Lokale Kultur

Blick in Adventskalender

KIRCHHEIM Fast sechzig Zehnjährige über eine Stunde lang mit einem Thema zu fesseln, ist ohne den Einsatz von Film und Fernsehen ein schwieriges Unterfangen. Die Kin

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ANDREA SCHÄDEL

derbuchautorin Astrid Nagel meisterte diese Aufgabe ohne technischeHilfsmittel mit Bravour. Bei ihrem Besuch bei den Klassen 4a und 4b der Kirchheimer Raunerschule setzte sie auf die Kraft des jedem Kind eigenen Kopfkinos, indem sie drei Kapitel aus ihrem Abenteuerbuch "Der geheimnisvolle Adventskalender" las.

Passend zur vorweihnachtlichen Lesung hatte sie die Erlebnisse ihres Titelhelden Nico, der zwischen seiner realen Welt und den Geschehnissen im Fantasieland "Adventa" bewusst hin- und herpendelt, im Dezember angesiedelt. Gebannt folgten die Kinder dem fantastischen Vorweihnachtsabenteuer, das Astrid Nagel mit wohlmodulierter Stimme vor ihnen auftauchen ließ. Dazu kam, dass die vorlesende Autorin durch die recht anspruchsvolle Sprache des Buches immer wieder neue Facetten und überraschende Bilder aufscheinen ließ.

Wer das Buch noch nicht gekannt hatte, ließ sich einfach von der besonderen Atmosphäre der Lesung und vor allem von der nicht unbedingt vorhersehbaren Handlung gefangen nehmen, die am 30. November beginnt und nach dem 24. Dezember mit einem Sonderkapitel "Heiliger Abend" glücklich endet.

Den weniger geübten Lesern kam zu Hilfe, dass die vorangegangenen Kapitel schon im Klassenverband gelesen worden waren, und dass die weniger als zehn kurze Seiten umfassenden Abschnitte immer dem gleichen Schema folgen, sodass niemand überfordert wurde. Geschickt führte die Autorin die beiden Klassen der Raunerschule immer wieder in der Gegenwart zusammen, wenn sie etwa Fragen zum Text stellte, Anregungen zur Kontrafaktur oder zum Ausdenken von anderen Handlungsmöglichkeiten gab oder wenn sie, passend zu Kapitel 15, Wunderkerzen abbrennen ließ.

Natürlich waren alle Kinder etwas traurig, als die eigentliche Lesung beendet war und der eher graue Alltag wieder aufschien. Aber alle wussten auch, dass sie jederzeit wieder in das fantastische Abenteuer eintauchen konnten. Zum Abschluss stellte die Kinderbuchautorin, die ursprünglich Informatik studiert und Jahre lang in einem Rechenzentrum gearbeitet hatte, ihre gut gestaltete und gepflegte Homepage vor. Kinder können Bilder malen, Fragen stellen und Anregungen geben und eigene Geschichten schreiben, die Astrid Nagel dann ins Netz stellt oder sie können den eigenen Adventskalender der Autorin aufblättern.

So wurde am Ende eine an sich althergebrachte Lesung zu einem Beispiel dafür, wie traditionelle Literatur mit modernen Medien verknüpft werden kann und dadurch neue Leser gewonnen und schon vorhandene bestärkt werden können. Richtig angewandt, so dieses Fazit, sind PC und Internet nicht das Ende der Literatur, sondern können zu deren Ergänzung oder gar Erweiterung dienen. Einfach nur www.astridnagel.de anklicken.