Lokale Kultur

Der Dornröschenschlaf wich vielseitigen Aktivitäten

KIRCHHEIM Stärke und Belastbarkeit mussten all diejenigen beweisen, die die von vielen Naberner Bürgern anfangs nicht unbedingt vollständig geteilte Vision einte, dass die heruntergekommene, immerhin rund 500 Jahre alte Zehntscheu-

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WOLF-DIETER TRUPPAT

er zu einem Schmuckstück und vielseitigen Veranstaltungsforum herausgeputzt werden kann. Der Erfolg gab den einstigen unbelehrbaren Optimisten längst recht, die inzwischen auch anfängliche Skeptiker in ihren Reihen aufnehmen konnten. Nach dem am 10. September 1999 erfolgten Spatenstich konnte die Zehntscheuer am 14. September 2001 eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben werden.

Dass das mit enormem Engagement und erstaunlichen Eigenleistungen geschulterte Groß-Projekt "Bürgerhaus Zehntscheuer Nabern" nur erbärmlich scheitern kann oder aber ein beispielhaftes Erfolgsmodell werden muss, das gegebenenfalls weit über die Gemeinde hinausstrahlen kann, war klar. Den vielen handelnden Personen blieb dabei ebenfalls nur die Option, zu Feinden fürs Leben oder aber zu einer alle Anfechtungen abschüttelnden verschworenen Gemeinschaft von Freunden zu werden. Angesichts der Dimension des mutig angegangenen Projekts mussten Meinungsverschiedenheiten durchaus in Kauf genommen werden. Dass dann alles so gekommen ist, wie es sich die vielen gemeinsam anpackenden "starken Helfer" in ihren kühnsten Träumen kaum zu erhoffen wagten und in unendlichen Arbeitsstunden ja zunächst entsprechend hart erkämpfen mussten hat nicht vielfältige Blessuren eingebracht, sondern allen Beteiligten auch ungemein viel zurückgegeben.

Nicht nur eine mehr als mutige Vision Wirklichkeit werden lassen zu können, sondern auch anfängliche Skeptiker nicht nur zum Schweigen gebracht, sondern teilweise sogar zur Mitarbeit motiviert zu haben, war verdienter Lohn für viele Strapazen.

Seit die Zehntscheuer in neuem Glanz als Bürgerhaus und Veranstaltungsforum erstrahlt, hat sie mit ihrem stimmigen Ambiente auch schon unzähligen kulturellen Veranstaltungen die passende Atmosphäre gesichert, die letztendlich für den Erfolg einer Veranstaltung mit entscheidend sein kann. Manfred Rommel, Christoph Sonntag, Uli Keuler oder Michael Klink alias "LinkMichel" konnten in der Naberner Zehntscheuer schon genauso begeistert begrüßt werden, wie die "Wendlinger Sackbendl Komede", die "Bronnweiler Weiber", "Die Drei vom Dohlengässle" oder auch Manfred Hepperle mit dem "Ravensburger Mundartkabarett".

Klassische Konzerte mit dem Naberner "Eigengewächs" Christoph Sökler und Anne le Bozec kamen dabei dabei bei dem in der Zehntscheuer versammelten Publikum genauso gut an, wie die deutlich unernsteren Weisen von "Herrn Stumpfes Zieh & Zupf Kapelle", das A-cappella-Kabarett "Die Meedels" oder auch der bayrisch-bissige Abend mit den "Wallküren".

Mit ihrem fast schon konditionierten Blick für menschliche und juristische Eigenarten setzten Thomas Freitag und Werner Koczwara im Bürgerhaus in der einstigen Zehntscheuer kabarettistische Glanzpunkte. Das Wagnis einer Travestie-Show mit "Fräulein Wommy Wonder" fand genauso Anklang wie die "magischen und zauberhaften Momente" mit Timo Marc, Helge Thun oder den "Magic Girls". Die Idee, unter dem Motto "Lyrik trifft Blues" mit Hans Riek und Günther Wölfle zwei regionale Größen gemeinsam antreten zu lassen,

O:7060503.JP_sorgte ebenfalls für ein ausverkauftes Haus und eine Veranstaltung, die es so noch nirgends gab.

