Lokale Kultur

Der "MV" und das Katzenfutter

WENDLINGEN Ein kabarettistisches Highlight gab den Startschuss zum 24. Zeltspektakel in Wendlingen. Pünktlich um 20 Uhr betrat am

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HEINZ BÖHLER

Donnerstagabend der schwäbische Kabarettist Christoph Sonntag die Bühne des zweckentfremdeten Zirkuszeltes, das bis auf das letzte Plätzlein ausverkauft war.

Mit frechen Sprüchen zur Bundes- und Landespolitik bis hin zu aktuellen Wendlinger Begebenheiten gelang es dem aus Waiblingen stammenden Schnellschwätzer, die Zeltspektakel-Besucher für sich einzunehmen. Zuvor aber hatte Hans-Jörg Fritz in seiner Begrüßungsrede auf die jüngsten Ereignisse um den Festplatz in der Schäferhauser Straße und die Plakate des Zeltspektakels hingewiesen. Mit leicht galligem Humor versprach er jedem, der sich in eine Liste eintragen würde, ein Plakat zum Selberkleben für die 25. Ausgabe des illustren Wendlinger Musik- und Kleinkunst-Festivals, das der Verein, davon gehe man aus, auch noch über die Bühne bringen werde.

"Hallo, dankeschön", tönte es danach von der Bühne, als der schwarz gekleidete Star des Abends hinter dem dunklen Vorhang hervortrat. Offenbar gut auf die kommunalen Querelen in der Lauterstadt vorbereitet, fragte Christoph Sonntag sich und die Zuschauer, wie man so einen Platz für ein Bürgerhaus verkaufen wollen könne, "in dem sich nachher 123 Hansel die Donkosaken-Chöre anhören" würden. Mit einem schnellen Schwenk nahm Sonntag dann die Kurve in die aktuelle Politik und stellte die Frage in den Raum, ob es bei aller Zustimmung zu einer Wiedervereinigung, denn unbedingt die DDR hätte sein müssen und begrüßte einen bekennenden Brandenburger im Publikum mit einem Willkommensgruß in einem "Geberland".

"Übernimmt nun der Bund die Schulden Berlins oder Berlin eine zumutbare Arbeit", stellte der Kabarettist als vermutlich rhetorisch gemeinte Frage in den Raum und wehrte sich im nächsten Moment gegen den für weichhirnige BSE-Ochsen nachteiligen Vergleich mit Schweriner Neo-Nazis. Peer Steinbrück nannte er "Staatssekretär für Urlaubsfragen" und vertraute seinen Zuhörern an, dass der Finanzminister den Grafen Dracula für einen Stümper hielte, der immer nur Einen aussaugen könne. Selbst vor dem Verkauf von mit Steuergeldern erstelltem Gemeineigentum, wie den Autobahnen an so genannte Drittinvestoren mache dieser Minister nicht Halt. Diesen Gedanken aufgreifend, schlug er vor, doch einen Drittinvestor zu suchen, der die große Koalition übernähme, "wenn d' oin fendscht".

Mehrwertsteuer, Gesundheitsreform, die Landespolitik, nichts fand Gnade vor dem früheren Fundbüroverwalter politischer Peinlichkeiten. Selbst der Papst musste sich Kritik an seiner Verbannung Homosexueller aus dem Priesteramt gefallen lassen: "Ja wer soll denn dann den Job no macha, soviel Pädophile fendsch doch gar ned." Doch "eigentlich macht der Ratze sei Sach doch ganz gut", gesteht Sonntag dem Pontifex Maximus zu, wohl die in Regensburg geäußerte Islam-Kritik im Gedächtnis, denn schließlich bekämen die Moslems nur deshalb so viele Kinder, "damit immer ein Minderjähriger für die Ehrenmorde" da sei.

Auch über ein Jahr nach seinem Abgang als Ministerpräsident war Erwin Teufel immer noch nicht aus dem Visier des Kabarettisten gerückt, weiß Sonntag doch nur zu gut, dass dem Ex-Landeschef seine nach Berlin entsorgte Favoritin für die Amtsnachfolge Annette Schavan ihrem ehemaligen Dienstherrn "an überschäumender Lebensfreude in nichts nachsteht".

Zum Charme des Schnellsprechers Sonntag tragen auch seine beständigen Aktivitäten bei, Zugereisten die Landessprache näher zu bringen. Mit Sätzen, wie "I trag grad dr Abbarat ra" oder "I glaub i han's Schpätzlesbschdeck z'schbät bschtelld" landet er eindeutige Wirkungstreffer am Zwerchfell. Den besonderen Knalleffekt erzielte er am Donnerstagabend mit einem präparierten Stuhl, auf dem er als "Aschdronaut Friedhelm Ströbelel im Spätzles-Schattl" mit Mutters Salsatsieb auf dem Kopf ins weite All startet.

Auch sein gelungener Versuch, sprachliche Ausrutscher und verbale Gemeinplätze der Politiker unter sein frisurzerstörendes Dirigat zu zwingen, endete mit Lachsalven aus der Zuhörerschaft, die selbst stimmliche Probleme, die den Remstäler Dampfplauderer im zweiten Teil seiner Show zeitweise plagten, mit viel Gelächter quittierte.

Selbst die Präsentation seiner Bücher und CDs am Ende der Vorstellung gönnte den Lachmuskeln noch keine Pause. Auch da noch bekamen einige Persönlichkeiten von öffentlichem Interesse den einen oder anderen Seitenhieb verpasst, schließlich sei man, so Christoph Sonntag, ja im Kabarett und Gerhard Mayer-Vorfelder trotz besonderer Merkmale kein Katzenfutter.