Lokale Wirtschaft

"Das Einkaufsverhalten hat sich radikal verändert"

Das Ladensterben in Kirchheims City geht weiter. Mit "Betten-Räpple" verabschiedet sich wieder ein renommiertes Fachgeschäft aus der Teckstadt.

FRANK HOFFMANN

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KIRCHHEIM Als Karl Räpple gestern Abend die Tür seines Ladens in der Max-Eyth-Straße schloss, war sicher eine gehörige Portion Wehmut mit im Spiel. Knapp drei Jahrzehnte gehörte das Betten-Fachgeschäft zu den festen Größen in der Kirchheimer Geschäftswelt und Räpples Slogan "I wedd i hedd a Räpple-Bett" ist jedem rund um die Teck geläufig. Gleichwohl fällt dem 65-jährigen Geschäftsmann der Abschied nicht allzu schwer. Vor allem die letzten Jahren haben seine Freude an der Selbstständigkeit nachhaltig getrübt. "Das Einkaufsverhalten hat sich radikal verändert", sagt er und sieht den Fachhandel insgesamt tief in der Krise.

In erster Linie sind's die großen Lebensmitteldiscounter, die den kleinen Geschäften immer mehr das Wasser abgraben. Längst bieten diese Ketten vom Autoradio bis zum Zauberstab nahezu alles an und locken mit ihren Schnäppchen die Kunden in Scharen in ihre Filialen. Das Nachsehen hat der Fachhandel. "Unsere Kunden werden immer älter", klagt Karl Räpple, "die jungen Leute können oder wollen sich in der Regel keine hochwertigen Produkte leisten." So blieben bei Betten-Räpple die Umsätze im oberen Preissegment zwar relativ stabil und auch die Sonderposten liefen immer gut, "aber die Mitte ist uns mehr und mehr weggebrochen". Die Folge waren zunächst stagnierende Umsätze in den 90er-Jahren, und seit drei bis vier Jahren zeigt die Umsatzkurve deutlich nach unten.

Und auch der Bettenfachhandel kennt inzwischen die Kunden, die zwar die kompetente Beratung überaus schätzen, sich anschließend aber über Fabrikverkauf oder Internet auf die Suche nach dem günstigsten Angebot machen. "Wir haben schon einige Male erlebt, dass sich Leute eine bestimmte Bettwäsche auspacken und genau zeigen lassen", sagt Karl Räpple, "und dann kaufen sie die Ware bei ebay."

Angesichts dieser Entwicklung war für Karl Räpple seit einiger Zeit klar: "Mit 65 ist Schluss." Endgültig. Eine Übergabe der Firma an die Kinder, von denen zwei im elterlichen Betrieb mitarbeiten, kam für ihn vor diesem Hintergrund nicht in Betracht. "Fachgeschäfte wie Betten-Räpple haben fast keine Zukunftschancen", sieht der künftige Rentner für die Branche schwarz und prophezeit dem Einzelhandel insgesamt höchst unruhige Zeiten. "Das Ladensterben wird weiter gehen, und mehr und mehr werden große Ketten und Filialisten das Bild der Städte bestimmen."

Bei aller Verbitterung über die schwindende Zahl an Kunden, die auf Qualität und renommierte Marken setzen, blickt Karl Räpple gern zurück auf die Geschichte des Hauses. Eine überaus erfolgreiche Geschichte, die 1975 in der Dettinger Straße begann. Vor der Eröffnung des eigenen Betten-Fachgeschäfts hatte Karl Räpple eine Lehre bei Betten-Braun in Stuttgart absolviert und war anschließend bei Haux in Reutlingen zum Leiter der Betten- und Aussteuerabteilung aufgestiegen. Die Schwäbischen Textilwerke und die Firma Rawe in Rheda waren weitere Stationen seines beruflichen Werdegangs.

Der Laden in der Dettinger Straße wurde bald zu eng, und bereits 1978 bezog das Unternehmen neue Räume in der Marktstraße 31, neben der Apotheke Schneider. Auf rund 100 Quadratmetern konnte man dort Betten, Matratzen, Bettwäsche, Steppdecken, Federbetten, Frottier- und Bettwäsche präsentieren, und Karl Räpple erinnert sich gern an die Zeit in der Fußgängerzone. "Vor allem die Aktionen anlässlich der Goldenen Oktobertage fanden teilweise enormen Anklang." Etwa die Autogrammstunden mit Roy Black und Roberto Blanco oder die Vorführung einer Matratze, die unbeschadet von einer Straßenwalze überrollt wurde. In dieser Zeit, Anfang der 80er-Jahre, während eines Urlaubs im Allgäu, hat Karl Räpple auch den Slogan "I wedd, i hedd a Räpple-Bett" geboren.

1985 folgte der Umzug in die Max-Eyth-Straße 12. Auf 450 Quadratmetern konnten die Räpples dort ihre Vorstellungen eines Bettenfachgeschäfts mit umfassendem Angebot realisieren. "Das 1912 im Jugendstil erbaute Gebäude lieferte das ideale Ambiente für ein Bettenhaus", schwärmt der Fachmann, "zudem hatten wir endlich auch eigene Parkplätze direkt beim Haus." Der Geschäftsmann zögerte deshalb nicht lange, als ihm vor rund zehn Jahren die Immobilie, die neben dem Laden noch einige Wohnungen beherbergt, zum Kauf angeboten wurde. "Es waren hervorragende Jahre", hat Karl Räpple, der sich in seiner Freizeit auch kommunalpolitisch engagierte und 22 Jahre für die Freien Wähler im Dettinger Gemeinderat saß, den Schritt in die Selbstständigkeit nie bereut, auch wenn's in jüngster Zeit auf Grund des enormen Preiskampfes und der übermächtigen Discounter-Konkurrenz für die vier Familienmitglieder und die zwei Angestellten alles andere als ein Zuckerschlecken war.

Für die Zeit danach hat sich der 65-Jährige noch nicht allzu viel vorgenommen. Zunächst einmal will er vor allem gemeinsam mit seiner Frau ausspannen und die Ruhe genießen. Das denkmalgeschützte Gebäude in der Max-Eyth-Straße soll möglichst bald verkauft werden.