Lokale Wirtschaft

Danaher verlegt die Fertigung nach Tschechien

Die Danaher Linear GmbH, ehemals Warner Electric, wird nach Informationen des Betriebsrats den größten Teil ihrer Fertigung von Wolf-schlugen nach Tschechien verlagern. Über 100 Mitarbeiter verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz. Die amerikanische Konzernmutter plane, die derzeit 130 Arbeitsplätze in Wolfschlugen auf 25 zu reduzieren.

HENRIK SAUER

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WOLFSCHLUGEN Lediglich ein so genanntes Kompetenz-Center mit Entwicklung und Kundenservice sowie ein kleiner Teil der Montage mit sieben oder acht Mitarbeitern sollen in Wolfschlugen verbleiben. Im Laufe des kommenden Jahres soll die Maßnahme umgesetzt werden, berichtet Betriebsratsvorsitzender Gerd Lotze. In den nächsten Tagen würden Verhandlungen über einen Interessensausgleich und Sozialplan aufgenommen. Geschäftsführer Andreas Schneider war zu keiner Stellungnahme bereit.

Seit insgesamt rund vier Jahren gehört das Wolfschluger Unternehmen nun schon zum amerikanischen Danaher-Konzern, einer börsennotierten Unternehmensgruppe, die in mehreren Branchen aktiv ist. Zur Gruppe gehören zum Beispiel Firmen aus der Medizintechnik, Hersteller von elektronischen Messgeräten, von Handwerkzeugen, aus dem Bereich der Reinheitskontrolle von Wasser oder eben auch aus der linearen Antriebstechnik. In Wolfschlugen werden Kugelgewindetriebe hergestellt, hauptsächlich für Werkzeugmaschinen und für die Luftfahrtindustrie.

Begründet werde die Verlagerung mit der deutlich billigeren Produktion in Tschechien, sagt Gerd Lotze. Große Hoffnungen, die Schließung der Fertigung verhindern zu können, macht man sich im Betriebsrat nicht: "In der globalen Planung der Amis sind wir hier ein winzig kleiner Mosaikstein." Das Unternehmen Danaher habe allein in Deutschland rund 15 weitere Standorte, weltweit sind es über 400.

Dazu komme, dass im tschechischen Brünn die infrastrukturellen Voraussetzungen bereits vorhanden seien. Schon vor einem Jahr seien dort ein Werk aufgebaut und aus Schweden und England auch bereits Produktionen verlagert worden. Wolfschlugen folge nun als Drittes. Umso ärgerlicher sei die Entscheidung aber, weil in Wolfschlugen in den vergangenen Jahren sehr große Anstrengungen unternommen worden seien, um die Produktivität weiter zu verbessern, unter anderem durch Neustrukturierung der Fertigung.

"Es wurden deutliche Produktivitätssteigerungen erreicht, das sagt auch die Geschäftsleitung", berichtet der Betriebsratsvorsitzende Gerd Lotze und betont, dass das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreibe. Das genüge den Konzern-strategen aber offensichtlich nicht, die anderen Medienberichten zufolge bekannt seien für sehr hohe Renditeerwartungen.

Gekündigt werden soll in Wolf-schlugen insgesamt 58 Mitarbeitern. Darüber hinaus werden auslaufende befristete Verträge nicht verlängert und Leasingkräfte abgebaut. Insgesamt fallen so über 100 Stellen weg. Davon betroffen sind vor allem auch viele ältere Mitarbeiter.

Allein im gewerblichen Bereich sind laut Betriebsrat die Hälfte der Mitarbeiter 50 Jahre und älter. Erst vor zwei Jahren waren bei der damaligen Warner Electric Beschäftigte in größerer Zahl über einen Sozialplan abgebaut worden, um Umsatzeinbrüche aufzufangen.

Damals, so berichtet der Betriebsratsvorsitzender Gerd Lotze, "mit dem Argument, den Standort zu retten".