Lokale Kultur

Blick auf Camille Claudel

Die Schauspielerin Janne Wagler erinnert in der Bastion an eine Bildhauerin

Kirchheim. Die Bildhauerin Camille Claudel absolviert am Samstag, 26. April, ab 20.30 Uhr ein Gastspiel im Kirchheimer club bastion. Nach dem großen Erfolg ihrer Gastspiele auf den Camille-Claudel-Ausstellungen in Graz, Apolda und Rostock wird die Tübinger Schauspielerin Janne Wagler mit ihrem Theatersolo „Camille Claudel. Bildhauerin“ auch wieder einmal im süddeutschen Raum zu sehen sein.

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In dichter, packender Weise wird der Blick der Zuschauer nah heran geholt an das Leben und Innenleben der Künstlerin Camille Claudel, die voller Kraft, voller Ideen und Tatendrang mit dem großen Bedürfnis nach Anerkennung und Geborgenheit und zugleich voller Sturheit und Eigenbrötelei arbeitet.

Für die Dauer des Stückes ist Janne Wagler Camille Claudel und hat damit das Publikum vielerorts begeistert. Für die Zuschauer entsteht dabei der Eindruck, die Personen, mit denen Camille Claudel spricht, real zu erleben. Es wird nicht versucht, eine Frau nachzuspielen, von der irgendwelche durch Film und Fotos geprägte Vorstellungen existiere. Die Camille Claudel in dieser Inszenierung lebt nur durch die Ehrlichkeit des Augenblicks. Alles „Dialogische“ findet in diesem Solo auf der Grundlage von Erinnerungen statt. Jeder kennt diese Momente, in denen Erinnerung an gelebtes Leben so stark werden können, dass die Vergangenheit für Augenblicke wirklich zurückkehrt.

Auf der Bühne entsteht damit unter den Augen der Zuschauer in jeder Vorstellung ein Werk aus Ton und geht jedes Mal den Weg vieler Werke Camille Claudels: Der simplen, unpathetischen, kommentarlosen Zerstörung.

Das Schicksal einer ungewöhnlichen Künstlerin wird aus dem Schatten ihres berühmten Kollegen Rodin geholt.

Camille Claudel, 1864 geboren, modellierte schon als Zwölfjährige die Porträts großer historischer Herrschergestalten. Die ganze Familie muss sich immer wieder ihrem unbändigen Willen und Eigensinn beugen: Alle müssen ihr Modell sitzen. Camille Claudels Hände beleben den Stein und die Erde.

Ihr Bruder Paul, später ein großer Schriftsteller, liebt, bewundert und hasst sie zugleich. Sie ertrotzt sich ihren Weg als Bildhauerin, zum Entsetzen von Mutter und Schwester.

In der Begegnung mit dem Bildhauer Rodin erlebt Camille Claudel die Liebe als wunderbarste Schaffenskraft, aber zu viele Stricke zerren an ihr: Der große Auftrag, den ein Bildhauer braucht, um zu überleben, bleibt aus. Im Schatten Rodins, namenlos eingehen in seinen Ruhm? Wohin dann mit den eigenen Ideen? Sie bittet Rodin um die Heirat, er lehnt aber ab, obwohl er sie liebt. Immer wieder plagen sie auch Geldsorgen, obwohl sie bis zur Erschöpfung arbeitet.

Nach dem Bruch mit Rodin lebt sie allein mit ihren Katzen. Erwartungen, die einst groß waren, werden enttäuscht und schlagen um in Hass, Angst und Wahn. Als reife Frau und gescheiterte Künstlerin muss Camille Claudel das Maximum an Fremdbestimmung erleben: Dreißig Jahre Irrenanstalt, auf Veranlassung von Mutter und Bruder, bis zu ihrem Lebensende. Kein Weg mehr führt nach draußen. Sie ist selbst zu Stein geworden, eine lebende Statue. Nie wieder wird sie Ton in die Hände nehmen.

Eine Liebe, die zerbröckelt, wie getrockneter Gips. Wunderlich wird man, wenn man sich zu sehr der Einsamkeit ausgesetzt sieht. Erinnerungen schleichen sich dabei an wie Katzen auf der Jagd. pm