Lokale Wirtschaft

"Der Region und den Mitgliedern verpflichtet"

Die Volksbank Kirchheim-Nürtingen will ihr genossenschaftliches Profil weiter schärfen und startet ein "Mehrwert-Programm" für Mitglieder. Im vergangenen Jahr konnte die Bank die Ertragslage verbessern und verzeichnete vor allem im Vermittlungsgeschäft einen überdurchschnittlichen Zuwachs.

FRANK HOFFMANN

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NÜRTINGEN Bei der gestrigen Bilanzpressekonferenz zeigten sich der Voba-Vorstandsvorsitzende Ulrich Weiß und die Vorstandsmitglieder Dieter Helber und Harald Kuhn zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr. "Besonders im Provisions- und Vermittlungsgeschäft konnten wir kräftig zulegen", freut sich Weiß über die positive Entwicklung. Gegenüber 2003 steigerte die genossenschaftliche Bank das Betriebsergebnis vor Risiko von 1,04 auf 1,08 Prozent des Geschäftsvolumens. Die Dividende soll wie im Vorjahr bei 5,5 Prozent liegen.

Ein ordentliches Plus gab es entgegen dem Trend bei den Kundenkrediten, die um 2,2 Prozent auf 865 Millionen Euro in die Höhe kletterten. Die Einlagen konnten um 1,3 Prozent auf 932 Millionen Euro verbessert werden. Hinzu kommen die bei den Verbundpartnern wie Union Investment oder der Bausparkasse Schwäbisch Hall angelegten und nicht bilanzwirksamen Gelder, sodass die Volksbank Kirchheim-Nürtingen 2004 für ihre Kunden insgesamt 2,8 Milliarden Euro betreute. Für Ulrich Weiß ein deutlicher Beweis, dass sich die "Strategie der ganzheitlichen Beratung" voll bewährt hat. Dadurch konnten die ohnehin guten Vermittlungsergebnisse nochmals gesteigert werden, und die Volksbank Kirchheim-Nürtingen zählt heute bei einigen Firmen des genossenschaftlichen Verbunds bundesweit zu den umsatzstärksten Partnern.

Das gute Ergebnis ist für das Vorstandstrio Ansporn, die Marktstellung weiter zu festigen. Dazu will die Bank ihr genossenschaftliches Profil schärfen und die regionale Verankerung unterstreichen. "Wir werden die Nähe zu unseren Kunden pflegen und ausbauen," gibt Weiß die Marschrichtung vor. Derzeit basteln die Voba-Strategen an einem "Mehrwert-Programm" für die Mitglieder. Firmenkunden, so die Idee, gewähren den Mitgliedern beim Einkauf Vorteile in Form von Zusatzleistungen. Dies ist für Weiß auch ein Beitrag, um Kaufkraft in der Region zu binden. Zudem soll das Programm die Mitgliedschaft bei der Volksbank noch attraktiver machen. Im vergangenen Jahr verzeichnete das genossenschaftliche Unternehmen einen Zuwachs von 910 auf nunmehr 46 230 Mitglieder.

Überhaupt nicht gut sind Weiß, Helber und Kuhn derzeit auf die Großbanken und deren Geschäftsgebaren zu sprechen. Die Ankündigung der Deutschen Bank, trotz eines Milliardengewinns bis zu 6 000 Stellen abzubauen, hat auch Ulrich Weiß die Zornesröte ins Gesicht getrieben: "Das ist unsozial und unverantwortlich" und bringe zudem die gesamte Branche in Verruf. Gleiches gelte für die Kreditvergaben. Die Großbanken, so Weiß, hätten sich von einzelnen Branchen und kleineren Unternehmen komplett verabschiedet und so den Eindruck entstehen lassen, die Banken würden vielen Betrieben vorschnell den Geldhahn zudrehen. "Für die Volksbank trifft dies in jedem Fall nicht zu", versichert Weiß, "wir sind und bleiben gerade für den Mittelstand der verlässliche Partner." Trotz der verschärften Vergaberichtlinien werde kein Kreditwunsch pauschal abgelehnt. Sollte es tatsächlich Probleme mit der Finanzierung geben, unterstütze die Volksbank die Firmen auch bei der Suche nach Alternativen, beispielsweise über stille Beteiligungen, die Bürgschaftsbank oder Leasing.

Auch bei der Personalpolitik wird sich die Volksbank Kirchheim-Nürtingen nicht die große Konkurrenz zum Vorbild nehmen: "Zwar wollen wir ebenfalls die Ertragslage verbessern, aber nicht über Personalabbau, sondern über eine Umsatzsteigerung", betont Dieter Helber. Derzeit beschäftigt das Kreditinstitut 437 Mitarbeiter. Nennenswerte Veränderungen seien nicht geplant. Besonderes Augenmerk will die Bank weiterhin der Aus- und Weiterbildung schenken. Im Moment absolvieren 27 junge Leute eine Lehre bei der Voba.

Bei der Kunstförderung setzt die Bank wiederum regionale Schwerpunkte. Das Kulturprogramm "Kunsthöfle" bietet lokalen Kulturtreibenden eine Plattform und wird seit dem vergangenen Jahr in Kirchheim und Nürtingen angeboten. Zudem bekommen die künstlerisch ambitionierten Volksbank-Mitglieder heuer Gelegenheit, ihre Arbeiten in einer Ausstellung in Kirchheim zu zeigen. Bereits zum sechsten Mal schreibt die Bank in Zusammenarbeit mit der Musikschule der Teckstadt den Kirchheimer Musikpreis aus. Des Weiteren ist in Nürtingen im Rahmen der Kunsttage eine Ausstellung mit Werken von HAP Grieshaber geplant.

Findige Unternehmen in der Region lädt Ulrich Weiß schon heute zur sechsten Auflage des Wettbewerbs "VR-Innovations-Preis Mittelstand" ein. Ab Mai können die Bewerbungsunterlagen angefordert werden. Im vergangenen Jahr konnten mit den Firmen Wohlhaupter und Clauss Markisen gleich zwei Betriebe aus dem Geschäftsgebiet der Volksbank Kirchheim-Nürtingen einen Sonderpreis für sich verbuchen.