Lokale Kultur

Bezaubernde Regenbogenmelodien

WEILHEIM Der russlanddeutsche Chor Kalinka Nürtingen begeisterte bei einem Konzert in Hepsisau mit einem Reigen von Volksliedern. Im ersten abendfüllenden Konzertabend "Regenbogenmelodien" wurde abwechselnd auf Deutsch und auf

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MIRIAM LEYPOLDT

Russisch gesungen. In der Hepsisauer Gemeindehalle traten die Debütanten in eigens für den Auftritt geschneiderten Kleidern auf die Bühne. Die Begleitung übernahm der Chorleiter und Akkordeonspieler Josef Reis. Als Solist war bei diesem Konzert auch noch der Bassbariton Michael Seil aus Güglingen zu hören.

Der Abend begann mit drei russischen Liedern, die volksliedtypische Belange zum Thema hatten. Es ging um die Natur, um junge Verliebte und um Heimatverbundenheit melancholisch, traurig und lakonisch, aber andererseits auch von überschäumender Lebenslust geprägt. Die Sängerinnen transportierten mit rasanter Akkordeonbegleitung und Soloeinlagen des Bassbaritons einen authentischen Eindruck der sprichwörtlichen russischen Seele.

Für Zuhörer, die der russischen Sprache nicht mächtig waren, erklärte die Erste Vorsitzende, Lisa Bauer, die Inhalte der Weisen. Die stolzen Sängerinnen übertrafen sich an Sangesfreude von Lied zu Lied und steigerten die Stimmung im Saal durch ihre natürliche Darbietung. Da die Volkslieder bekannt waren, wurde kräftig mitgeklatscht und die ein oder andere Strophe gar leise mitgesungen. Der Ruf nach Zugabe erschall nicht nur wie normalerweise üblich erst am Ende der Darbietung, sondern auch nach besonders gekonnt vorgetragenen oder besonders bekannten Stücken, wie beispielsweise "Kalinka".

Nach weiteren russischen, russlanddeutschen oder ukrainischen Liedern näherte sich das Konzert mit dem Solo von Michael Seil seinem dramaturgische Höhepunkt. Um dem Bassbariton für "Einsam ertönt ein Glöckchen" und "Schwarze Augen" viel Klangraum zur Verfügung zu stellen, traten Akkordeonbegleitung und Chor sachte in den Hintergrund und die Zuhören hielten den Atem an.

Nach der Pause begeisterte der Chor mit acht weiteren Volksweisen, um dann im gemeinsamen Gesang mit dem Solisten zum Finale zu kommen. Das russische Volklied "Kalinka" durfte aufgrund des Chornamens natürlich nicht fehlen und schloss die Darbietung schwungvoll ab.

Waren die Damen auf der Bühne anfänglich noch eher zurückhaltend, wurde gegen Ende des Konzertes gewippt, geklatscht und sogar getanzt. Getragen von der Begeisterung des Publikums, entwickelte sich das Konzert zu einem professionellen Bühnenereignis. Die Freude am Singen und am Zuhören war überall sichtbar.

Der Spaß am Singen hat bei Kalinka Tradition und stand schon von Beginn an ganz oben auf der Agenda des Chores: Im Spätsommer 2003 von vier Leuten gegründet, vereinigt der seit Dezember 2005 selbstständig geführte Verein sangesfreudige Menschen mit russlanddeutschem Migrationshintergrund zu einer im wöchentlichen Turnus stattfindenden Singstunde. Dabei steht bis heute nicht das Können im Vordergrund, sondern die Ambition.

Die zweite Säule des Vereins ist die Förderung der Integration von Spätaussiedlern ins Vereinsleben und die Begegnungsmöglichkeit durch musisches Tun. Der Chor wurde im Jahr 2004 von der Weihnachtsaktion "Licht der Hoffnung" der Nürtinger Zeitung mit einer Spende unterstützt. Weitere Förderer sind die Nürtinger Bürgerstiftung und die Aktion "Hilfe für den Nachbarn" der Stuttgarter Zeitung.

Das gute Ergebnis dieser Bemühungen war bei dem Konzert in der Hepsisauer Gemeindehalle zweifelsohne greifbar. Nicht enden wollender Applaus bestätigte, dass das Konzert ein sowohl für das Publikum als auch für den Chor sehr erfolgreiches Unternehmen war. Die Sängerinnen sowie der Solist und der Akkordeonspieler dankten dem Publikum und vor allem auch Dieter Runk, der die Chorgründung in seiner Funktion als städtischer Sozialpädagoge initiiert hatte und mittlerweile als passives Mitglied und in beratender Funktion regen Anteil an der Entwicklung des Chores nimmt.