Lokale Wirtschaft

Brautschau für Ehen zwischen Schulen und neuen Partnern

"Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf". Dieses Sprichwort hat sich das Amt für Schule und Bildung auf die Fahne geschrieben. Mit dem Kreisjugendring werden Kooperationen vorgestellt.

SABINE FÖRSTERLING

Anzeige

ESSLINGEN "Wir wollen Impulse setzen", meinte Landrat Eininger angesichts der bevorstehenden Fachtagung in der Hochschule für Sozialwesen in Esslingen. Die Schule müsse heute im Kontext eines Gemeinwesens gesehen werden. Der Bildungsauftrag ist laut dem neuen Leiter des Amtes für Schule und Bildung, Günter Klein, vielschichtiger geworden. Vor allem die Frage, welche Unterstützung das Kind brauche, stehe im Mittelpunkt. Es gelte, Kompetenzen und Potenziale im Umfeld zu erschließen. Hierbei dachte Eininger an Vereine, die Kirche und die Wirtschaft, aber auch an die offene Jugendarbeit und bürgerschaftliches Engagement. So könnten Musikschulen und Sportvereine den Ganztagesbetrieb befruchten und soziale Kompetenzen bei einem Besuch von Schülern in einem Pflegeheim gestärkt werden. "Dabei profitieren beide Seiten", meinte Klein.

Das Netzwerk müsse auch verlässlich sein. Der Rektor der Hochschule für Sozialwesen, Falk Roscher, sah in dem so genannten Bildungspakt eine Chance, ideologische Grenzen zu überwinden. "Alles, was Schule anfasst, wird zur Schule", über solche Bedenken berichtete Kurt Spätling, Geschäftsführer des Kreisjugendrings. So habe es bei der Eingliederung des Jugendhauses in die Grund- und Hauptschule in Großbettlingen skeptische Stimmen gegeben, die aber mittlerweile zerstreut wurden.

Auf der Tagung werden weitere gelungene Beispiele einer Partnerschaft vorgestellt. So gibt es an der Adalbert-Stifter-Schule in Esslingen das Projekt "Tri-Colore", in dem die Schule mit Betrieben zusammenarbeitet. In Filderstadt kooperiert das Bildungszentrum Seefälle unter anderen mit den Wirtschaftsjunioren. In Kirchheim sind als Partner der Konrad-Widerholt-Grundschule die Musikschule und die Stadtkapelle mit an Bord. Außerdem werden Mentoren-Projekte angesprochen und der von Ministerpräsident Oettinger initiierte Jugendbegleiter vom Landesjugendring beleuchtet.

Apropos Ehrenamt. Dieses kann nach Meinung der Runde auf keinen Fall das Hauptamt ersetzen. Klein wies aber auf die zusätzlichen Lebenswelten und Erfahrungen hin, die so in die Schule einfließen würden. Einiger meinte, dass bei einer zunehmenden Ganztagesbetreuung so mancher Verein wie die Musikschule als Institution verloren ginge, wenn er sich nicht am Nachmittag in den Schulen einbringe. Der Landrat wünschte sich eine "Brautschau" für zukünftige Ehen zwischen Schulen und außerschulischen Institutionen.

TAGUNGDie Tagung "Schule und Partner auf dem Weg zu einem Bildungspakt" findet am Mittwoch, 22. Februar, in der Hochschule für Sozialwesen in Esslingen, Flandernstraße 101, statt. Beginn ist um 9 Uhr. Anmeldungen unter 07 11/39 02 23 76.