Kirchheim

Der Markt richtet es nicht mehr

Die Stadt Kirchheim befasst sich mit einem großen Paket zur Schaffung von neuem Wohnraum

„Wohnen in Kirchheim“ – das ist nicht etwa der Titel einer Werbekampagne, die Menschen ins schöne Kirchheim locken soll, weil es hier so viele günstige Wohnungen gibt, die allesamt frei sind. Im Gegenteil: Es ist der Versuch, mit dem Phänomen umzugehen, dass immer mehr Menschen in Kirchheim sesshaft werden wollen und dass es nicht genügend Wohnraum gibt.

Der Kirchheimer Gemeinderat hat zwei Bebauungspläne auf den Weg gebracht: für die brachliegende Wiese zwischen Tannenbergstraße

Der Kirchheimer Gemeinderat hat zwei Bebauungspläne auf den Weg gebracht: für die brachliegende Wiese zwischen Tannenbergstraße und Bodelschwinghweg (oben) sowie für ein ehemaliges Gärtnereigelände zwischen Schöllkopfstraße und Badwiesen (unten). Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Stadtverwaltung und Gemeinderat haben sich nun generalstabsmäßig eines Themas angenommen, das in Kirchheim derzeit auf den Nägeln brennt – verschärft durch die Tatsache, dass auch für eine entsprechende Zahl von bleibeberechtigten Flüchtlingen Unterkünfte bereitzustellen sind. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker bringt es in ihren eigenen Worten auf den Punkt und spricht von einer „Wohnbaustrategie“ oder auch „Wohnbauoffensive“. Dabei gehe es um „Wohnen für alle“, und dazu wiederum gehöre „das Wohnen für Neubürger“.

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Zwei Dinge tragen dazu bei, dass der Wohnraum in Kirchheim derzeit besonders knapp ist. Zum einen der enorme Zuzug: „180 000 Menschen werden in den nächsten Jahren in die Region Stuttgart kommen, und die Stadt Kirchheim will dabei sein, diesen Menschen in der Region Wohnraum zur Verfügung zu stellen.“ Zum anderen räumt die Oberbürgermeisterin durchaus ein gewisses Defizit in der Vergangenheit ein: „Lange Zeit waren wir davon ausgegangen, dass der Markt das Bauen schon richten wird.“ Genauso lange habe die Stadt auf die Innenentwicklung gesetzt: „Jetzt ist aber klar, dass wir damit allein die Anforderungen nicht erfüllen können.“ Kirchheim sei mit diesem Problem aber nicht allein. Überall gebe es einen vergleichbaren Bedarf.

Die Stadt hat nun eine ganze Reihe an Arealen aufgelistet, auf denen Investoren Bauvorhaben planen, teilweise in Kooperation mit der Stadt. Auch sollen wieder neue Baugebiete entstehen. Dazu gehören ein regionaler Wohnungsbauschwerpunkt am Galgenberg, eine Erweiterung des Gebiets „Berg Ost“ in Ötlingen oder auch die Bebauung des bislang brachliegenden Bereichs „Schafhof IV“, der zwischen der Straße „Zu den Schafhofäckern“ und der Alten Schlierbacher Straße liegt.

Das Güterbahnhofsgelände und das benachbarte Areal der Post südlich der Schöllkopfstraße gehören ebenso zu den Planungen für neuen Wohnraum wie das Steingau-Quartier. Private Investoren sind ebenso mit an Bord, etwa beim „Bless-Off“-Gelände oder auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei Kurz zwischen Schöllkopfstraße und Badwiesen. In Kooperation mit der Kreisbau will die Stadt außerdem eine Freifläche zwischen Tannenbergstraße und Bodelschwinghweg bebauen.

Bürgermeister Günter Riemer zufolge kann die Stadt somit nicht nur selbst neue Wohnungen in ihren Bestand aufnehmen, sondern den Wohnungsmarkt auch darüber hinaus lenken: „Wenn die Stadt ein eigenes Grundstück einbringt, kann sie dadurch auch Einfluss auf die Kosten nehmen und somit günstigeres Wohnen fördern.“

Stadtplanungschef Gernot Pohl spricht von „aktuell 650 Wohneinheiten im Geschosswohnungsbau – auf Arealen, die der Stadt gehören“. Schwieriger werde es für die Stadt, wenn sie nicht selbst Eigentümerin ist. „Aber auch auf solchen Geländen werden in nächster Zeit günstige Wohnungen entstehen.“ Die Verwaltung ist gerade dabei, eine Sozialbauverpflichtung zu erarbeiten. Derzeit ist angedacht, ab einer Grundstücksfläche von 5 000 Quadratmetern einen Anteil von 20 Prozent für Mietwohnungen festzuschreiben – „mit sozialverträglichen Mieten“.

Auch die mehr als 300 Wohneinheiten, die sich im Eigentum der Stadt befinden – mit rund 18 500 Quadratmetern Wohnfläche – sollen auf Vordermann gebracht werden: für Flüchtlinge, aber auch für andere Menschen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind. Günter Riemer spricht von „Menschen wie du und ich“, die betroffen sind von Räumungsklagen oder von Trennungen und die vielleicht alleinerziehend sind. Alles das seien Gründe, die bisherigen Wohnungen verlassen zu müssen.

Der Gemeinderat hat den einzelnen Punkten des gesamten Wohnförderprogramms zugestimmt. Bleibt zu hoffen, dass es dadurch auch wirklich gelingt, den prognostizierten Anstieg der Kirchheimer Einwohnerzahlen von derzeit knapp unter 40 000 auf rund 42 000 zu bewältigen.

Schöllkopfstr. Wohnungsbau Asylanten Anschlußunterbringung

Das Güterbahnhofsgelände und das benachbarte Areal der Post südlich der Schöllkopfstraße gehören ebenso zu den Planungen für neuen Wohnraum wie das Steingau-Quartier. Foto: Carsten Riedl