Lokale Kultur

"Das wahre Wesen der Poesie"

NÜRTINGEN Am Mittwoch, 15. Februar, gibt Timo Brunke um 20 Uhr im Nürtinger Schlosskeller eine Benefizveranstaltung zu Gunsten des Arbeitskreis Leben Nürtingen-Kirchheim. Timo Brunke gilt als einer der

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INKA BIHLER

besten Bühnenpoeten Deutschlands mit eigenem Soloprogramm. Im folgenden Interview berichtet der in Stuttgart geborene und in Kirchheim aufgewachsene Verseschmied von seiner Einstellung zum Leben allgemein und seiner Liebe zur Poesie im Besonderen.

Herr Brunke, Sie machen poetisches Kabarett. Was ist das genau?

In meinem aktuellen Programm schlüpfe ich in verschiedene Rollen und lasse diese Figuren eine Geschichte erzählen und das in Versen wie bei einem Gedicht. Da ist beispielsweise der hochschwäbische Dichter Herr Seidelbast. Den lasse ich ein Abschiedslied auf das eigene Haupthaar anstimmen. Alle meine Figuren haben einen großen Feind, das Amt für kreative Sicherheit. Diesem Amt sind die Gäste der Pension Brunke zu wild. Man fürchtet um die Bürger und will deshalb die "Pension Brunke" aus bürokratischen Gründen in einen Alcopops-Kiosk verwandeln. Und das wollen meine Figuren natürlich mit allen Mitteln verhindern.

Was möchten Sie den Menschen durch Ihr Stück mitgeben?

Ich spiele Szenen, die jeden Menschen betreffen. Und jeder kann dabei etwas für sich erkennen und daraus seine Schlüsse ziehen. Allerdings mache ich kein belehrendes oder moralisierendes Theater. Ich stelle die lebendigen Dinge der Welt dar. Dabei stelle ich mir die Frage: Wo positioniert sich der Mensch? Und dabei spielt lachen Sie nur die Poesie eine ganz wichtige Rolle. Leider sind die heutigen Menschen mit Poesie absolut unterversorgt.

Wie meinen Sie das?Poesie ist eine Lebenshaltung. Poesie ist beispielsweise, wenn jemand gerne kocht oder sich seinem Garten widmet. Die meisten Menschen lassen sich aber von ihrem Beruf vollkommen vereinnahmen. Nur die Leistung in der Arbeit zählt. Abends kommt man total abgeschafft nach Hause und hat zu nichts mehr Lust. Die Zeit für einen selbst fehlt. Meinen Sie mit Poesie auch, sich die Fragen zu stellen, wohin das Leben zielt? Ja, genau. Der Mensch muss außerhalb seiner Arbeit seinen Weg finden. Und das meine ich mit poetischer Lebenshaltung. Sie besagt: Nimm das Leben wahr. Ist das heute nicht besonders schwierig? Sie sagen es. Das Problem heute ist, wie man mit der Überflutung an Ratschlägen, Angeboten und Informationen umgeht. Für mich ist die Lösung die Wendung nach innen. Es ist für uns heute extrem wichtig, diesen Blick nach innen und auf uns selbst wieder zu finden. Wir müssen uns selbst wieder wichtiger nehmen und dürfen nicht auch noch zu Hause über die Arbeit nachgrübeln.