Lokale Kultur

Bei weltweit anerkannten Experten Erfahrungen gesammelt

KIRCHHEIM Als 17-Jährige hatte die Harfenistin Laima Bach schon eine feste Stelle im Philharmonischen Orchester Litauen. In ihrer Stuttgarter Zeit spielte sie drei Jahre lang im Musical "Die Schöne und das Biest". Jetzt hat die Neu-Kirchheimerin ein neues Ziel. Mit den von ihr geplanten Harfenklassen will sie an der Kirchheimer Musikschule künftig "eine Lücke schließen."

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Frau Bach, sie haben mit fünf Jahren in ihrer Geburtstadt Vilnius (Wilna) in Litauen ihre musikalische Karriere mit Klavierspiel begonnen. Wie kamen Sie auf die Idee, Harfenistin zu werden.

Das war eher Zufall, denn mein Wunschinstrument als kleines Mädchen war das Klavier. In der damaligen Sowjetunion war es das Anliegen des Staates, bereits im Kindergartenalter musikalische Begabung ausfindig zu machen, die auch bei mir festgestellt wurde. Mit acht Jahren hatte ich mich wie alle anderen musikalisch Begabten einer Prüfungskommission zu stellen. Hier wurden auch die körperlichen Voraussetzungen der Kandidaten untersucht. Die Kommission kam zum Schluss, dass meine Finger entweder für Cello oder Harfe geeignet seien. Und meine Wahl fiel auf die Harfe, weil mir das Instrument gefiel und die Lehrerin sehr sympathisch war. Klavier gehörte ohnehin zu den obligatorischen Pflichtinstrumenten, sodass ich von dem ursprünglichen Wunschinstrument nicht Abschied nehmen musste.

Sie hatten bereits mit 17 Jahren nach erfolgreichem Studium an der Hochschule eine feste Stelle im philharmonischen Orchester Litauens und damit das höchstmögliche Ziel in ihrer Heimat erreicht. Wieso haben Sie diese sichere Stelle aufgegeben?

Es war mir einfach zu wenig. Als Siebzehnjährige wollte ich mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, bis zu meinem Rentenalter in ein und demselben Orchester zu spielen. Nach zwei weiteren Jahren auf der Musikakademie wechselte ich an das Mozarteum nach Salzburg und erhielt Unterricht bei Professor Edward Witsenburg.

Wie kommt es, dass sie in Österreich und Deutschland noch weitere "Turbostudien" absolvierten

Zum einen lernt man niemals aus. Bei jedem neuen Lehrer, vor allem bei weltweit anerkannten Harfenisten, kann man wertvolle Erfahrungen sammeln. Nach eineinhalb Jahren Studium am Mozarteum, das ich mit zwei Diplomen abschloss, wechselte ich nach Stuttgart, um an der dortigen Hochschule Orchestermusik zu studieren. Zum anderen konnte ich das österreichische Studium so zügig absolvieren, weil ich in Litauen bereits sehr viele Nebenfächer belegen musste, die mir in Österreich alle anerkannt wurden und ich mich nur noch auf die Erarbeitung von Konzertprogrammen konzentrieren konnte.

Haben sie auch in Deutschland Versuche unternommen, in einem Orchester unterzukommen?

In meiner Stuttgarter Zeit habe ich drei Jahre lang als Harfenistin im Musical "Die Schöne und das Biest" im SI-Zentrum gespielt, bis das Aus kam für diese Produktion. Diese erzwungene "Arbeitslosigkeit" habe ich für mich als Weiterbildungschance genutzt und absolvierte die Meisterklasse bei der Weltklasse-Harfenistin Giselle Herbert in Würzburg, wo ich im November 2004 meinen Abschluss nahm. Auf der Suche nach einer passenden Bleibe es ist als Musiker ja immer schwer, Wohnraum zu finden, in dem die Musikausübung möglich ist habe ich mich nun in Kirchheim niedergelassen.

Wie sehen ihre Pläne für die nächste Zeit aus?

Neben der Pflege meiner Vorliebe für Harfen-Kammermusik möchte ich gerne in Kirchheim und hier vorzugsweise an der hiesigen Musikschule, eine Harfenklasse aufbauen. In Kirchheim, wo die Harfe derzeit noch nicht im Fächerkanon der Musikschule zu finden ist, möchte ich gerne dazu beitragen, diese Lücke zu schließen.

Welche Voraussetzungen muss ein junger Mensch mitbringen, der das Harfenspiel erlernen möchte?

Harfe kann man bereits mit fünf Jahren erlernen. Die Harfe setzt etwa gleiche Begabung voraus wie das Klavier. Auch die Harfenmusik wird in zwei Systemen im Violin- und Bassschlüssel notiert, wie die Klavierliteratur. Hier wie dort können schon recht bald klangvolle Musikstücke gespielt werden und es wird ebenfalls mit beiden Händen gespielt, mit der einen Ausnahme, dass man beim Harfenspiel den kleinen Finger nicht benutzt. Harfenisten spielen also nur mit acht Fingern. Wie bei jedem anderen Instrument muss man Liebe zur Musik mitbringen. Vor allem aber muss man den besonderen, zauberhaften Klang der Harfe lieben.

Was spricht ihrer Meinung nach für das Erlernen dieses doch eher weniger bekannten Instruments?

Zunächst muss man festhalten: Die Harfe ist das älteste ernsthafte Instrument der Menschheitsgeschichte überhaupt. Bereits die alten Ägypter kannten und spielten die Harfe. Sie wurde im 19. Jahrhundert zu ihrer modernen Form als Pedalharfe weiterentwickelt. Für die Harfe spricht: Sie ist im großen Sinfonieorchester unentbehrlich und man ist mit diesem Instrument auch im Orchester immer Solist und trägt volle Verantwortung. Man ist aber gleichzeitig auch sein eigener Chef und es gibt hier keinen Streit darüber, wer möglicherweise die "erste Geige" spielen darf. Vor allem aber spricht für die Harfe ihr ganz besonderer eigener klanglicher Reiz unvergleichlich mit anderen Instrumenten.

Weshalb wir die Harfe vor allem von Frauen gespielt?

Diese Behauptung stimmt in dieser Pointierung nicht mehr zu. Auch Männer haben die Harfe längst für sich entdeckt. In der Frühzeit waren es ja ohnehin ausschließlich Männer, die Harfe spielten. Das Bild von der Harfe als eher "weibliches Instrument" entstand im 19. Jahrhundert, als die Salonmusik in Mode kam, der sich vor allem das weibliche Geschlecht widmete. Da die Harfe sich in besonderem Maße als Kammermusik-Instrument eignet, haben sich in dieser Zeit vor allem Frauenhände diesem Instrument verschrieben. Heute aber gleicht sich der Trend aus. Daher ist die Harfe auch für die männliche Jugend von Interesse.

bs