Kirchheim

Der Bären macht bald wieder auf

Durch die Kultgaststätte soll frischer Wind wehen und doch vieles beim Alten bleiben

Kirchheimer Kneipengängern wird’s gefallen: Mitte April soll der „Bären“ wieder eröffnet werden. Einen kleinen Hinweis darauf konnten Passanten schon im Wirtshausfenster finden. Jetzt hat die Brauerei Dinkelacker als Hauptpächterin Informationen geliefert, auch die neuen Betreiber äußern sich. Das Wichtigste vorweg: Im Bären soll alles weitgehend so bleiben, wie es war.

Noch herrscht Ruhe im Bären, bald geht‘s aber wieder los.Fotos: Andrea Barner

Noch herrscht Ruhe im Bären, bald geht‘s aber wieder los. Foto: Andrea Barner

Kirchheim. An Weihnachten verabschiedete sich Michael Holz nach 20  Jahren als Wirt der Traditionsgaststätte. Für die zahlreichen Stammgäste stand die bange Frage im Raum: Was soll jetzt werden? Wenn demnächst im Bären die Lichter wieder angehen, dürfen sich viele Bären-Fans freuen: In der Gaststube wird sich den bisherigen Informationen zufolge nicht viel verändern. Frische Farbe an den Wänden und an der Decke, neue Möbel im traditionellen Stil schwäbischer Wirtschaften. Sie werden von einer Schreinerei aus Lenningen speziell angefertigt. Das eine oder andere windschiefe Regal fliegt noch raus, und auch der Boden wird neu belegt. Und die Toiletten strahlen bereits frisch und weiß, da gibt’s künftig nichts mehr zu meckern.

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„Wir möchten den ,Bären‘ nicht groß verändern“, erläutert die neue Wirtin das Konzept, „der Charakter mit der Theke, wo man essen oder Zeitung lesen kann, der wird auf jeden Fall erhalten.“ Die studierte Diplom-Kauffrau ist fast täglich in engem Kontakt mit Vorbesitzer Michael Holz und will die Gaststätte in seinem Stil weiterführen. Der wünscht seiner quirligen Nachfolgerin „für die Zukunft alles Gute“ und steht mit Rat und Tat zur Seite.

Die neue Betreiberfamilie Nguyen hat reichlich Gastronomieerfahrung. In Niedersachsen führte die Familie ein vietnamesisches Lokal der gehobenen Küche, bevor sie sich in Kirchheim niederließ. Der Bären mit seiner traditionell schwäbischen Speisekarte wird für die Köche eine neue He­rausforderung, auf die sie sich freuen und der sie sich als Profis mehr als gewachsen fühlen. Die Kücheneinrichtung ist neu. „Wir haben viel Geld in einen neuen Grill investiert“, sagt die künftige Wirtin, „natürlich gibt’s Zwiebelrostbraten, Steaks, auch Fisch wird mal auf der Karte stehen.“ Deftige schwäbische Gerichte also, nur ab und zu ein exotisches Schmankerl, stets viele frische Salate. Die Küche wird dabei stets großen Wert auf Produkte aus der Region legen. Natürlich gibt es weiterhin die altbekannten Biersorten, ergänzt durch ein ausgesuchtes Weinangebot.

„Wir werden den alten und neuen Gästen eine ,crossover Tageskarte‘ anbieten mit viel Abwechslung“, bestätigt Familie Nguyen. Der Tag soll mit einem üppigen Frühstücksangebot beginnen. Und auch das beliebte Frühstücksbuffet am Sonntag für die ganze Familie wird weitergeführt. Wie in den letzten Jahrzehnten bleibt der „Bären“ bis in die späten Abendstunden geöffnet, für Szenegänger ebenso wie für Stadträte als Ratskeller-Ersatz.

„Im Bären trifft sich alles“, hat Angelika Matt-Heidecker festgestellt, „der Bären gehört zum Gesicht der Stadt Kirchheim und zum Gesicht des Rathauses“. Da wird es die Kirchheimer Oberbürgermeisterin besonders freuen, dass neben den 70 Sitzplätzen rund um die Theke auch die 120 Plätze im Freien, mitten im Herzen der Fußgängerzone, erhalten bleiben und dass dort wieder Veranstaltungen wie Musiknacht oder Fußballgucken im Freien stattfinden können. Bis zur Wiedereröffnung werden auch alle notwendigen Genehmigungen durch das Rathaus erteilt sein, davon geht Angelika Matt-Heidecker zuversichtlich aus.

Vor der Schließung des Bären gab es manche wilde Spekulation rund um die Zukunft der Kultkneipe nach der Ära Holz. Unter anderem ging es auch um die „Eis-Pra“ gleich nebenan. Die Eisdiele ist seit Monaten geschlossen, es gab wohl Überlegungen, sie mit dem Bären zu verbinden, also die Trennmauer zwischen den beiden Lokalen zu durchbrechen. Derartige Pläne sind nun vom Tisch, hohe Kosten für Belüftung und Brandschutzmaßnahmen sind wohl der Grund dafür, dass die Stuttgarter Großbrauerei nun doch keinen Komplettumbau in dem denkmalgeschützten Gebäude durchführt. Die „Pra“ wird ebenfalls unter der Regie der Nguyens herausgeputzt und wie gewohnt weitergeführt. Die Eiscreme für bunte Becher-Kreationen kommt künftig allerdings von einem Hersteller aus Nürtingen, es wird auch Kaffee und Kuchen geben und abends Cocktails.