Lokale Kultur

Britischer Gitarrenexzentriker und Blueslegende

KIRCHHEIM Lange ist es her, genauer gesagt, 40 Jahre, dass Stan Webb zusammen mit Christine Perfect, die britische Bluesformation

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JÜRGEN B. VOLKMAR

"Chicken Shack" gründete und der damaligen aufstrebenden Blueskultur mit seinem exzentrischen Gitarrenspiel neue Impulse verlieh.

Die Dame ist schon lange nicht mehr dabei, sie wurde Mitglied bei der Gruppe "Fleetwood Mac", andere Mitglieder wechselten zu Savoy Brown und Traffic. Stan "the Man" Webb, wie er respektvoll von seinen Verehrern genannt wird, hat es trotz zahlreicher Besetzungswechsel und Reformierungen geschafft, "Chicken Shack" neues Leben einzuhauchen und das Bluesfeuer am brennen zu halten.

Die zahlreichen Fans, die bereits fieberhaft auf seinen Auftritt gewartet hatten, wurden nicht enttäuscht. Viele davon waren damals noch im Teenageralter und haben trotzdem ihre Erinnerungen an einige unvergessene Aufnahmen bis heute aufbewahrt.

Der gewiss nicht pflegeleichte Gitarrenmeister zeigte sich, augenscheinlich angenehm angetan durch das nicht alltägliche Ambiente des legendären Kirchheimer Gewölbekellers, in bester Geberlaune und zeigte zusammen mit seinen Mitstreitern Gary Davies an der Rhythmusgitarre, Peter Rudge am Tieftöner und Mick Jones an den Fellen, eine hypnotische und elektrisierende Auswahl an handverlesenen, klassischen Songs.

Mit launigen Zwischentönen und dabei stets agil, versetzte der Altmeister durch ein langes, gefühlvolles Instrumental, als Einleitung zu "Set Me Free", dem Publikum den richtigen Zugang zu einer Palette qualitativ, hochwertiger Klassiker.

Rhythmisch packend und mit teilweise vertrackten Soli, wurden die teilweise betagten Stücke intensiv aufbereitet und wie Rohkost frisch serviert. Von "Reconsider Baby" mit Slideeinlagen bis zum Stück "I Know", das in der Hitze des Saitengefechts eigentlich früher auf der Setlist stand, zeigte der Saitenbändiger dem Bastionspublikum mit lässiger Attitüde, wie jahrzehntelange Erfahrung und ständiges Touren dazu beiträgt, den eigenen Stil zu perfektionieren.

Mit "Sweetest Little Thing" wurde eine Studie auf der Sechssaitigen aufgeschlagen, die an Intensität nicht mehr zu übertreffen war. Töne in melancholischer Vollendung zogen das Publikum in ihren Bann. Als im Mittelteil des Konzerts dann noch solistische und vokale Reminiszensen an den verstorbenen Johnny Cash und dessen Titel "Hurt" eingearbeitet wurden, war klar, dass hier ein Hörerlebnis der besonderen Art stattfand.

Rockig wurde es dann wieder mit dem Titel "Take The Water", bei dem der zweite Gitarrist unter Beweis stellte, dass er sich durchaus gegen die Dominanz der Leadgitarre behaupten konnte. Aber was wäre ein Chicken Shack-Konzert ohne "I'd Rather Go Blind", einem der erfolgreichsten Titel aus ihrer ersten Besetzung und damaliger Hitparadenkletterer, bei dem Stan "The Man" sogar ohne seine Sechssaitige, nur mit Mikro bewaffnet, auf die Empore kletterte und im besten US-Entertainerstil, ein fulminantes Gesangssolo zum Besten gab.

Damit wurde die Hitparade eröffnet: "Poor Boy", mit kehliger Stimme und staubtrockenen Akkorden und passgenau dazu "The Looser" mit satten Hooklines und eingängigen Refains. Als zum Abschluss noch "Daughter Of The Hillside" aus ihrem erfolgreichsten Album aus den Boxen tönte, wurde die Erwartungshaltung der begeisterten Menge vollends gestillt.

Langanhaltender Applaus des begeisterten Bastionspublikums belohnte ein hochkarätiges Konzert eines in stimmlicher und musikalischer Bestform agierenden, alternden Gitarrenhelden und beschwor noch einmal die Magie einer längst vergangenen Epoche.