Lokale Kultur

Bewusstes Spiel mit Farbsemantik

WEILHEIM Arbeiten aus dem Werkzyklus "teilweise" der Lenninger Bildhauerin Regina Weber sind derzeit in den Räumen der Raiffeisenbank in Weilheim zu sehen. In ih-

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FLORIAN STEGMAIER

rer meist geometrisch reduzierten Schlichtheit schaffen Regina Webers Stelen und Objekte neue Raumstrukturen und zeigen diese den Betrachtern auf.

Über ihre reine, meist auf dem Prinzip der Symmetrie beruhende Formgebung hinaus, gibt es zwei weitere wesentliche Gestaltungselemente. Zum einen die Farbe, zum anderen die materialhafte, organische Beschaffenheit der Oberflächen der Arbeiten, für die Hölzer verantwortlich sind, Holzfundstücke oder wie die Künstlerin es nennt "Findlinge", die sie als ersten Schritt ihrer Arbeit in der Natur sammelt.

Manchmal werden aus dieser Vielzahl und Vielfalt der Fundstücke auch ein einzelner oder einige wenige dieser "Findling" herausgegriffen. So etwa bei den Papierarbeiten eigentlich großformatige Malereien mit Papier bei denen einzelne Astgabeln, zum Teil ganz archaisch anmutend wie Hieroglyphen dastehen und als ausgewählte Repräsentanten an die unermessliche Vielfalt der organischen Formen erinnern.

Hier tut sich auch ein Bezug zum Ausstellungstitel "teilweise" auf: mit einzelnen kleinen Teilen, baut Regina Weber in ihrem künstlerischen Prozess die große Form auf. Mit der Farbgebung ihrer Werke, der spezifischen Farbsemantik, geht die Künstlerin Regina Weber sehr bewusst um.

Weiß begegnet den Betrachtern etwa als Farbe des Entstofflichten, des Geistigen. Schwarz steht für Übergang, für Transformation und Wandel, letzteres ein Charakteristikum der Welt des Organischen schlechthin. Rot steht seit je her für Lebenskraft, für vitale Energie.

Auf diese Weise bündelt die Künstlerin Regina Weber in einer ihrer neuesten Arbeiten rot gefärbte Rindenspäne, die in einer bewahrenden und beschützenden Geste von schwarzem Papier zusammengehalten werden, und verdichtet ihren durch die Farbe unmittelbar zu erfahrenden Energiegehalt.

Die Farbe gibt den Arbeiten dabei zusätzlich Einheit, Geschlossenheit und Dichte. Dennoch ist der Farbton nie ganz konstant. Zahlreiche subtile Nuancen sind erkennbar, das Material spricht sozusagen durch die Farbe und sorgt somit auch für eine zusätzliche Belebung, eine Verlebendigung der Oberfläche.

Die Werke von Regina Weber ziehen ihre Kraft aus der Ambivalenz von geometrischer Form einerseits wie sie die belebte Natur nicht hervorbringt und organischer Form andererseits. Zwei Welten, die sich zunächst einmal polar gegenüberstehen. Das Geometrische bietet Regelmäßigkeit, Klarheit und Stabilität, aber auch Statik, Erstarrung, Kälte. Das Organische liefert Vielfalt und Leben, hat aber auch die Neigung zur Unordnung, zum Chaos in sich.

Das Verdienst der künstlerischen Arbeit von Regina Weber besteht nicht zuletzt darin, diese gegensätzlichen Welten mit ihren jeweiligen positiven Qualitäten verschmolzen und zu einer ganz eigenen, harmonischen Einheit gebracht zu haben.

Für eine ansprechende und hochkarätige musikalische Umrahmung der Vernissage sorgten Xaver Paul Thoma (Viola) und Joachim Hess (Cello) mit ihren Darbietungen.

Die Arbeiten von Regina Weber aus der Serie "teilweise" sind noch bis Dienstag, 10. Januar 2006, zu den üblichen Öffnungszeiten der Raiffeisenbank in Weilheim zu sehen.