Lokale Kultur

Brillante Kammermusik dreier Meister ihres Fachs

KIRCHHEIM Im ersten Abonnementkonzert des Kulturrings stellten sich in Kirchheim mit Wolfgang Meyer (Klarinette), Gustav Rivinius (Cello) und dem hier bereits bekannten Oliver Triendl (Klavier) drei hochkarätige Solisten und Kammermusiker

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ERNST KEMMNER

internationalen Formats vor. Zu Wolfgang Meyers solistischem und musikpädagogischem Credo gehört unter anderem, hörenswerte Werke nicht so bekannter, aber doch niveauvoller Komponisten einzustudieren und dem Publikum vorzustellen.

Dies geschah an diesem Abend zum Konzertauftakt mit vier aus insgesamt acht Stücken für Klarinette, Violoncello und Klavier, op. 83, von Max Bruch (1838 1920), dessen Name Musikfreunden fast ausschließlich wegen seines g-Moll-Violinkonzerts geläufig ist. Auch das kammermusikalische und sinfonische Schaffen Jeanne Louise Farrencs (1804 1875), die musikalisch der Romantik zuzuordnen ist, dürfte nur wenigen Eingeweihten bekannt sein. Aus ihrer Feder stand das Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello Es-Dur, op. 44, auf dem Programm.

Vom ersten Takt seiner Darbietung der Stücke Nummer 1, 2, 5 und 7 an zeigte sich das Trio als eine bestechend aufeinander abgestimmte Formation, die mit großer musikalischer Sensibilität agierte. Neben fein austarierten dynamischen Akzenten war übergangsloses Wechselspiel zwischen melodieführendem Instrument und Begleitung mit verharrend schwebenden oder bewegt fließenden Tempi zu hören.

Als besonders eingängig und anrührend fiel dabei die Rumänische Melodie in f-Moll (Nummer 5) aus. Das vom Cello volltönend und schwerblütig vorgetragene Thema wird, auf grundierenden Klavierarpeggien, von der Klarinette mit einem Anflug von Wehmut weitergeführt, wobei in der Folge eruptive Crescendi und explosive Dynamik mit dem elegischen Beginn kontrastieren. Auch der energische musikantische Elan, der perlend fließende Satzanfang und der nach Generalpause auf den Punkt musizierte frappierend abrupte Schluss des Allegro vivace in H-Dur (Nummer 7) gefielen bestens.

Im Kopfsatz von Farrencs Klarinettentrio, einem Allegro marcato mit langsamem Einleitungsteil, boten die Musiker in rasantem Tempo, dabei völlig unangestrengt, ein wahres Glasperlenspiel an Tonkaskaden, die stafettenartig von Instrument zu Instrument liefen. Hierbei zeigte sich, wie auch an vielen späteren Stellen des Konzerts, der federleicht huschende Klavieranschlag von Oliver Triendl. Das Adagio, dessen Thema von Rivinius in betörend wohlklingender und sonorer Tongebung vorgetragen und von Klavier und Klarinette höchst gefällig fortgesponnen und vielfältig variiert wird, brachte einen weiteren Höhepunkt an Klangschönheit.

Im Menuett mit Scherzocharakter und spielerisch keckem ersten Teil gefiel vor allem das kantabel beschaulich musizierte Trio, bevor das Finale den mitreißend musizierten Kehraus bescherte. Nach der Pause erfolgte mit dem Trio für Klavier, Klarinette und Violoncello Es-Dur, op. 38, der absolute Glanzpunkt des Konzertabends. Dieses sechssätzige Werk wurde von Ludwig van Beethoven (1770 1827) in Anlehnung an das berühmte und populäre Septett, op. 20, aus dem Jahr 1800, komponiert.

Das ausladende Werk hat Serenadencharakter und verbindet galant höfische Elemente mit Formen der Sonate. So kontrastieren beispielsweise bei den langsamen Sätzen ein Adagio (II) mit einem Andante mit Variationen (IV), bei den beschwingten ein herkömmliches Menuett (III) mit einem "modernen" Scherzo (V), und zwar immer im Wechsel langsam-schnell, das Ganze umrahmt von zwei schnellen Sätzen in Sonatensatzform, jeweils mit langsamer Einleitung (I und VI).

Diese Kontraste und damit den Abwechslungsreichtum der Komposition musikalisch hervortreten zu lassen gelang den Musikern an diesem Abend trefflich. So wurde das Allegro des Kopfsatzes wirklich elanvoll "con brio" hingelegt, das Adagio sanglich und in den Farbschattierungen der einzelnen Instrumente geheimnis- und sehnsuchtsvoll dargeboten. Besonders anmutig hier Meyers zart aufblühender Klarinettenton und sein wie naturgegeben und spielerisch leicht wirkender Ansatz. Das Menuett kam fröhlich beschwingt und rhythmisch einfallsreich daher und in den fünf Variationen des Andante-Satzes kam der ausgeprägte musikalische Gestaltungswille der Musiker voll zum Ausdruck.

Das im kurzen und prägnanten ersten Teil keck hüpfende Scherzo birgt ein lyrisches Trio, in welchem Rivinius den ganzen Wohlklang seines Instruments schwelgend zum Ausdruck brachte, bevor ein überraschender, fast aufstampfender Schluss den Satz beendete. Im abschließenden Presto-Finale mit kurzer Klavierkadenz, im Septett der Violine vorbehalten, leuchtete nochmals das hoch entwickelte Können der Musiker auf, die auch bei Höchsttempo weder in technische oder tonliche Nöte gerieten und einen makellosen Vortrag ohne Fehl und Tadel ablieferten. Dieser wurde vom restlos begeisterten Publikum mit anhaltendem Applaus und spontanen Bravorufen bedacht.