Kirchheim

Das „Lernatelier“ im Praxistest

Gemeinschaftsschule Annette Wolf stellt ihre neue Schulart vor: Der Kirchheimer Gemeinderat stattet dem „Lernhaus  1“ auf dem Rauner-Campus einen ersten Besuch ab. Von Andreas Volz

Das „Lernhaus¿¿1“ auf dem Rauner-Campus präsentiert sich von außen grau, von innen aber mit Fußböden, die in Richtung Himbeerrot
Das „Lernhaus¿¿1“ auf dem Rauner-Campus präsentiert sich von außen grau, von innen aber mit Fußböden, die in Richtung Himbeerrot gehen.Fotos: Jean-Luc Jacques

Weil alle Theorie bekanntlich grau ist, hat sich der Kirchheimer Gemeinderat den ersten Neubau auf dem Rauner-Campus nun in der Praxis angeschaut. Fazit: Auch in der Praxis gibt es viel Grau - vor allem in Form von unverputztem Beton. Dazu kommt aber noch ein anderer Farbton, an dem sich zunächst die Geister scheiden: das Rot des Fußbodens. Die kommissarische Schulleiterin der Raunerschule, Annette Wolf, plaudert deshalb aus der Schule: „Ein Junge hat am Anfang gesagt: ,Jetzt sind wir auf einer Mädchenschule‘.“

Er wird sich daran gewöhnen. In der Abenddämmerung erinnert die Fußbodenfarbe ohnehin an die altbekannte Farbe, in der die Raunerschule bislang verputzt war. Außerdem wäre die Alternative zum roten Fußboden nicht einmal theoretisch besser gewesen: Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker zufolge stand noch Anthrazitgrau zur Auswahl.

An anderer Stelle zeigen sich die Gäste aber gänzlich unzufrieden mit dem Fußboden: Egal, wie man zur Farbe steht, sie sollte nicht so schnell zerkratzt werden können, wie das in den Klassenzimmern der Fall ist. Das Tische­schieben und Stühlerücken, das zur Gemeinschaftsschule gehört, hat dem Boden schon in den ersten fünf Wochen massiv zugesetzt.

Das ist dann aber schon der einzige Kritikpunkt am neuen „Lernhaus  1“, das sich seit Ende der Faschingsferien in der Praxis-Erprobung befindet. Manches ist noch improvisiert, auch die Möblierung fehlt vielfach noch - besonders in den Gängen, die viel mehr bieten sollen als einfach nur Flächen zum Aufenthalt. Auf jedem Stockwerk gibt es eine Freifläche in Klassenzimmergröße, die Annette Wolf als „Lernatelier“ bezeichnet.

Nach dem Konzept der Gemeinschaftsschule, das individuelles Lernen in den Mittelpunkt stellt, dürfen Schüler dort ihre Aufgaben eigenständig bearbeiten. Aber nicht jeder bekommt dieses Recht automatisch übertragen, wie Annette Wolf aus der Praxis schildert: „Wir müssen das schon steuern. Ein Lernexperte zu sein, der ins Lernatelier rausgehen darf - das muss man sich erst einmal verdienen.“ Verdienstvoll ist es in diesem Fall, zu beweisen, dass man sich in einem bestimmten Fach tatsächlich ohne direkte Anleitung die erwarteten Ergebnisse erarbeiten kann. Und wer das Vertrauen missbraucht, das mit der Auszeichnung als „Lernexperte“ einhergeht, kann diesen Status auch schnell wieder verlieren.

Dass das System durchaus auch in der Praxis funktioniert, bestätigt Dr. Ralf Streicher. Der Schulleiter der Teck-Realschule hat den Blick von außen - wie auch die Schüler und die Lehrer seiner Schule: Weil sie jetzt bereits einen Teil ihres Sportunterrichts in der Raunersporthalle abhalten, beobachten sie seit vier Wochen auf dem Weg zur und von der Halle, was sich in den Gängen auf dem Rauner-Campus abspielt: „Es ist beeindruckend, zu sehen, wie hier eigenständig gearbeitet wird.“

Das Besondere ist ja, dass die Raunerschule nicht nur ein neues Gebäude bekommt, sondern auch auf dem Weg ist, Schule ganz anders zu gestalten als bisher. Annette Wolf sagt über die Wandlung zur Gemeinschaftsschule: „Es war nicht einfach, während einer Bauphase ohne die entsprechenden räumlichen Voraussetzungen eine neue Schulart aufzubauen.“

Teck-Realschule zieht 2020 um

Derzeit sind im „Lernhaus  1“ noch die 8er und 9er der Werkrealschule untergebracht, ebenso die Viertklässler der Grundschule. Die Werkrealschule ist im Rauner noch zwei Jahre lang ein Auslaufmodell. Und schon nächstes Schuljahr sind die Grundschüler endgültig in der Teck-Grundschule angekommen. Die Teck-Realschule wiederum soll zum Schuljahr 2020/21 in den Rauner umziehen, ins „Lernhaus  2“. Ralf Streicher sieht jetzt bereits „eine gute Basis für ein gutes Miteinander, wenn wir erst einmal gemeinsam in einem Haus sind“. Dann gebe es auch nur noch einen Schulstandort, einen gemeinsamen - „und der heißt ,Rauner-Campus‘.“

Theorie in die Praxis umzusetzen, wird an diesem Standort also zum Programm. Das gilt selbst für den grauen Beton, bei dem die Oberbürgermeisterin betont: „Wir haben alles in Recyclingbeton ausgeschrieben. Wir können dieses Material ja nicht nur loben, wir müssen es auch verwenden.“

Besichtigung zur Inbetriebnahme des 1. Lernhauses am Campus Rauner durch die OBin und den Gemeinderat. Ist praktisch der erste B
Besichtigung zur Inbetriebnahme des 1. Lernhauses am Campus Rauner durch die OBin und den Gemeinderat. Ist praktisch der erste Bauabschnitt vom großes Campus.
Besichtigung zur Inbetriebnahme des 1. Lernhauses am Campus Rauner durch die OBin und den Gemeinderat. Ist praktisch der erste B
Besichtigung zur Inbetriebnahme des 1. Lernhauses am Campus Rauner durch die OBin und den Gemeinderat. Ist praktisch der erste Bauabschnitt vom großes Campus.
Besichtigung zur Inbetriebnahme des 1. Lernhauses am Campus Rauner durch die OBin und den Gemeinderat. Ist praktisch der erste B
Besichtigung zur Inbetriebnahme des 1. Lernhauses am Campus Rauner durch die OBin und den Gemeinderat. Ist praktisch der erste Bauabschnitt vom großes Campus.
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