Lokale Kultur

Blick in die jiddische Seele

KIRCHHEIM "Ehe ihr in die Ehe eintretet, lasst alle Hoffnung fahren", soll schon Dante Alighieri gesagt haben. Auf das Programm "Weiber, Wahnsinn und Dämonen" von Michael Chaim Langer und Joachim Günther jedenfalls passt der Satz genau. Augenzwinkernd beleuchten die zwei

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NICOLE MOHN

darin die schillernden Gestalten und schrägen Figuren der jiddischen Gesellschaft. Am Samstag gastierten die beiden Mitglieder des Klezmerkabaretts Jontef aus Tübingen in der Auferstehungskirche in Kirchheim.

"Sie ist ein herrliches Weib, sie ist ein göttliches Weib" schwärmt Michael Chaim Langer in einem der vielen bekannten Songs, "aber ach, sie kann nicht kochen." Wäre es nur das, die vielen verschiedenen Charaktere, in die der Chansonier und Kabarettist im Laufe des Abends so schlüpft, könnten sich glücklich schätzen.

Da muss sich der Rabbiner mit einer schlauen Rebbezen herumschlagen, die mit eiskalter Logik und Kalkül dem Spuk der kreischenden, kopflosen Gänse ein jähes Ende bereitet. Ein armer geprügelter Ehemann, der den Ehedispens erfleht und doch noch von der Wahnsinnigen lassen kann, die ihn malträtiert. Und ein gehörnter Ehemann, der sich den Hausfreund ins eigene Haus geholt hat.

Augenzwinkernd, spöttisch und charmant beleuchtet Langer in der Rolle des genialen Erzählers Isaac Bashevis Singer die Eigenheiten der jüdischen Gesellschaft. Schillernd und bunt malt Langer, begleitet vom virtuosen Joachim Günther am Klavier, ein Bild vom Leben der Juden in Osteuropa neckt sie für ihren Mystikglauben und ihre kleinen Eigenarten. Immer wieder dreht es sich in den bezaubernden jiddischen Anekdoten und Erzählungen aus dem reichen Schatz des polnischen Literaten Singer um die Liebe, den Irrungen und Wirrungen des Herzens, den kleinen Missverständnissen zwischen den Geschlechtern. Dazu flicht das Duo aus der Tübinger Jontef-Truppe Swing-Evergreens und Schlager der 20er und 30er aus der Feder Georg Kreislers ein eine kongeniale Mischung, die dem Abend zusätzlich Pfiff verleiht.

Schade nur, dass die zwei Musiker und Kabarettisten am Abend vor einem nur halbwegs gefüllten Saal mit knapp 40 Zuhörern ihr Feuerwerk jiddischen Humors abbrannten. Kleiner Trost: Zum Kindermusical mit den beiden Jontef-Darstellern waren die Ränge vollbesetzt. Hingerissen verfolgten hier an die 80 Jungen und Mädchen zusammen mit ihren Eltern die Geschichte des gerissenen Todie und Leiser, dem Knicker, kicherten über sich vermehrende Löffel und die Schlitzohrigkeit des armen Todie, der dem Geizhals Leiser sein Geld abluchst. "Die Kinder hatten einen Riesenspaß", freute sich auch Pfarrer Stefan Kost über den großen Zuspruch zum Kinderstück, das im Rahmen des Kinderbibelwochenendes unter dem Motto "Du schenkst uns einen Inseltag" organisiert worden war.