Kirchheim

Der Gute-Laune-Schalter ist umgelegt

Konzert Die Band „The Bang Bags“ machen die Zehntscheuer in Nabern zu einer richtigen Party-Zone. Der erste Versuch der „Dance Night“ ist damit ein voller Erfolg. Von Günter Kahlert

Gibt‘s einen Gute-Laune-Schalter? Schön wär‘s, aber was die „Bang Bags“ in der Naberner Zehntscheuer abziehen, kommt der Sache ziemlich nahe. Schon als die sechs Musiker auf der Bühne erscheinen, werden sie bejubelt. Als Pianist Fabian Hörner „Habt ihr Lust auf die bekloppteste Rock-‘n‘-Roll-Show des Abendlandes?“ in die Menge ruft, herrscht ausgelassene Stimmung im Saal. Viele haben sich sogar in 50er-Outfit geschmissen, wie man es etwa aus dem Film „Grease“ kennt. Die Zehntscheuer ist natürlich nicht bestuhlt, das würde für eine „Dance Night“ auch seltsam anmuten. Das Publikum ist bunt gemischt, jung, alt - und alle gut drauf. Klar ist: Die Leute wollen tanzen und einfach Spaß haben. Und den bekommen sie.

Lieder zum Mitsingen

Das Repertoire der „Bang Bags“ ist wie eine Best-Of-Sammlung der 50er- und teilweise 60er-Jahre. Ausnahmslos Klassiker, jeder kennt sie, jeder kann den Refrain mitsingen. „Tutti Frutti“, „Jailhouse Rock“, „Rock Around The Clock“, „Diana“ oder „The Wanderer“, es ist ein Eintauchen in die Zeit dieser Hits. Doch die „Bang Bags“ liefern nicht nur Erwartbares, sie überraschen auch, wenn sie „Sex Bomb“ von Tom Jones oder Donna Summers „Hot Stuff“ als schnelle Ska-Versionen spielen.

Sie können es auch richtig schnulzig. „Can‘t Help Falling in Love“ von Elvis Presley erinnert an beste Tanzcafé-Zeiten mit Stehblues. Und da sind auch noch jede Menge witzige Ideen, wenn sie etwa „Yaktey Yak“ von den Coasters zum schwäbischen Song umdeklarieren und das Publikum die Refrainzeile mit „Halt dei gosch“ mitsingen lassen.

Er springt wie ein Gummiball

Das Zentrum der „Bang Bags“ sind Pianist Fabian Hörner und Sänger René Mags. Er hat sich im Übrigen auf Facebook den Künstlernamen „Rock Abilly“ zugelegt. Die beiden tragen jedenfalls die Show, interagieren ständig mit dem Publikum. „Fabi“ hat sich mit Sicherheit alte Aufzeichnungen von Jerry Lee Lewis angeschaut, so wie er ohne einen Moment der Ruhe am Piano agiert, im Stehen spielt, auch beim Spielen mal fast darunterschlüpft. René Mags ist als Frontman ständig in Bewegung, hüpft, springt, twistet. Gummiball wäre vielleicht eine passende Bezeichnung, man könnte ihn auch den Mick Jagger des Rock ‘n‘ Roll nennen.

Die anderen Bandmitglieder gehören während des Abends eher zur ruhigen Fraktion, zumindest was ihre Aktionen angeht. Ab und zu kommen sie aber doch für Soli nach vorne und ziehen ihre Show ab. Dann steht Saxofonist Axel Schlenker schon mal auf dem Kontrabass von Guido Dieringer, oder Gitarrist Frank Schlick spielt seine Gitarre hinter dem Kopf im Stil von Jimi Hendrix. Immer bejubelt von den bis dicht an die Bühne stehenden und tanzenden Besuchern. Die Musiker genießen das Feedback, zeigen selbst überschäumende Spielfreude, die totale Lust auf Rock ‘n‘ Roll.

Fast alle kennen die „Bang Bags“ und auch die Songs. Aber genau das ist die Erwartungshaltung der Besucher. „Wir haben es auch schon mit unbekannteren Titeln aus der Zeit versucht“, erzählt Fabian Hörner, „aber das funktioniert nicht so gut.“ Also gibt es bis Mitternacht einen „Knaller“ nach dem anderen. Bill Haleys „Shake, Rattle and Roll“, Johnny Cashs „Ring Of Fire“, „Lollipop“, „Runaround Sue” und jede Menge mehr. Die Band gibt richtig Gas und nimmt alle mit.

Das Experiment der „Dance Night“ des Naberner Zehntscheuervereins ist auf jeden Fall gelungen, und die „Bang Bags“ haben die Latte für die „Dance Night 2019“ schon mal ziemlich hoch gelegt. Besser geht‘s nicht.

In Kirchheim sind die sechs Musiker im Sommer wieder zu erleben: Bei der Musiknacht am 21. Juli werden sie nach jetzigem Stand erneut die Bühne vor dem Stadtkino rocken.

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