaela Cummerow, Gundel Müller-Paramalingam, Sarah Kotrdovan und Matthias Krebs) zwitscherte wahrlich meisterhaft in den selten gehörten Folia-Variationen von Johann Christian Schickhardt und dem "totaly different Rag" von May Aufderheide. Fingerfertig, zungengewandt und flötistisch Funken sprühend, vollführte das Kleeblatt sowohl den historischen als auch den moderneren Evergreen.

Mit dem ausgedehnten und technisch wie musikalisch höchst anspruchsvollen Scherzo b-Moll op. 31 von Frédéric Chopin legte Vanessa Haug zum Abschluss eine großartige Erzählung vor, die sie mit klarer Konzentration und mentaler Stärke den Zuhörern überbrachte. Klar umriss sie die düster-drohende Eingangsstimmung, türmte Akkordmassen auf und schwenkte schließlich verklärend in die schmelzenden Walzereien über. Mit Formbewusstein verband sie Tonblöcke und spannte über weite Strecken Artikulationsbögen, aus denen schließend Kraft zehrend die Stretta mächtig quoll; dabei vertiefte ein Schuss klassizistischer Gefühle das herbe Scherzo.