Lokale Kultur

Begeisternde "Wackelkontakte"

KIRCHHEIM Nicht die triste Morbidität von Tennessee Williams Theaterstück "Die Nacht des Leguan", wie ursprünglich im Abonnement angekündigt, stand beim Kulturring auf dem Plan. Nachdem das eigentlich für den jüngsten Theaterabend vorgesehene Stück wegen Streitigkeiten mit dem Verlag kurz-

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RENATE SCHATTEL

fristig abgesetzt worden war, sprang der Kabarettist Klaus Birk in die Bresche und versetzte das Stadthallen-Publikum mit seinem zweistündigen Feuerwerk an Kalauern, Witzen und hintersinnigen Spaßgeschichten mit treffend wahrem Hintergrund in beste Lachlaune.

"Wackelkontakte" lautet der Titel seines neuen Programms, in dem es vorwiegend um den Kontakt von Mann und Frau ging. Klaus Birk versuchte, seinen durchaus aufnahmebereiten Zuhörern drastisch klar zu machen, dass besagter Kontakt zwischen den Geschlechtern nicht immer ungetrübt fließt und dass die Ursprünge des grundsätzlichen Missverständnisses zwischen Adam und Eva eben seit Anbeginn der Welt bestehen.

Vor dem Einstieg in sein eigentliches Programm musste der "zartbesaitete" Kabarettist aber zunächst spontan zwei Schicksalsschläge verbal verarbeiten, die ihn auf der Autofahrt nach Kirchheim ereilt hatten. Zum einen war kurz vor seinem Auftritt das berühmte "habemus papam" ausgerufen worden und zum anderen wollte Erwin Teufel, der eigentlich am Auftrittsabend seine letzte Rede im Landtag halten sollte, doch noch am nächsten Tag eine allerletzte Rede halten. Klaus Birk unterstellte dem so schwer scheidenden Ministerpräsidenten, dass er viel lieber gestorben wäre, als abzudanken. Dann nämlich hätte er sich vor dem neuen Schloss aufbahren lassen und Tausende von Menschen hätten sich persönlich von ihm verabschieden können. "Teufel geht ja nun nach Bayern und ein Bayer ist jetzt Papst", konstatierte Klaus Birk. "Der Stoiber hat jetzt den direkten Draht nach oben und was aus bayerischem Munde kommt, gilt als Gott gewollt". Den Baden-Württembergern hingegen würden die Leute weglaufen. "Baden-Württemberg stirbt aus", machte er das Problem deutlich, dass schon Ministerpräsident Erwin Teufel versuchte, in den Griff zu bekommen und immer wieder kläglich gescheitert war.

Alle Bemühungen, Männer und Frauen zur Zeugung zu motivierten, verliefen im Nichts. Erwin Teufels Hoffnung in das 220 Meter hohe Fruchtbarkeitssymbol Trump-Tower durfte gar nicht erst aufkeimen, die Olympiade "Da bekommt ein Wettkämpfer 51 Kondome für 17 Tage" kommt nicht nach Stuttgart und der Bahnhof Stuttgart 21, als Zubringer neuer Menschen für die Zeugung, liegt auf Eis.

"Was fängt man auch mit einem Kind an", fragte der geplagte Familienvater Klaus Birk. Es gebe doch nur Probleme und auch das angespannte Verhältnis zur Ehefrau werde dadurch nicht besser. Die Verliebtheit lässt nach und das Grundproblem zwischen Mann und Frau tritt deutlich zu Tage: "Frauen hören nicht, was Männer sagen, Frauen fühlen es. Männer fühlen nie, was Frauen sagen, Männer hören es und können ihre Ohren verschließen".