Lokale Kultur

Das Spiel mit der Linie

Arbeiten des Kirchheimer Künstlers Steffen Neidhardt in Nürtingen

Kirchheim. Das Spiel mit der Linie, mit diversen Materialqualitäten und Formprinzipien kann als zentrales Moment in den Arbeiten des Kirchheimer Objektkünstlers und Bildhauers Steffen Neidhardt gesehen werden. Kunstfreunden dürfte

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FLORIAN STEGMAIER

der Absolvent der Ulmer Akademie für Gestaltung, an der er inzwischen als Dozent tätig ist, noch vom sommerlichen Bildhauersymposium des Jahres 2005 auf dem Kirchheimer Schlossplatz in Erinnerung sein.

Gemeinsam mit den Werken seiner Künstlerkollegen war Steffen Neidhardts Skulptur „occursus“ – zu deutsch „Begegnung“ – ein Jahr lang vor dem Kornhaus präsent, bevor sie von der Stadt angekauft wurde und seit Ende 2006 auf einer Grünfläche am Kircheimer Bahnhof ihren festen Standort gefunden hat.

„Occursus“ ist insofern eine für den Künstler typische Arbeit, als in klarer und reduzierter Sprache das Mit- und Nebeneinander von Organischem und Anorganischem thematisiert wird, wie es auch in der Verwendung unterschiedlichster Materialien – in diesem Fall Holz und Stahl – zum Ausdruck kommt. Im Gesamten des Kunstwerks heben sich jedoch die Polaritäten zu einer übergeordneten, umfassenden Einheit auf.

Auch in Steffen Neidhardts aktuellen Arbeiten spiegeln sich solche Ansätze wider. Schichtungen von Holz und Plexiglas in variierter Dicke und Farbigkeit begegnen den Betrachtern als Assemblagen auf transparenten oder metallenen Trägerplatten. Im Querschnitt der Schichten, die mit Anklängen an zeitgenössische Partitur ästhetisch zwischen Grafik und Malerei pendeln, eröffnen sich nicht nur dem Künstler persönliche, lebensnahe Lesarten.

Immer wieder ist man auf den linearen Zeitverlauf verwiesen. Nicht als theoretisches Abstraktum, vielmehr als Lebens-Spur, die sich wechselnd, im steten Wandel durch jegliche Biografie zieht – mal fließend und leise, ein ander Mal als Zäsur, als jäh empfundener Bruch.

So werden in Steffen Neidhardts Objekten Rhythmen und sensibel gesetzte Proportionen erlebbar, entpuppen sich als Bleibendes im permanenten Entschwinden. Nicht von ungefähr ist eines seiner meditativsten Werke, das mit einem periodisch vorüberziehenden „inneren“ Licht versehen ist, im Titel explizit als ­„Lebenslinie“ ausgewiesen.

Gelegenheit, die Arbeiten des Kirchheimer Objektkünstlers und Bildhauers Steffen Neidhardt in Augenschein zu nehmen, gibt es ab 3. Dezember im Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung in Nürtingen. Weitere Informationen finden sich im Internet unter www.steffenneidhardt.de.