Lokale Wirtschaft

Biete Donauwellen, suche Gartenhilfe . . .

Keiner kann alles, aber jeder hat einzelne Talente. Was liegt näher, als diese miteinander zu tauschen? Auf diesem Grundgedanken baut die Arbeit des neuen Kirchheimer Tauschrings auf. Getauscht werden sollen ausschließlich Dienstleistungen, frei nach dem Motto "Wer andern eine Grube gräbt . . . bekommt den Gartenzaun gestrichen."

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Meine Donauwelle ist unübertroffen. Backe auch mehrere auf einen Termin", heißt es im Tauschring-Blättle, das alle Tauschring-Teilnehmer fortan erhalten. Einen "großen Garten für Feste" bietet ein anderer. Ein dritter wiederum sucht "Hilfe im Garten" sowie Unterstützung "bei Kleinreparaturen". Alles kein Problem: Im Tauschring kann jedem geholfen werden. Jeder Einsatz wird auf einem Konto mit so genannten "Teckies" verrechnet eine fiktive Währung, die mit ihrem Namen nicht nur auf den Kirchheimer Hausberg, sondern auch auf die finanzielle Dimension, den "Kies", hinweist. Für die durch eigenen Einsatz erwirtschafteten Teckies können dann im Gegenzug andere Leistungen in Anspruch genommen werden.

Doch es geht nicht nur um den Tausch von Dienstleistungen. "Der Gemeinsinn steht im Vordergrund", hebt Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker einmal mehr die viel beschriebene Stärke Kirchheims hervor. Wer seine Fähigkeiten einsetzt und auf Unterstützung durch andere setzt, erhält dabei quasi gratis neue Kontakte. Was hier praktiziert werden soll, ist Nachbarschaftspflege im weiteren Sinn.

Der Tauschring "Tausch um die Teck" hat nicht nur bundesweit eine große Zahl von erfolgreichen, aber auch gescheiterten Vorläufern, sondern auch in Kirchheim schon eine lange Geschichte. Im dritten Anlauf gelang es Heike Kunz von der Fachstelle Bürgerengagement, die Idee zu einem tragfähigen Modell weiterzuentwickeln. Möglich war dies dank einer engagierten Bürgergruppe, die voll und ganz hinter dem Projekt steht. Von besten Erfahrungen einer Hamburger Freundin kann beispielsweise Martina Zweigle berichten. Ein hilfreiches Netzwerk, wie sie dort kennen gelernt hat, will sie nun hier im Schwabenländle mit aufbauen. "Wir setzen auf das Schneeballsystem", vertraut Heike Kunz ganz auf das kontaktfreudige sechsköpfige Kernteam.

Diese Gruppe wiederum hat bereits eifrig die Werbetrommel gerührt, sodass der Tauschring schon stolze 16 Teilnehmer aufweist und fast ein halbes Dutzend Positionen in der Rubrik Angebote und Gesuche. Rolf Hohmeier hat sich im Vorfeld beim Tauschring in Schorndorf, der mit 200 Teilnehmern als leuchtendes Beispiel gilt, kundig gemacht. So profitiert man unter der Teck von den Erfahrungen aus der Umgebung.

Wer beim Kirchheimer Tauschring mitmachen will, muss einen Kostenbeitrag von zehn Euro im Jahr leisten, darf aber erst mal umsonst schnuppern. Auch junge Leute, etwa das Jugendhaus Linde, sind in das Tauschsystem eingebunden. Zum Teil stecken auch ganze Familien hinter einzelnen Positionen, deren Mitglieder mit verschiedenen Angeboten vom Hund-Ausführen bis zum Party-Planen werben.

Ganz wichtig ist den Initiatoren, dass hier keine Konkurrenz zu Betrieben und Dienstleistern geschaffen werden soll. Vielmehr geht es um kleine, ganz spezielle und auch zeitlich begrenzte Hilfsleistungen. Je bunter die Angebotspalette, desto ergiebiger der Tauschring. "Das Projekt lebt von den Menschen", bringt es Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker auf den Punkt. Die Stadt hat die Grundlage geschaffen, indem sie Mentoren schulen ließ, die gewissermaßen als Lotsen auftreten sollen. Jetzt wird der Tauschring flügge.

INFODas Tauschring-Team stellt seine Ideen am morgigen Samstag, 7. Mai, von 10 bis 13 Uhr vor der Stadtbücherei interessierten Bürgern vor. Außerdem ist es ab 10. Mai immer dienstags von 16 bis 18 Uhr im Bürgerbüro zu erreichen unter der Telefonnummer 07021/47746. Darüber hinaus ist das Bürgerbüro montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr der Ansprechpartner. Die E-Mail-Adresse lautet: bürgerbüro.kirchheim@t-online.de.