Kirchheim

Das Navi und die DenkfalleKommentar

Es erinnert an das Prinzip einer Fischreuse: Jemand wird immer weiter nach vorne getrieben, obwohl es dort immer enger wird. Möglichst schnell den Rückzug anzutreten, wäre zwar klug. Aber der Rückweg scheint so beschwerlich zu sein, dass man lieber noch weiter vordringt. Am Ende geht gar nichts mehr, und man sitzt in der Falle.

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Was beim Fisch und der Reuse die Absicht des Fischfängers ist, passiert beim Kraftfahrer und seinem Navi eher unabsichtlich. Einen Vorteil hat keiner davon, weil es ja keinen bewussten Fallensteller gibt. Wohl aber haben manche einen gewaltigen Nachteil: die geplagten Anwohner. Für sie bleibt im Nägelestal zu hoffen, dass ihnen die zusätzlichen Schilder mehr Ruhe bescheren. Noch wichtiger wäre es freilich, dass die Initiative, die das Kirchheimer Ordnungsamt bei den Navi-Herstellern ergreifen will, erfolgreich verläuft.

Jedenfalls ist es schwierig, hier irgendjemandem ein richtiges Fehlverhalten vorzuwerfen: Die Fahrer zumindest sind „die ärmsten Hunde“. Sie leiden nicht nur unter Zeitdruck, sondern auch unter mangelnder Ortskenntnis. Und sie verlassen sich blind auf ihr Navi, das ihnen ja fast immer hervorragende Dienste leistet.

Das ist vielleicht das einzige Prob­lem: Der Fluch der Technik ist die Technikgläubigkeit ihrer Nutzer. Auch Kartenmaterial kann veraltet sein, ganz klar. Aber solange man mit Karten unterwegs war, musste man wenigstens noch selber ein bisschen mitdenken. Und da kam man auch schnell drauf, dass die Realität vor Ort anders aussehen könnte, als in der Karte verzeichnet. Ein Navi aber kann niemals irren. Und wenn doch? Dann muss sich die Realität vor Ort eben unserem Navi anpassen. So weit kommt's noch, dass wir wieder selber anfangen zu denken. Wozu gibt es denn ein Navi?ANDREAS VOLZ