Kirchheim

Blues, Pop, Rockund eine Prise Jazz

Konzert Lake begeistert das Publikum in der Kirchheimer Bastion als perfekt eingespieltes Team mit brillantem Live-Sound. Von Brigitte Gerstenberger

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Im ausverkauften Kellergewölbe drängten sich die Fans bis dicht an den Bühnenrand, in froher Erwartung einer Band namens Lake, die in den 70er-Jahren ihre größten Erfolge feierte. Immerhin gehörte die Band zu den wenigen deutschen Rockbands, die sich in den Charts blicken ließen und somit für eine Rocksensation sorgten.

Was beim Mainstream-Publikum damals Anklang fand, kam nicht zwingend auch bei den Rockfans an. Titel wie „On The Run“ oder „Time Bomb“ war für Rock-Pedanten kommerziell zu glatt gewalzt. Allerdings boten die Jungs live in jenem Jahrzehnt ein wesentlich raueres und druckvolleres Klangbild, was Lake eindrucksvoll in den USA zusammen mit Lynyrd Skynyrd auf einer Package-Tour unter Beweis stellte.

Seit 2003 gibt die Band wieder Konzerte, nachdem sie sich 1988 aufgelöst hatte. Viele Musiker kreuzten im Laufe der Jahrzehnte den Weg, aktuell ist Lake mit Mickie Stickdorn (Schlagzeug), Holger Trull (Bass), Jens Skwirblies (Keyboard), Alex Conti (Gitarre) und Ian Cussick (Leadgesang) besetzt.

Als perfekt eingespieltes Team begeisterte die Band das um Bewegungsfreiheit ringende Publikum. Gute Laune war am Samstagabend Trumpf. Technische Qualität, gepaart mit einem brillanten Live-Sound, bot einfach Musik zum sich freuen. Schon der Opener „Intro/Passionate Eyes“ lässt erahnen, da rollt was auf einen zu, mit Finessen bedachte Samples, Sprachgewirr, untermalt von fast schon sphärischen Gitarrenklängen von Alex Conti. Nach dem Intro beginnt „Passionate Eyes“, die Rhythmusabteilung setzt ein, eine Klavierfigur mischt sich in das musikalische Abenteuer und dann ist der Moment, wo Cussick zum ersten Mal singt, der Leadgesang des Schotten haut richtig rein. Die musikalische Lunte von Lake wurde gelegt. Und mit Verlaub, das geile Keyboardspiel von Jens Skwirblies, der sich solistisch mit Conti den Abend hindurch so manches spannende Duell liefert, erzeugte das spezielle Prickeln, das nun mal zum Wohlfühlen dazugehört. „Driving with your Eyes closed“, ein Titel, bei der die Band mächtig Fahrt aufnimmt, grooviger Rock, bei dem Skwirblies am Keyboard sein Können beweist. Der Steely-Dan-Hit „Black Friday“ mit Jazz-Einlassungen genial von Conti in Szene gesetzt, wurde ebenso euphorisch vom Publikum beklatscht, wie der ruhig und balladesk ausgerichtete Klassiker „Jesus came down“ aus dem Jahr 1977, eine Hommage an den damaligen Frontmann James Hopkins-Harrison, der 1991 an einer Überdosis Heroin verstarb.

Mitverantwortlich für den tollen Sound ist zweifelsfrei eine bestens abgestimmte Rhythmus-Abteilung, die eine hervorragende Grundlage für ihre Kollegen lieferte. Ausgezeichneter Satzgesang, dröhnender Hammond-Sound und natürlich die unverwechselbare Gitarre von Alex Conti. Musik zwischen Blues, Pop, Rock und einer Prise Jazz, das ist Lake 2018.

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