Lokale Kultur

Blockflöten „de Luxe“

Hochkarätiges Triokonzert in der Kirchheimer Kirche Maria Königin

Kirchheim. Eine gute Stunde lang entführten drei hochkarätige junge Blockflötistinnen eine gespannt lauschende Hörerschar in der Kirchheimer Kirche Maria Königin in die

Anzeige

Gunthild Arnold

stilistisch und instrumental reiche und vielfältige Welt der Blockflöten. Als „Ensemble de Luxe“ haben sich Sonja Beling, Nadja Popp und Julia Heiß zu einem Trio zusammengefunden, dessen Musizierpraxis dem hohen Anspruch des Namens wahrlich gerecht wird. Technische Souveränität, makellose Intonation, lebendige Gestaltung, Stilsicherheit und aufführungspraktische Kompetenz in allen Epochen zeichnen das Spiel des Ensembles aus.

Kurze, informative Moderationen führten durch ein abwechslungsreiches Programm, das den Bogen vom Hochmittelalter bis ins 21. Jahrhundert spannte. Die einleitende Suite von Matthew Locke und vier programmatische Stücke des Vincenzo Ruffo vertraten die Renaissance. In die Welt mittelalterlicher Spielleute entführten Nadja Popp (Sopranflöte) und Julia Heiß (Schlagwerk) im hinreißend spielfreudig und temperamentvoll musizierten Tanzsatz „Tre fontane“ – „drei Brunnen“, sprudelten und perlten, dass es ein wahres Hörvergnügen war.

Zwei Raritäten standen als origineller Kontrast zur „alten“ Musik in der Mitte des Programms: die skurrilen, teils witzigen, teils melancholischen „Tangos for basses“ des Spätromantikers Cervantes, und A. Csollanys „Animal Farm“, das musikalische Porträt eines Bauernhofs. Bei diesem urkomischen Unternehmen ist die ganze große Blockflötenfamilie vom Garkleinflötlein bis zum Subbass mit von der Partie, um vom frechen Spatzengezwitscher bis zum dröhnenden Kuhstall-Sound die gesamte akustische Kulisse zu präsentieren. Als roter Faden zieht sich ein Zitat aus Camille Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“ durch das amüsante Geschehen, das mit Spielwitz und Humor serviert wurde.

Aus dem Barock hatte das Trio vier charakteristische, kontrastierende Werke ausgewählt. Gelegenheit zur Demonstration stilsicherer Verzierungskünste bot eine Suite des großen französischen Gambisten Marain Marais. Das polyphone Geflecht dreier „Sinfonien“ von Johann Sebastian Bach – es handelt sich um die ursprünglich für ein Tasteninstrument komponierten dreistimmigen Inventionen – waren in der Instrumentation für tiefes Blockflötentrio zwar klanglich reizvoll, aber in der Überakustik des Kirchenraums nicht immer klar durchzuhören. Johann Gottfried Walthers wunderbare Choralvariationen über „Jesu meine Freude“ wurden aus dem Geist der Orgel he­raus überzeugend gestaltet. Spätbarocke Virtuosität schließlich bildete den wirkungsvollen Kehraus: in Antonio Vivaldis Triosonate g-Moll zeigte das „Ensemble de Luxe“ noch einmal das ganze Spektrum seines instrumentalen Könnens. Begeisterter Beifall und eine witzige Dixie-Zugabe – man darf sich auf zukünftige Begegnungen mit dem sympathischen Ensemble freuen.