Lokale Wirtschaft

Der Meisterbetrieb als Aushängeschild

Zur Innungsveranstaltung kam das deutsche Kraftfahrzeuggewerbe in der Weilheimer Limburghalle zusammen. Obwohl es für die Betriebe zweifellos schwer ist, sich in diesen schwierigen Zeiten zu behaupten, ist Zukunftsoptimismus spürbar.

ANJA WEISSINGER

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WEILHEIM "Im Gegensatz zu den frohen und schönen Herbsttagen, die wir zurzeit dem goldenen Oktober verdanken, ist es im KfZ-Gewerbe ungemütlich und kalt". So begrüßte der Obermeister der Innung Nürtingen-Kirchheim, Konstantin Lepadusch, rund 80 der insgesamt 110 Mitglieder. Das Kraftfahrzeuggewerbe hätte zurzeit "äußerst schwierige Zeiten zu bestehen". Um so mehr freute sich der Obermeister darüber, dass so viele Innungsmitglieder der Einladung in die Weilheimer Limburghalle gefolgt waren.

Lepadusch kritisierte in seinem Bericht die derzeitige Steuer- und Abgabenpolitik, die in Zeiten des Stellenabbaus und eines nicht vorhandenen Wirtschaftswachstums als zusätzliche Belastung auf das Gewerbe wirke. Durch die zahlreichen Insolvenzen und die Abhängigkeit der Betriebe von den Standards der Händler und Banken sei das KfZ-Gewerbe "bald so weit unten, dass es nur noch aufwärts gehen könne".

Allerdings hob der Obermeister auch einige positive Entwicklungen der vergangenen Zeit hervor. So zum Beispiel die Eröffnung eines neuen Autohauses in Nürtingen und der erfolgreiche Umzug eines anderen Autohauses von Notzingen nach Kirchheim. Für beide Betriebe werde die Innung einen Baum zum Zeichen der "Verbundenheit und des Optimismus" pflanzen.

Die Tatsache, dass die Autos auf deutschen Straßen im Durschnitt noch nie so alt waren wie heute, sieht der Obermeister als "Aufforderung an die Innung, verstärkt auf die Sicherheit zu achten". Deshalb seien Aktionen wie zum Beispiel der Beleuchtungstest gewissenhaft durchzuführen. Lob und Anerkennung ernteten an diesem Abend vor allem die Ausbildungsbetriebe. Stolz schwang mit bei der Verkündung, dass trotz der schlechten Lage in diesem Jahr 82 Ausbildungsplätze vergeben werden konnten.

Mit besonders guten Ergebnissen konnten fünf Lehrlinge ihre Ausbildung abschließen: Die diesjährigen Preisträger sind der Kraftfahrzeug-elektriker Thomas Velten aus Neidlingen, und die Automobilkaufleute Corinna Gölz aus Bissingen, Alexander Gross aus Kirchheim, Falko Roman Fuchs aus Filderstadt und Markus Weiler aus Oberbohingen.

Die Bewerberflut im Kraftfahrzeuggewerbe ist jedoch so groß, dass natürlich nicht alle angenommen werden können. In einem Eignungstest, dessen Ergebnisse die Betriebe einsehen können, müssen sich die Bewerber gegen Mitstreiter behaupten. Besonders erfreut zeigte sich Vorstandsmitglied Dieter Angelmaier über die Einrichtung einer Fachklasse für Kommunikationstechnik. Wegen der schnellen Entwicklung der Autoindustrie im komforttechnischen und multimedialen Bereich, sei dies ein Ausbildungszweig mit Zukunft.

Im Schulungsbereich, den Wolfgang Gross vorstellte, wird es neben den bisherigen Kursen jetzt auch eine Airbagschulung geben.

Alfred Hiller, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, stellte den Mitgliedern die Imagekampagne der Innung vor. Prominente Unterstützung erhält sie unter anderem vom mehrfachen Olympiasieger Christoph Langen. Hiller wies die Anwesenden daraufhin, dass das Schild, welches einen Meisterbetrieb der Innung auszeichnet sowohl für Qualität und Service als auch für Innovation und Umweltschutz steht.

Bedauerlicherweise habe er aber feststellen müssen, dass die Schilder einiger Betriebe nicht mehr aktuell waren. Hiller startete deshalb einen Aufruf an alle, das aktuelle Schild auszuhängen, das den Betrieb eindeutig als Meisterbetrieb auszeichnet. Dies sei im Hinblick auf die neue Gesetzesregelung, nach der sich jeder Geselle nach sechs Jahren in verantwortlicher Position selbstständig machen kann, unbedingt nötig. Meisterbetriebe sollten von Gesellenbetrieben klar zu unterscheiden sein.

Ein weiterer Punkt der Tagesordnung war die Vorstellung der Gebührenordung durch den Geschäftsführer Hartmut Wörner. Das Problem der Probefahrten wurde von Eberhard Russ angesprochen: Obwohl dieser Service jährlich Unsummen verschluckt, sind anschließende Verkaufsabschlüsse eher die Seltenheit. Wie mit diesen "Lustfahrten" in Zukunft umgegangen wird, soll noch diskutiert werden. Ihren Abschluss fand die Versammlung in einem Vortrag über den "Wachstumsmarkt Klima" von Ludger Claes. Neben Sachkundelehrgängen über die Reparatur von Klimaanlagen wurde auch entsprechendes Werkzeug vorgestellt. Claes sieht im Klimabereich eine große Wachstumsmöglichkeit.