Lokale Wirtschaft

Der Bundespräsident und die Möwe

Hoher Besuch bei Festo: Christian Wulff schaute beim Träger des Deutschen Zukunftspreises vorbei

Wer den Deutschen Zukunftspreis gewinnt, wie 2010 der Esslinger Automatisierungsspezialist Festo, der darf mit einer Visite des Staatsoberhaupts rechnen. Christian Wulff schwärmte von dem Global Player in den höchsten Tönen, von den Mitarbeitern des Unternehmens gehe ein besonderer „Spirit“ aus.

Eine ¿Möwe¿, die keine unangenehmen Hinterlassenschaften produziert: Da gibt Bundespräsident Christian Wulff gerne Starthilfe.Fo
Eine ¿Möwe¿, die keine unangenehmen Hinterlassenschaften produziert: Da gibt Bundespräsident Christian Wulff gerne Starthilfe.Foto: Roberto Bulgrin

Esslingen. Hoher Besuch ist bei Fes­to in Berkheim mittlerweile nichts Ungewöhnliches mehr. Im Januar hatten sich EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und EU-Kommissar Günther Oettinger die Ehre gegeben, und dann fuhr Chris­tian Wulff mit seinem Dienst-BMW vor. Der Sicherheitsaufwand war beträchtlich – die Beamten des Bundes­kriminalamts kümmerten sich mit Unterstützung eines Suchhundes um alle Taschen der Gäste und Journalisten, das Protokoll war minutiös geplant. Schließlich ist der Terminplan eines Bundespräsidenten dicht gedrängt.

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Immerhin blieb dann doch noch etwas Zeit für die Kür, als Wulff nach einem ersten Statement gekonnt knapp von einem Smartbird überflogen wurde. Das ist ein weiterer von Festo entwickelter bionischer Technologieträger, der sein Vorbild – die Silbermöwe – nicht verleugnen kann. „Normalerweise nehme ich mich vor Möwen in Acht“, meinte der Nieder­sachse eingedenk einiger unangenehmer Erfahrungen an der Nordseeküste. Gestern allerdings verhalf er dem künstlichen Vogel vor den Augen von preisgekrönten Auszubildenden aus dem Hause Festo sogar zu einem gelungenen Start. „Meine Kinder werden mich beneiden, wenn ich ihnen das heute Abend erzähle“, ließ Wulff die Umstehenden wissen.

„Ich bin überwältigt und begeistert von dem Klima, das man hier antrifft“, so der Bundespräsident, der in dem Spezialisten für Automatisierungstechnik sowie für technische Aus- und Weiterbildung einen Motor sieht, dessen „positive Energie“ ein Signal für ganz Deutschland sein könne. Bei Festo fänden sich spannende Ausbildungs- und Arbeitsplätze, es entstünden neue Produkte, die beispielhaft für die Qualität deutscher Industrieerzeugnisse seien.

Zu diesen Produkten zählt auch jener bionische Handlingassistent, der dem Rüssel eines Elefanten gleicht und durch seine weiche Beschaffenheit eine sichere direkte Kooperation von Mensch und Technik zulässt. Im Moment geht es nun darum, dieses Assistenzsystem für Industrie und Haushalt nutzbar zu machen und entsprechende Produkte zu entwickeln. „Hier sehen wir ein großes Potenzial für die Zukunft“, so Preisträger Peter Post, Leiter der Forschung bei Festo.

Auch die weiteren Preisträger Markus Fischer, Leiter Corporate Design und Bionic Learning Network bei Fes­to, und Andrzej Grzesiak, Abteilungsleiter am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) und dort für das Projekt zuständig, verbinden mit der Bionic hohe Erwartungen, wenn es um neue innovative Produkte geht: etwa in den Bereichen Automobil- und Flugzeugbau oder in der Medizinrobotik und Prothetik.

Der mit dem „Technik-Oskar“ ausgezeichnete Hightech-Greifarm ist für den stellvertretenden Festo-Aufsichtsratsvorsitzenden Ulrich Stoll so etwas wie die Verkörperung innovativer Technik zur Steigerung von Produktivität. Und Eberhard Veit, Vorstandsvorsitzender der Festo AG, setzt auch künftig auf vielfältige Forschungskooperationen, um neue Produkte oder Produktideen aufzuspüren. Insgesamt investiere das Unternehmen in Deutschland 9,5 Prozent seines Umsatzes in die Neuheitenentwicklung. Für dieses Jahr peilt Festo einen Jahresumsatz von 2,1 Milliarden Euro an, das vergangene Jahr hatte man mit 1,8 Milliarden Euro abgeschlossen.

Dass Festo die 250 000 Euro Preisgeld in die Aus- und Weiterbildung steckt, ist für Bundespräsident Chris­tian Wulff ein weiteres Indiz dafür, wie ernst es das Unternehmen mit der Qualifikation seiner Mitarbeiter und mit dem Berufsnachwuchs meint. Sein knapper Kommentar: „Genau richtig gemacht.“