Lokale Wirtschaft

Christliche Symbole vermitteln Geborgenheit

LENNINGEN Wenn ein Wanderer nach einen längeren Spaziergang auf der Schopflocher Alb das "Alte Pfarrhaus" in Gutenberg betritt, um dort einzukehren, dann fällt ihm

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PETER SCHUSTER

zunächst nichts Außergewöhnliches auf. Die Inneneinrichtung ist eher dezent gestaltet, in einem hellbraunen leicht rötlichen Holzton, der mit den Leuchten, die die Räume des Gastlokals in ein warmes, goldgelbes Licht tauchen, harmoniert. Nachdem der Gast satt geworden ist, lässt er seinen Blick ein weiteres Mal in das Rund des Lokals schweifen. Dann entdeckt er ein christliches Symbol, ein Kreuz. Ein Stück daneben ist ein Bild von Jesus Christus angebracht, im Stil des 19. Jahrhunderts gehalten. Dazwischen sind Bibelsprüche aufgehängt, auf Holztäfelchen und einen Spiegel geschrieben, eigentlich nicht unpassend zum Namen des Lokals "Altes Pfarrhaus", und doch nicht in jedem Restaurant unbedingt so üblich.

Spricht man die Frau des Wirts, Katia Straßburger, auf den außergewöhnlichen Wandschmuck an, erzählt sie, weshalb sie sich entschloss, die Inneneinrichtung so zu gestalten: "Vor drei Jahren war ich geschäftlich und menschlich am Ende, durch meine finanziellen Prob-leme niedergedrückt. Eine Beziehung zum langjährigen Partner ging in die Brüche, in die Seele hatten sich lebensmüde Gedanken eingegraben."

Esoterische Praktiken wie das Pendeln und Tarotkartenlegen, in denen sie Halt suchte, zogen sie eher noch stärker in die Tiefe. "Das Pendeln wurde zur Sucht", berichtet Katia Straßburger. Zuerst pendelte sie wöchentlich, dann täglich, stündlich und schließlich ging sie ohne Pendel nicht mehr aus dem Haus. Einmal im Monat legte eine Hellseherin die Tarotkarten für sie. Die melancholischen Gedanken wurden nicht besser, sondern verstärkten sich. Finanziell ging es ihr schlechter, da unter anderem das Legen der Tarotkarten durch die Hellseherin nicht wenig Geld kostete.

"Rückblickend kann ich vor diesen esoterischen Praktiken nur warnen, da sie Menschen in eine psychische Abhängigkeit bringen", deutet die junge Frau ihre negativen Erfahrungen. "In dieser Situation", erzählt sie, "fing ich an, mich an meinen christlichen Glauben zu erinnern. Ich betete: Jesus, wenn es dich wirklich gibt, dann musst du mir helfen."

Einige Zeit später begannen sich die Probleme zu bessern. Sie lernte ihren heutigen Ehemann Thorsten Straßburger kennen, der wie sie selbst in der Gastronomiebranche tätig ist. Nach einer längeren Lernzeit als Koch bei Vincent Klink und in der Schweiz bewirtschaftete er damals in Grabenstetten eine Gaststätte. Die Gastwirtschaft lag direkt neben dem Pfarrhaus. Auf Grund der räumlichen Nähe zum Pfarrhaus ergaben sich immer wieder Kontakte zum dortigen Pfarrer der Evangelischen Landeskirche, Edgar Tuschy. Der Pfarrer war offen für sie, wenn sie ein Anliegen hatten. Über die Gespräche mit dem Geistlichen erschloss sich ihnen der Glauben so, dass er für sie beide zur Lebensgrundlage wurde. Thorsten Straßburger war ursprünglich zwar getauft, aber nicht konfirmiert. Um kirchlich heiraten zu können, musste er zunächst noch konfirmiert werden. Als er das apostolische Glaubensbekenntnis während des Konfirmandenunterrichts auswendig lernte, erlebte er eine Vertiefung seines christlichen Glaubens.

Nach einiger Bedenkzeit entschloss sich das Paar, gemeinsam den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. "Die erste Zeit war nicht einfach, aber es tat sich immer wieder eine Türe auf", berichtet Katia Straßburger. "Unterschiedliche Hilfen auf der persönlichen und der materiellen Ebene erhielten wir von Menschen, von denen wir es eigentlich nicht erwarten konnten." Rückblickend sieht sie darin das Wirken Gottes. Das Ehepaar Straßburger möchte mit dem Wandschmuck zeigen, was ihnen den Neuanfang in ihrem Leben ermöglichte. "Die christlichen Symbole sollen ausdrücken, was unser Leben bestimmt, und eine Atmosphäre erzeugen, in der die Menschen Geborgenheit erfahren, aufatmen können, um so gestärkt in den Alltag zurückzukehren."