Lokale Kultur

Blues für Henriette im kleinen Kreis

Kirchheim. So etwas haben die Mauern der Martinskirche in mehr als acht Jahrhunderten vermutlich noch nie erlebt: Das „Vaterunser“, von kräftigen Stimmen auf Englisch in die hohe Halle des romanischen Kirchenschiffs getragen, Psalmen, so

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Michael Kraft

bluesig gesungen und gespielt, dass die Zuhörer eigentlich gar nicht anders können, als mitzuwippen – die Musiker von „Opera Nova“ haben die Martinskirche mitten in Kirchheim am Freitagabend für anderthalb Stunden in ein Konzerthaus voll Magie verwandelt.

Und das Ganze für einen ausgesprochen guten Zweck: Werner Dannemann, Gitarrist, Komponist und musikalischer Kopf des Ensembles „Opera Nova“, und seine vier Mitstreiterinnen und Mitstreiter legten sich an diesem Abend für das Kirchheimer Henriettenstift und den das Stift unterstützenden Freundeskreis ins Zeug. Das Stift, Kirchheims traditionsreichste Altenpflege-Einrichtung, entsteht derzeit auf dem Gelände der früheren Gärtnerei Kahle am Hafenkäs neu, der bisherige Bau in der Bismarckstraße ist in die Jahre gekommen.

Der Neubau am Hafenkäs macht gute Fortschritte, Ende des Jahres hofft man, einziehen zu können, und der Erlös aus dem Benefizkonzert soll helfen, den 85 Bewohnern des Henriettenstifts die eine oder andere Annehmlichkeit des täglichen Lebens bieten zu können: „Für ein paar Pflanzen beispielsweise oder eine Musikanlage“, sagt Birgit Liede, Sprecherin der Evangelischen Altenheime in Baden-Württemberg (EABW), käme dieses Geld genau recht. Die EABW sind eine Tochtergesellschaft der Zieglerschen Anstalten aus Wilhelmsdorf, des Trägers des Kirchheimer Henriettenstifts.

Nur schade, dass das Geld am Freitagabende gerade einmal dafür reichen dürfte, ein paar neue Grünpflanzen kaufen zu können. Knapp einhundert Zuhörer verloren sich in dem mächtigen alten Kirchenschiff; gut drei- bis viermal so viele hätten reingepasst. Denen, die nicht da waren, entging ein grandioses, mitreißendes, inspirierendes Konzert. Sie erlebten nicht, wie Werner Dannemann die Finger auf der Gitarre wirbeln und die Stimme von Barock zum Blues und wieder zurück wandern ließ. Sie hörten nicht, wie Zorana Memedovic Violine und Stimme zum Jubeln brachte. Sie verpassten, wie Daniela Epple ihren glasklaren Mezzosopran in die hohe Halle der Martinskirche hinaufschickte. Ihnen entging, wie Markus Bauder seiner Oboe Töne entlockte, die voller Süße und Sehnsucht durchs Kirchenschiff schwebten. Und sie hörten auch nicht, welcher Ausnahme-Musiker Martin Sauer ist, wenn es darum geht, dem Spiel der anderen ein solides und facettenreiches, rhythmisches Gerüst zu bauen.

Eva-Maria Armbruster, Geschäftsführerin in der Altenhilfe der Zieglerschen Anstalten, sah trotz des mageren Konzertbesuchs Grund, sich zu freuen. „In Zeiten des Umbruchs und Aufbruchs sind wir froh, solche Freunde zu haben“, sprach sie dem Freundeskreis ein dickes Lob für seine Unterstützung aus. Marion Thiede vom Vorstand des Freundeskreises und ihre Mitstreiter um den Vorsitzenden Dr. Christoph Miller vernahmen‘s mit Freude und Marion Thiede sprach sogleich die nächste Einladung der Freunde des Henriettenstifts aus: Am 15. Juni will man das neue Haus mit einem Straßenfest am Ottenäcker 17 allen Interessierten vorstellen.