Lokale Kultur

Der Traum, einfach Kind zu sein

Rund 270 Besucher beim Benefizkonzert des Vereins Serie-X in der Stadthalle

Kirchheim. „Wenn wir nur einem Kind mit unserer Aktion helfen können, dann hat sich die Arbeit gelohnt“, erklärt Bernd Köhle. Er ist der Vorsitzende des Vereins Serie-X mit Sitz in Unterensingen. Vor

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Klaudia Stürmer

etwa einem Jahr hervorgegangen aus einer Vätergruppe, zählt der Verein derzeit etwa 50 Mitglieder.

Serie-x ist aktiv, um auf das Thema Missbrauch von Kindern aufmerksam zu machen. Begonnen hat die Öffentlichkeitsarbeit für den guten Zweck mit einem außergewöhnlichen Kalenderprojekt.

Am Freitagabend lud der Verein zu einer bemerkenswerten Uraufführung in die Stadthalle Kirchheim ein. „X-Dream – Der Traum einfach Kind zu sein“ ist der Titel des eigens zur Kampagne produzierten Musikstückes. Mehr als 250 Besucher kamen zum Konzert.

Der Text handelt von einer Familie, in der ein Vater seine neunjährige Tochter missbraucht und die Mutter zuschaut. Sie gibt der Tochter die Schuld, aus Angst den geliebten Ehemann zu verlieren.

„Es gibt Menschen, denen ist dieser Text zu provokativ und sie möchten so etwas nicht hören“, erzählt der Songwriter Bernd Köhle. Doch Köhle will mit dem Projekt Aufmerksamkeit gewinnen und dafür geht er schon einmal bis an die Grenze des Zumutbaren. „Schon die Fotos zum Kalenderprojekt irritieren manchen Betrachter“, gibt Köhle zu. Ein nackter Männerkörper liegt in einer monumental anmutenden Landschaft.

An die Felswand der Zugspitze gedrückt oder auf einem in Herbstlicht getauchten Kalkmagerrasen der schwäbischen Alb, mit Blick über die rotbraun gefärbte Landschaft. Die Arme und Beine der Männermodels sind ausgebreitet, sie ergeben das X. Es ist das Zeichen, welches die Väter setzen wollen, ihr Zeichen gegen den Missbrauch von Kindern.

Zwölf Fotografien sind so entstanden, jeder Monat zeigt eine Landschaft, ein Gebäude und dazu das Zeichen X, ein nackter Männerkörper.

„Wir sehen in dem nackten Körper, der in dieser sehr großen, weiten, archaischen Umgebung fast verschwindend klein wirkt, auch die Verletzlichkeit eines Menschen“, erklärt Angelika Schonwald-Hutt von der Beratungsstelle Kompass in Kirchheim. Etwa 300 Missbrauchsfälle zählen die Beratungsstellen im Landkreis Esslingen jedes Jahr. Mehr als 80 Prozent der Straftaten ereignen sich laut Statistik im familiären Umfeld.

„Ich lege heute für keinen mehr die Hand ins Feuer“, so Köhle. Nachdem er sich mit den Fällen von Kindesmissbrauch näher beschäftigt habe, sei ihm bewusst geworden, dass es sich um ein gesellschaftliches Tabuthema handelt.

Die Veranstaltung in der Kirchheimer Stadthalle war eine Mischung aus Konzert, Aufklärungsveranstaltung zum Thema und Party. Die Beratungsstellen Wildwasser und Kompass standen im Foyer für Fragen bereit. Serie-X hatte einen eigenen Informationspavillon aufgebaut, an dem der Verein über seine Arbeit informierte. An Stellwänden zeigte der Verein die Fotos zum Kalenderprojekt.

Auf der Bühne rockte die Band Rockx-U. Deren Sängerin Nicky Basan aus Ebersbach präsentierte den Kampagnensong als rauchige Rockbalade. Durch den Abend führte „Die schwäbische Schwertgosch“ Link Michel. Als eine Art schwäbische Amy McDonald beeindruckte Alice Nolan die Konzertbesucher. Als Halb-Irin bestätigte sie den musikalischen Ruf der Inselbewohner. Mit Gitarre und Stimme entführt sie ihre Zuhörer ganz leicht in die Welt der eigenen Gefühle.

Mit von der Partie waren am Abend in der Kirchheimer Stadthalle auch musikalische Lokalmatadore wie Dannemann & Friends. So wurde aus dem Benefizkonzert zu später Stunde eine gepflegte Rockparty für den guten Zweck.