Lokale Wirtschaft

Busfahrerin des Jahres wollte Pilotin werden

Belgin Torasan vom Omnibusverkehr in Kirchheim wurde gestern vom Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) ausgezeichnet: "Die Fahrerin ist superfreundlich und hilfsbereit, sie fährt rücksichtsvoll und gibt kompetent Auskunft", lautet das einhellige Urteil der Fahrgäste, die von Belgin Torasan auf den Linien 162, 166 und 1671 in Kirchheim und zwischen Nürtingen und dem Aichtal chauffiert werden.

BRIGITTE GERSTENBERGER

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KIRCHHEIM Seit drei Jahren initiiert der VVS den Wettbewerb. Gestern erhielt die "freundlichste Busfahrerin des Jahres" von Witgar Weber, Geschäftsführer des Verkehrs-und Tarifverbundes Stuttgart, nicht nur eine Urkunde, sondern auch zwei Gutscheine für Musical-Karten und einen Gutschein für ein Essen.

Bei den Fahrgästen, ganz gleich ob jung oder alt, kommt Belgin Torasan einfach gut an. Und seit sie beim Omnibusverkehr in Kirchheim arbeitet, stehen zuweilen im Aufenthaltsraum der Omnibusfahrer Blumen auf dem Tisch und ab und zu werden die Kollegen mit selbst gebackenem Kuchen verwöhnt.

Seit drei Jahren arbeitet Belgin Torasan, die in Reichenbach wohnt, beim Omnibusverkehr Kirchheim. Von Anfang an wurde Belgin Torasan von ihren männlichen Kollegen akzeptiert, kein Wunder, die Freundlichkeit von Belgin Torasan ist einfach ansteckend.

Aber es gibt auch andere Zeitgenossen, für die es immer noch nicht selbstverständlich ist, dass Frauen einen Omnibus fahren. So erzählt die Geehrte verschmitzt von jenem älteren Herrn aus Kirchheim, der einfach nicht mitfahren wollte. "Frauen am Steuer, das war ihm irgendwie suspekt, er wartete dann zwei Stunden an der Haltestelle, bis einer meiner Kollegen vorbeikam." Allerdings zählt besagter älterer Herr heute zu den größten Fans der Busfahrerin. Aber so selbstverständlich wie es scheint, ist es dann eben doch noch nicht mit der "Frauenquote".

In Kirchheim sind zweiundzwanzig Busfahrer mit 17 Bussen unterwegs. Eine von ihnen ist Belgin Torasan. Gemeinsam befördern sie im Jahr 1,2 Millionen Fahrgäste und legen dabei eine Million Kilometer zurück.

Aber eigentlich wollte die Mutter zweier Kinder, die aus der Türkei stammt und seit siebenundzwanzig Jahren in Deutschland lebt, Pilotin werden. Aus dem Jugendtraum wurde aber nichts, denn "meine Mutter wurde damals schwer krank und ich musste für die Familie sorgen." Dennoch ist sie heute überglücklich mit ihrem jetzigen Beruf, "jetzt bin ich halt Buspilotin geworden".

Äußerst zufrieden und voll des Lobes ist aber auch Eberhard Dannenmann vom Omnibusverkehr Kirchheim über seine Mitarbeiterin. "Frauen fahren einfach mit mehr Gefühl", lautet sein fachkundiges Urteil. Doch nicht nur das: Jeden Tag so gut drauf zu sein, das ist wahrlich schon aller Ehren wert. Fragt man Belgin Torasan, wie sie es denn schafft, mit der nicht immer einfachen Klientel stets so freundlich und gewinnend umzugehen, verrät sie lächelnd ihr überzeugendes Geheimnis: "Meine Großmutter hat immer zu mir gesagt, wenn dir jemand Knochen hinschmeißt, dann schmeiß Blumen darauf".