Lokale Kultur

"Das stärkt einem natürlich schon den Rücken"

FRANKFURT / BERLIN Für ihre ebenso kenntnisreiche, wie eigensinnige und entschiedene Arbeitsweise erhält die in Nürtingen aufgewachsene Germanistin Meike Fessmann

Anzeige

HEINZ BÖHLER

den mit 5 000 Euro dotierten Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik. Die Auszeichnung wird vom Börsenblatt des deutschen Buchhandels vergeben. Die Verleihung findet im März während der Leipziger Buchmesse statt.

Die 44-jährige Nürtingerin lebt seit längerer Zeit mit ihrem Ehemann Jörg, ebenfalls ein alter Nürtinger, in Berlin und ist als freischaffende Kritikerin und Essayistin unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung", den "Tagesspiegel" sowie für einige Rundfunk- und Fernsehsender tätig. Von ihren Rezensionen deutscher und internationaler Literatur zeigte sich die Jury so angetan, dass sie die als Meike Ningel in Nürtingen Aufgewachsene nun in eine Reihe mit den Preisträgern Jürgen Lodemann, Helmut Karasek und Sigrid Löffler, Ex-Mitglied des Literarischen Quartetts um Marcel Reich-Ranicki, stellten.

Zur Jury gehörten unter anderem der Schriftsteller Peter Härtling, die Buchhändlerin Rachel Salamander, der Verleger Klaus Schöffling, der Präsident der Akademie für Sprache und Dichtung, Klaus Reichert, der Publizist Walter Boehlich und die Vertreterin des Börsenblattes, Sybille Fuhrmann.

"Das stärkt einem natürlich schon den Rücken", freut sich die so Geehrte über einen Preis, den zu bekommen, wie sie sagt, für "Freie" nicht eben einfach sei, da die Auszeichnung häufig an Redaktionen und Agenturen gegangen sei. Umso mehr freut sich die Mutter eines inzwischen zwölfjährigen Sohnes auf die öffentliche Verleihung, die am Donnerstag, 16. März, in Leipzig während der Buchmesse stattfinden soll.

Meike Fessmann, Jahrgang 1961, besuchte in Nürtingen das Hölderlin-Gymnasium und legte dort 1981 die Reifeprüfung ab. Noch im selben Jahr begann sie in München Germanistik, Philosophie und Theaterwissenschaften zu studieren. 1987 beendete sie in Berlin ihr Studium und promovierte 1991. 1992 heiratete sie den ebenfalls aus Nürtingen nach Berlin gezogenen Jörg Fessmann, zwei Jahre später kam ihr Sohn Jakob zur Welt. Seither wohnt die Familie in Lichterfelde am Rand der Großstadt.

Die Verbindung nach Nürtingen sei nach wie vor stark, betont die in Berlin lebende Meike Fessmann. Eltern und Geschwister würden an nahezu allen Festtagen besucht. Auch wenn jetzt einige Termine mit Rundfunk- und Fernsehteams anstünden, bleibe noch genügend Zeit für die Familie, meinte eine beim vorgestern gefeierten Geburtstag ihres Sohnes besonders gut gelaunte Preisträgerin und freut sich schon auf den nächsten Besuch in der Nürtinger Marktstraße, wo ihr Bruder Klaus gemeinsam mit seiner Frau die väterliche Arztpraxis weiterführt.