Lokale Kultur

Der Reußenstein in der Kunst

Ausstellung mit Gemälden, Grafiken und Fotografien im Neidlinger Rathaus

Neidlingen. Die Ruine Reußenstein im Spiegel der Kunst steht derzeit im Mittelpunkt einer Ausstellung mit Gemälden, Grafiken und einigen Fotografien im Neidlinger Rathaus.

FLORIAN STEGMAIER

Nicht weniger als einhundertsechzig Exponate aus einer Kirchheimer Privatsammlung fanden den Weg in die Reußensteingemeinde und spannen nun einen weiten thematischen Bogen durch Welt und Historie der schwäbischen Burgen, in dem unter anderem auch Teck und Hohenneuffen, die Stauferberge, die Burg Lichtenstein oder die viel belagerte Festung Hohentwiel ihre künstlerische Würdigung erfahren.

Durch die Vielfalt zieht sich das „Bergmärchen“ von Hermann Kurz als poetischer roter Faden. Der Inhalt dieser „wahren Entstehungsgeschichte unserer Alb“, die den Untertitel „Die Liebe der Berge trägt“, ist schnell erzählt und wurde den zahlreichen Vernissagebesuchern von Bürgermeister Rolf Kammerlander bei der Begrüßung nahegebracht: Der Riese Heim berichtet auf dem Reußenstein an einem kalten Apriltag dem Dichter Hermann Kurz aus der Zeit „vor der Sintflut“, als die heimischen Berge noch beseelte Wesen gewesen seien, die einander liebten, aber auch gegeneinander in den Krieg zogen. Er schildert, wie Neid und Falschheit in diese Welt kamen und wie er als einziger die „schwäbische Götterdämmerung“ überlebt habe. Eine Ich-Erzählung also, deren äußerst sagenhafter Inhalt mit einem bemerkenswert realistischen und nüchternen Ton gepaart ist.

Der Ausstellung im Neidlinger Rathaus ist jedoch nicht nur daran gelegen, einen möglichst idyllisch-verklärenden Blick auf die große, längst vergangene Zeit der Burgen und des Rittertums zu werfen. Zur vermeintlichen Ruinen-Romantik gesellen sich auch drastische, den Lebensumständen und historischen Begebenheiten des ausgehenden Mittelalters entnommene Schilderungen. Exemplarisch sei hier auf die Radierung „Landsknecht tötet Bauer“ von Alfred Hrdlicka verwiesen. Ein Blatt aus dem Bauernkriegszyklus des Wiener Künstlers, das fern jeglicher Beschönigungen in einem unmittelbar anspringenden, schonungslos brutalen Realismus die an der Tagesordnung stehenden Grausamkeiten der damaligen Epoche aufzeigt.

Zwangsläufig ist die Werkschau dem Sujet der Landschaft verpflichtet, wobei hier von friedlicher Beschaulichkeit bis zur großen Dramatik alles vertreten ist. Für Letzteres steht etwa die Strichätzung „Reußenstein im Gewitter, Blitz und Donner“ des bedeutenden Tübinger Künstlers Heinrich Seufferheld, der unter anderem für den jungen Franz Frank eine wichtige Rolle gespielt hatte.

Mit Eugen Faber, Johann Hermann Mahler, Karl Weber und Konrad Raum reihen sich Kirchheimer Künstler in den bildnerischen Reigen ein. Die Ausstellung „Reußenstein“ ist bei freiem Eintritt im Neidlinger Rathaus bis 13. April zu sehen. Sie ist geöffnet montags bis freitags von 9 bis 12 und von 14 bis 16 Uhr, dienstags bis 18 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 18 Uhr.

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