Lokale Kultur

Der Streitwald im Tiefenbachtal

NÜRTINGEN "Einblicke in eine vielfältige Kulturlandschaft" lautet der Untertitel des neu im Verlag Sindlinger-Burchartz erschienenen Bandes "Das Tiefenbachtal". Das

Anzeige

HEINZ BÖHLER

rund 100 Seiten starke Buch ist das Ergebnis einer Schreibwerkstatt, an der sich 20 Tiefenbachliebhaber beteiligten. So entstand im Laufe der Zeit eine ansehnliche Sammlung von Geschichten persönlichen Erlebens über landschaftliche Beschreibungen bis zu historischen, naturwissenschaftlichen und archäologischen Aufsätzen. Dazu finden sich eine stattliche Anzahl von Illustrationen, Grafiken und Fotografien in dem broschierten Büchlein.

Ihre eigene Kindheit, im Tiefenbachtal verbracht, schildert Regina Klosinski. Manuel Werner lieferte einige Abhandlungen zur Fauna und Flora wie auch zur Siedlungsgeschichte des heutigen Naherholungsgebietes. Da erfährt man beispielsweise und kann sich eines gewissen Gruselns nicht erwehren , dass man in alten Zeiten die Selbstmörder in der Trautenreuteklinge nahe der heutigen Gaststätte Kräuterbühl verscharrt habe. Von den Tuberkulose-Patienten im Jungborn berichtet Katharina Beck, und Veronika Schneider kennt das Treiben von Waldkindern, wie die Kinder des freien Kinderhauses sich während ihrer Ausflüge ins Tiefenbachtal nennen. Seine Kenntnisse des Waldes und wie dieses Bio-System funktioniert, wie es von Menschenhand verwaltet und gepflegt wird, stellte Nürtingens Revierförster Richard Höhn zur Verfügung.

"Vor vielen Jahren stritten die Nürtinger mit den Kirchheimern um einen Wald." So beginnt eine Geschichte von Richard Schlierer, verfasst im Jahre 1951. Gemeint ist ein Handel aus dem Jahre 1628. Danach hatte der Nürtinger Magistrat der Stadt Kirchheim ein Waldstück abgekauft, bezahlt und in Besitz genommen. Umso erstaunter waren die Nürtinger, als die Kirchheimer ihre Grenzsteine unkenntlich machten und den Wald wieder für sich in Anspruch nahmen. Die Sache ging vor Gericht und das Corpus delicti hieß von Stund' an der Streitwald. Überreste römischen Siedelns fanden Erwin Beck und die Bedeutung des Tales am Ende der Naziherrschaft Günter Schmitt beleuchtenswert.