Lokale Kultur

Der gestiefelte Kater begeisterte

KIRCHHEIM Die Stadthalle war voll am Samstagnachmittag: Groß und Klein, Eltern mit Kindern, Großeltern, Bekannte alle waren herbeigeeilt, um Geschwister und Freunde im Ballett "Der gestiefelte Kater" zu

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PATRICK TRÖSTER

bewundern. Alle zwei Jahre bringt Dagmar Lincke ihre gesamten Eleven mit einer großen Produktion auf die Bühne.

Über 100 zumeist Schülerinnen hat Dagmar Lincke versammelt und unter Mithilfe von Karin Ould Chih ein Märchen choreografiert, in dem sowohl die ganz Kleinen im Kindergartenalter als auch die Großen kurz vor dem Abitur in einem Stück auftreten können. Es ist eine große Kunst, allen Alters- und Niveaustufen gerecht zu werden, niemanden zu überfordern und die aufleuchtenden Stars auf ihre Kosten kommen zu lassen. Dazu gehören nicht nur pädagogisches Geschick, sondern auch viel hand- oder besser: fußwerkliches Können, immer die richtigen Schritte zu finden.

Die Geschichte des gestiefelten Katers ein Märchen, das auch kleinen Zuschauern schon ein Begriff ist bietet die Folie für ein Handlungsballett, in dem sich große Tableaus mit exquisiten Soli abwechseln. Das schlichte, wirkungsvolle Bühnenbild gestalteten Rosemarie Beisser und Hans Jörg Rapp, und die vielen fantasievollen Kostüme entwarfen Edith Esslinger und Gela Wagner. Dazu wirkt im Hintergrund noch eine große Schar helfender Eltern mit, die Kulissen malten, Kostüme nähten, die Auftritte mit vorbereiteten und beim Schminken halfen.

Den Märchenstoff hat Dagmar Lincke in 39 Bilder gegliedert, mit passender Musik von Rossini, Delibes, den beiden Mozarts, Tschaikowski, Schostakowitsch, Minkus und Vivaldi unterlegt und darauf Choreografien für Gruppen- und Paartänze geschrieben. Die Bilder sind sehr fantasie- und humorvoll umgesetzt.

Das Hofleben wird mit altertümlichen Pavane-Schritten konterkariert, die Notare benutzen frühita-lienische Riprese minime, die Diener des Königs verbeugen sich moriskenhaft, die Jäger und gejagten Hasen greifen in die Schatzkiste der "verkehrten Welt", oder die Bäuerinnen tanzen volkstümlich eine neckische Polka. Auch die Kostüme waren assoziationsstark, besonders bleiben die Wellen mit den Tröpfchen der "Badefreuden", die zu fällenden Bäume des Waldes, die Kutsche mit voraustrabenden Pferdchen, der Karosse und den mitziehenden Dienern in Erinnerung, und großes Staunen rief die Riesenspinne im Zauberschloss hervor. Dagmar Appel, im drakulesischen Spiderkostüm, vollführte echte Zaubertricks, die freilich von den Zauberlehrlingen teils bestaunt, teils verulkt wurden. Anne Breining tanzte behend den König und verdeutlichte gekonnt dessen Überdruss eines gelangweilten Herrschers, den keine Speise befriedigen konnte.

Die Prinzessin, dargestellt von Ann Sophie Werner, trat im Laufe der Handlung aus dem Schatten der Tochterrolle heraus und erreichte im Pas de deux mit dem mittlerweile glücklichen Müllessohn am Schluss der Aufführung ihren Höhepunkt. Dieser durchlebte beeindruckend alle Höhen und Tiefen des Märchens. Verena Wackershauser setzte sie bildhaft in Bewegung um: das anfängliche Pech, die Looserkarte gezogen zu haben, das Auftauen bei den "Badefreuden", der Weg zum Erfolgskurs und schließlich die Hochzeit mit der Prinzessin.

Ihr Glücksmanager, der gestiefelte Kater, besaß genau die richtige Mischung aus Charme, Dreistigkeit, Eleganz und Leichtigkeit. Larissa Keck tanzte sich in die Herzen der Zuschauer. Die Katerrolle, die sie ganz und gar erfüllte, war ihr auf den Leib geschrieben: durch sie gewann sie eine Ausstrahlung eines großen Nachwuchstalentes.