Lokale Kultur

Das Festival der Wäscheklammern

KIRCHHEIM Schüler der ersten und dritten Klasse aus Hochdorf und Ötlingen sahen am gestrigen Donnerstag die erste der beiden Vorstellungen des Stücks "Es war einmal Einer", die das Reutlinger Ensemble

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CHRISTIANE BRENNER

"Patati Patata" im Rahmen der Kirchheimer Kinder- und Jugend-theater-Wochen im Vortragssaal der Stadtbücherei gab.

Seit Sonka Müller und Adalbert Sedlmeier 1998 in der Erstaufführung des Bühnenstückes nach dem Buch "Einer" von Christine Nöstlinger spielten, scheint es ihnen in Leib und Seele übergegangen zu sein. Mit unglaublichem Elan und mitreißendem Schwung präsentieren sie die Geschichte von "Einem", der "nichts hatte: kein Haus, kein Bett, keinen Regenschirm, keinen Hund, keine Katze nicht einmal einen Namen." Sonka Müller als kugelrunde Frau, die "Einen" pflegt, nachdem er in einem Schneesturm fast umgekommen wäre, bietet ein unglaubliches Tempo auf, als sie gleich zu Anfang unter fröhlichen "Jups"- und "Bock"-Rufen nicht nur die Leintücher, sondern auch ihre Röcke schwingt.

Nach dem Sommer, den "Einer" bei der kugelrunden Frau verbringt, zieht es ihn jedoch in den Süden, da er "die Sonne, den blauen Himmel und das Meer" liebt. Er verlässt das Land der "Gutentagleute" und macht sich auf ins Land der "Kalimeraleute". Unterwegs heuert er unter anderem auf einem Schiff an und kommt zum Zirkus, bevor er den Weg zurück zur kugelrunden Frau findet. Als wiederum ein Jahr vergangen ist mittlerweile haben die beiden ein Kind endet die Geschichte abermals mit einem Abschied für den Winter, der aber seltsamerweise gar nicht so traurig stimmt.

Mit unbeirrtem Humor spielen sich die beiden Schauspieler mit teilweise gewöhnungsbedürftigen Utensilien von einem Höhepunkt zum anderen, bis schließlich jedem klar ist, dass es sich bei "Gurken, Tomaten und Karotten" eigentlich um Wäscheklammern handelt, die je nach Bedarf in nahezu jeder Szene problemlos als Ersatz für ein gewünschtes Objekt einsetzbar sind und tatsächlich auch in ihrer ursprünglichen Funktion Verwendung finden.

Die Kinder sind besonders fasziniert, als "Einer" sämtliche Möglichkeiten, auf einer Trompete zu spielen, ausprobiert, und haben hörbar Spaß am komödiantischen Talent von Sonka Müller und Adalbert Sedlmeier. Nach dem Stück dürfen sie Fragen stellen, und Sonka Müller erklärt ihr facettenreiches Stimmvolumen. "Versuch mal so zu reden wie ein alter verrosteter Blecheimer oder ein Löwe, der Halsweh hat."

Ohne viel Schnickschnack, aber dafür mit höchstem Einsatz die Kinder staunen über das achtlose Verstreuen von Sand und Blättern mit den Worten "die müssen das ja alles wieder aufräumen" vermitteln sie kompromisslos und überzeugend ihre Fassung der Geschichte, die vor allem den Abschied als gleichsam trauriges und dennoch im Hinblick auf ein Wiedersehen freudiges Ereignis demonstriert und dabei eine besondere, humorvolle Note nie aus den Augen verliert.