Die ältere Generation ist im laufenden Jahr zentrales Thema des kulturellen Miteinanders und so sollen Bertold Brechts "Unwürdige Greisin" und lyrische Texte aus verschiedenen Epochen zum zweiten Lebensabschnitt über Generationen und Nationalitäten hinaus Programmangebot und Verbundenheit gleichermaßen schaffen. Neu ist auch ein jeden Dienstag angebotener Mittagstisch, der sehr gut nachgefragt wird. In der Wärmküche der Zehntscheuer werden die vom Guckenrain oder vom Industriepark frisch angelieferten Mahlzeiten für die Besucher bereitgehalten, die es genießen, ihr Mittagessen in geselliger Runde zu genießen.

Die Nachfolge von Jürgen Hülß, der sich als Gründungsmitglied inzwischen aus seiner Funktion als Erster Vorsitzender verabschiedet hat, aber noch immer aktiv den Bürgerverein Zehntscheuer unterstützt, hat Klaus Neuhäußer angetreten. Zweiter Vorsitzender ist weiterhin Günter Baltz. Das Vorstandsteam wird vervollständigt von Erich Albrecht, Sabine Frieß und Helmut Kapp. Dem Ausschuss gehören neben Eckhard Brosig, Hermann Grünberg, Dieter Rupp und Marion Thiede auch der bisherige Naberner Ortsvorsteher Nicolas Fink an, der sich bekanntlich erfolgreich um den Bürgermeisterposten in Aichwald beworben hat und daher auch den Posten im Ausschuss der Zehntscheuer seiner Nachfolgerin beziehungsweise seinem Nachfolger im Amt überlassen muss.

Der rund 160 Mitglieder zählende Bürgerverein hat seit seiner Gründung bei der Stadt Kirchheim und anderen öffentlichen Trägern ganz bewusst keine Zuschüsse für kulturelle Veranstaltungen beantragt oder erhalten und ist stolz auf seine darauf basierende Unabhängigkeit, die nicht nur Bestandteil der Satzung sondern auch des gelebten Alltags ist. Dem Bürgerverein gehören Mitglieder und Mandatsträger verschiedener politischer Parteien und Organisationen genauso an wie Menschen verschiedener Nationalitäten, die sich gemeinsam als "starke Helfer" für ein Projekt engagieren, das auch Kindern und Jugendlichen entsprechende Angebote macht.

Ob nun mit der Ulmer Spieleschachtel "Eine wundersame Reise nach Indien" angeboten oder vom Ensemble von "Dein Theater" aus Stuttgart aktuell "Das Märchen vom kleinen Muck" präsentiert wird, ist es den für das Programm Verantwortlichen immer wichtig, eine interessante Alternative zu Computerspielen oder TV-Konsum zu bieten. Bei allem kulturellen Engagement spielt aber auch die erfolgreiche und in verschiedenen Varianten mögliche Vermietung des Gebäudes eine Rolle, das sich seit der Rundum-Erneuerung als Veranstaltungsforum mit stimmiger Atmosphäre genauso anbietet wie für private Feierlichkeiten oder auch Fortbildungsveranstaltungen oder Tagungen.

Von 10 bis 270 Personen reicht dabei das höchst variabel gestaltbare Vermietungsangebot. Die im Verein Verantwortlichen haben hier eine wichtige Einnahmequelle, die mit dazu beitragen kann, die trotz enormen Eigenleistungen und dem eindrucksvollen Sponsoring vieler Helfer und ortsansässiger Firmen angehäuften Schulden verlässlich abzuarbeiten. Damit ist es den Verantwortlichen der Zehntscheuer in Nabern möglich, sich auch einmal Veranstaltungen zu leisten, die zwar nicht unbedingt Massen mobilisieren, aber doch ihren Platz in einem entsprechend hohe Ansprüche an sich selbst stellenden Programm finden sollten.

Aktuelle Informationen über das Bürgerhaus Zehntscheuer Nabern können im Internet unter www.zehntscheuer-nabern.de abgerufen werden.