Lokale Wirtschaft

BEST steht für Geld sparen und Umweltschutz

Das Frickenhäuser Unternehmen Wezel hat bei dem Projekt BEST mitgemacht und dabei durchweg positive Erfahrungen gemacht. Vom Ergebnis überzeugte sich Umweltministerin Tanja Gönner gestern Vormittag persönlich bei einem Besuch beim Spezialisten für Fließpressteile.

NICOLE MOHN

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FRICKENHAUSEN Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit sind zwei Themen, die auf den ersten Blick nicht so recht zusammenzupassen scheinen. Dass bei dieser Kombination eine "Win-Win-Situation" entstehen kann, beweist aber BEST. Hinter der Abkürzung versteckt sich das erfolgreiche Beratungsprogramm der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) zur Optimierung des betrieblichen Energie- und Stoffstrommanagements.

Über mehrere Monate hinweg durchleuchtete die Frickenhäuser Firma Wezel ihre Abläufe und Strukturen mit Hilfe eines Beraters bis ins kleinste Detail. Welche Stationen durchlaufen die Materialien, wo gibt es Doppelarbeiten, wie kann man die Wege optimieren, wie kann man Maschinenleerlaufzeiten verhindern, lauteten die Fragestellungen. Dabei lernten die Experten für Kaltumformung viel über den eigenen Betrieb. "Wir haben heute einen wesentlich effektiveren Materialfluss", sagte der geschäftsführende Gesellschafter Werner Theiß im Rückblick. Durch die Optimierung der Abläufe spart das Unternehmen allein 70 Prozent beim Kraftstoffverbrauch. Damit nicht genug: Die Analyse deckte weitere Einsparungsmöglichkeiten für die energieintensive und mit hohen Wasserkosten verbundene Produktion auf. Unter dem Strich spart Wezel satte 50 000 Euro pro Jahr, so Theiß.

Das Frickenhäuser Unternehmen ist mit diesem Ergebnis kein Einzelfall: Bis zu 500 000 Euro sparen die Betriebe durch die Beratung ein, so die Erfahrung. Zahlen, die eindeutig für das Programm sprechen, meint Umweltministerin Tanja Gönner. Für Wirtschaft und Umwelt biete die Ressourceneffizienz eine eindeutige "Win-Win-Situation": Die Natur profitiere durch weniger Abfall und Emissionen, für die Wirtschaft sei der Prozess die Chance, sich zukunftsorientiert auszurichten und zudem Geld zu sparen. "Wir können nicht mehr Ressourcen verbrauchen als der Planet sie liefert", erinnerte sie.

Schon jetzt macht sich die Energieknappheit für die Wirtschaft deutlich bemerkbar. Davon kann auch Theiß ein Lied singen: "Die gestiegenen Preise für Energie und Stahl sind derzeit die größten Preistreiber", berichtet der Gesellschafter. Bei allein 3,5 Millionen Kilowattstunden Stromverbrauch pro Jahr macht sich das bei den Frickenhäusern, die vor allem Firmen aus der Automobil- und Elektrowerkzeug-Industrie zu ihren Kunden zählen, besonders schwerwiegend bemerkbar. Durch Produktivitätssteigerung allein lasse sich dies nicht aufholen, so der Geschäftsführer.

Dieser Kostendruck hat viele Firmen in den zurückliegenden drei Jahren zum Mitmachen bei BEST bewogen. Nicht nur die energieintensiven Branchen wie Metallbauer und Kaltumformer. "Das geht querbeet von der Papier- über die Textilindustrie bis zur Pharmazie", berichtet Emil Hildenbrand, Leiter für das Referat Umwelttechnologie bei der LUBW. Das Programm richtet sich speziell an kleine und mittelständische Betriebe. "Hier ist einfach das finanzielle Potential für solche Beratungsleistungen nicht vorhanden", begründet Tanja Gönner diese Fokussierung. Gerade hier sitze aber ebensoviel Innovationspotential.

Insgesamt begaben sich landesweit bereits 43 Firmen in den Beratungsprozess. In den meisten Fällen verläuft der nicht so intensiv wie bei Wezel. 38 Unternehmen beteiligten sich an der Light-Variante "BEST Start". Dabei erreicht man mit 20 Prozent des Einsatzes 80 Prozent des Erfolges. Hier zahlt die Landesanstalt die Hälfte der Beraterkosten, im Schnitt 3900 Euro pro Unternehmen. Wer tiefer einsteigt, dem finanziert die Behörde bis zu 20 000 Euro der Kosten für die externen Berater. Insgesamt steckte die LUBW bereits 220 000 Euro in die Verbesserung des betrieblichen Energie- und Stoffstrommanagements.

Der Effekt ist nicht nur kurzfristig: "Wir wollen den Firmen damit ein Instrument an die Hand geben", sagt Hildenbrand. "Es ist bei uns dadurch ein lebendiger Prozess entstanden", bestätigt Theiß. Inzwischen hat es weitere Treffen mit dem Berater gegeben, das Energie- und Stoffstrommanagement ist inzwischen fester Bestandteil der Firmenphilosophie.

Nicht nur Umwelt, Ressourcen und Einsparungen stehen auf der Positiv-Seite des Programms, das nach Auskunft Hildenbrands fortgesetzt werden soll. "Der Prozess hat vielfach dazu beigetragen, Arbeitsplätze zu erhalten", erinnert der Referatsleiter an einen weiteren positiven Effekt. Theiß erlebte durch den Prozess zudem eine größere Mitarbeitermotivation. "Unsere Mitarbeiter waren aktiv in die Optimierung der Arbeitsabläufe eingebunden", berichtet er. Auch Besprechungen verlaufen inzwischen weitaus zielgerichteter als vor BEST.

Ministerin Gönner, die sich vor einem Rundgang durch die Produktionshallen noch ins Goldene Buch der Gemeinde Frickenhausen eintrug, hofft nun, dass die Firma Wezel viele Nachahmer findet. Deshalb hat die LUBW inzwischen auch eine CD-Rom aufgelegt, mittels der sich Interessenten anhand vieler Praxisbeispiele über Inhalte des Programms informieren können.

Allerdings müssen sich interessierte Betriebe eventuell etwas gedulden: "Wir sind zurzeit ausgebucht", sagt Hildenbrand.