Lokale Kultur

Beziehungsgeflecht aus Kunst, Technik und Erfindergeist

KIRCHHEIM Der für die Programmgestaltung der Städtischen Galerie im Erdgeschoss des Kirchheimer Kornhauses verantwortliche Kunstbeirat hat sich anlässlich des 100. Todestages des in der Teckstadt geborenen Ingenieurs Max Eyth (1836 1906) die Aufgabe gesetzt, vor diesem Hintergrund einen thematischen Schwerpunkt bei den in diesem Jahr angebotenen Ausstellungen zu entwickeln.

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Die eingeladenen zeitgenössischen Künstler zeigen verschiedenste Arbeiten, die im Beziehungsgeflecht zwischen Bildender Kunst, Technik, geschichtlicher Recherche und skurrilem Erfindergeist angesiedelt sind. Darüber hinaus startet der Kunstbeirat eine eigene Initiative, die eine vielfach vorhandene, oft nicht wahrgenommene "Alltagskreativität" und die regional bedingte "Tüftlermentalität" zum Thema hat.

Kleine Erfindungen, die den Arbeitsalltag erleichtern, Verfremdungen und Hinzufügungen an schon bestehende Werkzeuge, die deren Anwendung optimieren, eigentümliche Fundstücke und Raritäten aus Familienbesitz sollen mit Unterstützung der Kirchheimer Bevölkerung in der Sommerausstellung (Ende Juli bis Ende August) zusammengetragen und dokumentiert werden.

Wie berichtet, ist die am vergangenen Wochenende eröffnete Ausstellung "Tecknik" mit Arbeiten von Helmut Dietz, Tino Panse, Stefan Rohrer und Pablo Wendel noch bis Sonntag, 26. Februar, zu sehen. Mit der Ausstellung "Tecknik" zeigen die vier Künstler aus Stuttgart Arbeiten, die im Kontext zu alltäglichen Erfindungen und deren Folgen innerhalb der Gesellschaft stehen. Darüber hinaus entstehen interessante Gegenüberstellungen und Handlungsabläufe innerhalb der Arbeiten.

So zeigt beispielsweise Tino Panse eine Videoinstallation zum Thema, "Rund um Hund", verschiedene Studien sollen aufweisen, ob der Hund modernen Ansprüchen und Bedürfnissen noch gerecht werden kann. Von Stefan Rohrer wird ein Video von einem Crashtest zu sehen sein. Durch Verdopplung und Spiegelung zu einem Ornament zusammengebaut, wird das Video sich zwischen Schönheit und Zerstörung bewegen.

Bei dem Experiment mit einer Projektion als bewegtes Bild, spielt Pablo Wendel mit der grafischen Oberfläche eines Computerbildschirmes als Ausgangsmaterial für eine Versuchsanordnung einer raumgreifenden Projektionsfläche. Helmut Dietz zeigt einen Film, bei dem ein technisches Gerät die Kameraführung übernimmt.

Von Sonntag, 12. März, bis einschließlich Montag, 17. April, stellt Björn Schülke aus Köln im Kornhaus aus. Björn Schülke, der von 1997 bis 2000 Research Artist am Forschungszentrum für Informationstechnik in Sankt Augustin war, könnte als Künstler-Ingenieur und Tüftler bezeichnet werden. In seinen Ausstellungen agieren Fernseher als Klanggeneratoren, Theremine steuern den Plattenteller und drohnenartige Objekte zeichnen Bilder auf, die unter anderem durch die Körperaktivität der Besucher beeinflusst werden.

Ulrich Bernhard aus Stuttgart präsentiert sich von Samstag, 6. Mai, bis Sonntag, 2. Juli, mit seiner Ausstellung "Mit Volldampf Mr. 8". Der Videokünstler gehört im deutschen Südwesten zu den Pionieren der Medienkunst. Nach einem Aufenthalt in New York Ende der 60er-Jahre und unter dem Eindruck der frühen Videoarbeiten von Nam June Paik, begann Ulrich Bernhard mit den ersten eigenen Videoexperimenten. In seinen Foto- und Videoarbeiten thematisiert er die Wandlung der Vorstellung von Raum und Zeit, sowohl in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit als auch im subjektiven Erleben.

Aus Anlass des 100. Todestages des Ingenieurs Max Eyth konzipiert Ulrich Bernhard der ein Urgroßneffe des Kirchheimer Erfinders ist einen mehrteiligen Max-Eyth-Block. In der Galerie im Kornhaus wird er eine Medieninstallation zur Industrialisierung der Landwirtschaft zeigen, die von Max Eyth wesentlich beeinflusst wurde. Ein weiterer Teil besteht aus Fotorecherchen in Kairo in Ägypten sowie in New Orleans und Sankt Louis in den Vereinigten Staaten. Ulrich Bernhards Reiseziele basieren auf literarischen Hinweisen und zeichnerischen Dokumenten, die Max Eyth während seiner Auslandsaufenthalte im 19. Jahrhundert anfertigte. Der Max-Eyth-Block wird nach der Ausstellung in Kirchheim im kommenden Herbst in der Landesvertretung Baden-Württembergs in Brüssel und voraussichtlich Ende des Jahres in abgewandelter Fassung auch in Stuttgart zu sehen sein.

Mit "Marke Eigenbau" ist die Ausstellung überschrieben, die von Sonntag, 30. Juli, an bis Sonntag, 17. September, im Kornhaus zu sehen ist. Präsentiert werden soll in dieser Zeit eine Sammlung von Geräten und Gegenständen des persönlichen Alltags. Für eine Ausstellung werden ungewöhnliche funktionale Gegenstände, Erfindungen und Konstruktionen gesucht, die in Form von Fotografien, Beschreibungen und selbstverständlich Originalen gezeigt werden sollen. Alle Bürgerinnen und Bürger von Kirchheim und Umgebung werden herzlich dazu eingeladen, sich mit eigenen Beiträgen an dieser Ausstellung zu beteiligen. Diese Ausstellung wird vom Kunstbeirat der Städtischen Galerie im Erdgeschoss des Kornhauses veranstaltet.

Von Sonntag, 8. Oktober, bis Sonntag, 19. November, zeigt Frederik Foert aus Berlin im Kornhaus "Kinetische Objekte". Schon seit zwölf Jahren versucht er, sein trotz Unwissenheit erschlichenes Klassenziel im Fach Physik, mittels künstlerischer Versuchsaufbauten vor seinem Gewissen zu rechtfertigen. Sich den Tücken des Alltags stellend, bringt er seinen Haushalt in ständig variierende Zusammenhänge und erschließt den Betrachtern durch kinetische Konstruktionen kleine cineastische Momente. Von der Schlagbohrmaschine über die Stereoanlage bis hin zum Ventilator ist kein Gerät zu komplex oder zu banal, um nicht von Laienhand einem neuen Zweck zugeführt werden zu können.

pm