Lokale Kultur

„Der Lenz ist da . . .“

Frenetischer Applaus für die „Comedian Harmonists“

Kirchheim. Dass die legendären „Comedian Harmonists“ in die Teckstadt kommen, war schon lange unübersehbar. Überall begegnete man schließlich den Plakatständern der berühmtesten ersten deutschen Boy Group, die sich anschickte, in der

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Kirchheimer Stadthalle ihren zuvor schon im Kammertheater Karlsruhe gefeierten großen Erfolg gleich noch einmal zu wiederholen. Das stimmige Konzept ging dann auch erwartungsgemäß auf.

Die Stimmung in der gut besuchten Stadthalle hätte von Anfang an nicht besser sein können und nicht enden wollender frenetischer Beifall sorgte dann auch für ein langes Ende eines kurzweiligen Abends. Erst nach drei Zugaben entließ das begeisterte Publikum die Darsteller von der Bühne, die an diesem Abend weniger als konturenscharfe schauspielerische Charakterdarsteller gefragt waren sondern vor allem mit ihrer rundum überzeugenden harmonischen Sangeskunst brillieren durften.

Die Inszenierung von Ingmar Otto, Hausregisseur der Kammerspiele Karlsruhe unter Intendant Bernd Gnann, der in Kirchheim in der Rolle des Bassisten Robert Biberti zu sehen und vor allem zu hören war, konzentrierte sich voll auf die Erfolgsgeschichte der fünf Sänger und den sie begleitenden Pianisten.

Der Theaterabend mutierte dabei eher zum unterhaltsamen Konzertereignis, bei dem sich ein perfekt intonierter Erfolgstitel des berühmten Sextetts an den anderen reihte und jeweils viel Applaus erhielt. Josef Vilsmaiers 1997 in den Kinos angelaufener Film „Comedian Harmonists - Eine Legende kehrt zurück“ war vor allem intensiv darum bemüht gewesen, den einzelnen Ensemblemitgliedern in ihrer unübersehbaren Verschiedenheit entsprechenden Raum zu geben und vor allem auch die zunehmenden Spannungen aufzuzeigen, die aus dem drohenden Berufsverbot resultierten und nach einem kometenhaften Aufstieg das unumkehrbare Ende einer traumhaften Karriere einläuteten.

Die Lieder, mit denen die „Comedian Harmonists“ ihr Publikum begeisterten, sind auch heute noch unvergessen. Ob nun „Wochenend und Sonnenschein“ angesagt ist, „Veronika“ dezent darauf hingewiesen wird „der Lenz ist da“, ob sie die „Schöne Isabella von Kastilien“ besangen oder „Die Liebe der Matrosen“ , ob sie ein Huhn sein wollten oder ihrem Liebling mitteilten „Mein Herz lässt dich grüßen“, die „Comedian Harmonists“ trafen immer den richtigen Ton und begeisterten jedes Publikum „Irgendwo auf der Welt“, oder „In einem kühlen Grunde“

Der unaufhaltsame Aufstieg der von Harry Frommermann am 18. Dezember 1927 mit einer unscheinbaren Zeitungsanzeige im Berliner Lokal-Anzeiger ins Leben gerufenen Erfolgsformation wurde schließlich jäh gebremst, als die einst enorm erfolgreichen Sonny Boys mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus nicht mehr nur von Neidern kritisch beobachtet wurden.

Das Ende ihrer steilen Karriere wurde schon im November 1933 eingeläutet, als Goebbels in einer folgeschweren Durchführungsverordnung die Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer und ihren Untergliederungen neu regelte. Auch wenn die „Comedian Harmonists“ zu diesem Zeitpunkt auf einer ausgedehnten Deutschland-Tournee waren und sogar für die noch laufenden Veranstaltungen eine Sondererlaubnis erhielten, waren sie von dieser Stunde an immer intensiver Schikanen ausgesetzt und wussten, dass ihre erfolgreiche Zusammenarbeit nun am Ende angekommen war.

Um auf deutschen Bühnen Musik darbieten zu können, musste jedes Ensemblemitglied eine Mitgliedschaft in der Reichskulturkammer beantragen. Jüdischen Mitbürgern war es aber schlichtweg verwehrt, Mitglied in der Reichsmusikkammer zu werden. Drei der insgesamt sechs Ensemblemitglieder waren aber keine „reinen Arier“ und damit sorgte ein schließlich verhängtes Auftrittsverbot für das lange befürchtete Ende eines lange gemeinsam gelebten Traumes.

Die in dem textlich von Gottfried Greiffenhagen und musikalisch von Franz Wittenbrink zu verantwortende Inszenierung von Ingmar Otto konzentrierte sich aber weniger auf das dramatische Ende und auf die Schicksale der einzelnen Mitglieder der „Comedian Harmonists“ sondern auf die unglaubliche Erfolgsgeschichte der Gruppe und das in einem der vielen Lieder der Comedian Harmonists unsterblich gemachte Erkenntnis, dass „ein Freund, ein guter Freund“ nun einmal zweifellos das Beste ist auf dieser Welt.

Robert Biberti, Bass (Bernd Gnann), Roman Cycowski, Bariton (Matthias Lehmann), Harry Frommermann, Tenor Buffo (Tobias Fend), Erich Abraham-Collin, Zweiter Tenor (Oliver Fobe-Dörr), Ari Leschnikoff, Erster Tenor (Daniel Ewald), Erwin Bootz, Klavier (Boris Leibold) genießen in Manuel Kolips eher spartanischem aber doch sehr stimmigem Bühnenbild in Verbindung mit der kostümbildnerischen Ausstattung von Nicola Stahl ihren atemberaubenden kometenhaften Aufstieg, der der eher unpolitischen Gruppe lange Zeit gar nicht die erforderliche Verschnaufpause gewährt, um sich berechtigte Sorgen um eine sich offensichtlich immer mehr verdüsternde Zukunft zu machen.

Dass die starke Nachfrage nach den Angeboten des Kirchheimer Stadttheaters weiterhin anhält, soll am Montag, 23. April, mit dem in Karlsruhe schon enorm erfolgreichen „Nur für Frauen“ gesichert werden. Am Montag, 14. Mai, geht es dann weiter mit dem Stück „Die Geierwally“ und im Dezember stehen Dorkas Kiefer und Ralf Bauer bereit, um Daniel Glattauers E-Mail-Roman „Gut gegen Nordwind“ auch auf der Kirchheimer Stadthallenbühne noch einmal gebührend zu feiern.