Kirchheim

Beim Parken geht es sehr emotional zu

Gebühren Kirchheimer Gemeinderat beschließt, bis 2019 ein Konzept für die bereits beschlossene Erhöhung zu erarbeiten.

Auf diesem Parkplatz in der Ortsmitte könnten Sozialwohnungen für 32 Menschen entstehen.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques
Auf diesem Parkplatz in der Ortsmitte könnten Sozialwohnungen für 32 Menschen entstehen.Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Wer sich für Emotionen interessiert, liest ein Buch, schaut einen Film oder geht ins Theater. Aber auch eine Gemeinderatssitzung lohnt sich. Das emotionalste Thema überhaupt ist die Erhöhung von Parkgebühren - oder auch die Aussetzung der Erhöhung. Klingt spannend? Ist es auch - und hochemotional.

2015 beschließt der Kirchheimer Gemeinderat: Eine Stunde Parken in einer der städtischen Tiefgaragen (Schweinemarkt oder Krautmarkt) soll zum 1. Januar 2016 von einem Euro auf 1,20 Euro erhöht werden und zum 1. Januar 2018 auf 1,50 Euro. Die erste Stufe wird 2016 umgesetzt. Für die zweite Stufe will die Verwaltung nun bis 2019 ein Konzept erarbeiten.

Zur Begründung nannte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker im Gemeinderat die Befürchtung der Händler, dass in der Innenstadt die Kundschaft ausbleiben könne. Die Kunden zögen es dann vielleicht vor, nach Stuttgart und Metzingen zu fahren oder im Internet zu bestellen, denn: „Autofahren und Parken in der Stadt ist ein emotionales Thema.“

„Viel Irrationalität“ ist im Spiel

Die Psychologie des Autofahrers beschäftigt auch Wilfried Veeser (CDU): „Da haben wir es mit viel Irrationalität zu tun“, stellte er fest. „Die Zukunft des Parkens in Kirchheim sollte so gestaltet sein, dass ein positiver Effekt für die Innenstadt entsteht.“

Bettina Schmauder (Freie Wähler) sieht höhere Parkgebühren als „Signal gegen eine attraktive Innenstadt“. Ob eine Stunde 1,20 oder 1,50 Euro koste, sei zwar kein großer Unterschied. Aber gewisse Menschen könne es eben doch davon abhalten, in die Innenstadt zu kommen, denn: „Parken mit dem Auto ist eine emotionale Sache.“

Ganz andere Emotionen verbindet Sabine Bur am Orde-Käß, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, mit dem Parken: „Wir lehnen eine einseitige Förderung des motorisierten Individualverkehrs ab.“ Die Innenstadt sei auch zu Fuß, mit dem Fahrrad und dem ÖPNV gut zu erreichen. „Der Online-Handel sollte uns ein Ansporn sein, die Innenstadt noch attraktiver zu machen.“ Dazu brauche es aber kein günstiges Parken, sondern „Sitzflächen, WLAN und Modemarken, die junge Leute ansprechen“.

Auch die Vorsitzende der Frauenlisten-Fraktion, Dr. Silvia Oberhauser, schlägt vor: „Die Parkgebühren erhöhen und das Geld verwenden, um die Innenstadt zu verschönern - durch Straßengrün, Blumen, Bänke und Ereignisse wie Kunst und Kultur am Schloss.“

Zumindest für 2018 wird es nichts mit solchen Visionen: Der Antrag, die Gebührenerhöhung umzusetzen, fand nur acht Ja-Stimmen. Aber bis 2019 lassen sich die Emotionen sicherlich am Köcheln halten.Andreas Volz

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