Lokale Kultur

Bildhauerische Arbeit und Zwischenmenschliches

KIRCHHEIM Bereits seit Dienstag ist das Bildhauersymposium auf dem Schlossplatz unter dem Motto "Begegnungen" in vollem Gang. Fünf Holz- und Steinbildhauer Jochen Herzog, Monika Majer, Steffen Neidhardt, Frank Teufel und Samy Virmoux haben sich auf individuelle Weise künstlerisch mit dem Thema

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FLORIAN STEGMAIER

auseinander gesetzt. Die im Laufe der Woche entstandenen Skulpturen werden heute um 18 Uhr vor dem Kornhaus im Beisein von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker der Stadt für ein Jahr als Leihgabe übergeben. Eine sich anschließende Dia-Show im Spitalkeller wird das Kunstereignis heute abrunden.

Das dort präsentierte Bildmaterial kam zustande durch die das Symposium begleitende Arbeit der Fotokünstler Anke Abel, Christa Leder, Arthur Schippert, Sigi Hasel und Achim Dannenhauer, deren Impressionen auch im Sinne einer "wachsenden Dokumentation" im Erdgeschoss der Kornstraße 4 zu sehen sind. "Begegnung", so der Tuttlinger Bildhauer Frank Teufel, "ist Grundvoraussetzung für Kommunikation, für Entwicklung und Veränderung".

In seiner rund vier Meter hohen Plastik, die aus zwei ineinander verhakten Eichenholzelementen besteht, lotet Frank Teufel in einer abstrakten, jedoch klaren und direkt erfahrbaren Formensprache die Spanne zwischen distanzierter und inniger Begegnung, zwischen Hand- schlag und Umarmung aus. Der Ötlinger Steinmetz und Steinbildhauer Jochen Herzog lies im Laufe des Symposiums eine 2,60 Meter hohe Stele aus Sandstein von Passanten beschreiben. Die sich durch die mehrmaligen Überschreibungen ergebenden Strukturen arbeitete er dann als rund umlaufende Relief aus. In ihrer fertigen Gestalt dokumentiert die Skulptur die bewusst nicht mehr eindeutig zu lesenden Spuren des Aufeinandertreffens verschiedener Personen, verschiedener Meinungen innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens.

Das Aufeinandertreffen polarer Prinzipien, statisch rechtwinkliger Geometrie und organischer Form steht im Mittelpunkt der Arbeit "occursus" des Stuttgarter Künstlers Steffen Neidhardt. Der Gegensatz, der sich in der Skulptur zu einer Einheit aufhebt, spiegelt sich auch im Material wieder: ein im Querschnitt als spitz auslaufende Ellipse geformtes Holzstück als dynamischer Vertreter des Organisch-Gewachsenen, Stahl als Repräsentant des Statisch-Geometrischen.

Monika Majer, Steinbildhauerin aus Ötlingen und Initiatorin des Symposiums, spaltete eine Kalksteinstele in mehrere Teile ein Arbeitsprozess, der trotz virtuoser handwerklicher Fähigkeiten durchaus seine Risiken in sich birgt , die anschließend im Quadrat um ein leeres Zentrum gruppiert werden. Durch die verschiedenen Größen der Einzelteile entsteht Offenheit und Geschlossenheit zugleich und von allen Seiten ergeben sich unterschiedlichste An-, Ein- und Durchblicke.

"Etait bon gut wars" ist das kurze und bündige Statement des Notzinger Holzbildhauers Samy Virmoux. Zugleich ist das auch der Titel seiner archaisch anmutenden, aus Eiche gefertigten Kopf-Skulptur, deren expressive Mimik die Aussage unmissverständlich vermittelt. Überhaupt ist das abschließende Fazit der fünf Protagonisten einhellig positiv.

Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und allen anderen beteiligten Veranstaltern der Programm-Initiative von "Kunst und Kultur am Schloss" wurde als äußerst gut und konstruktiv bewertet. Nicht zuletzt aufgrund der Möglichkeit, zahlreicher Gespräche mit interessierten Passanten und "Schaulustigen" zu führen, die sich oft zu regelrechten Grüppchen um die Künstler formierten, habe sich das Ambiente des Schlossplatzes zur bildhauerischen Arbeit und zur erwünschten zwischenmenschlichen Begegnung gleichermaßen gut geeignet.