Kirchheim

Die Ampel steht auf Grün

Kreistag Der Beschluss zum Bau der neuen Landratsamts-Dependance in Plochingen ist der Einstieg in ein Investitionsprogramm, das im Kreis bisher beispiellos ist. Von Bernd Köble

Auf dem Plochinger Stumpenhof kann gebaut werden. Das Personalwohngebäude der ehemaligen Kreisklinik (links im Bild) wird im Frü
Auf dem Plochinger Stumpenhof kann gebaut werden. Das Personalwohngebäude der ehemaligen Kreisklinik (links im Bild) wird im Frühjahr abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Das Hauptgebäude (rechts) beherbergt schon jetzt Ämter und Mitarbeiter des Esslinger Landratsamts.Foto: Carsten Riedl

Erst die Reden zum Haushalt, dann kamen Fakten auf den Tisch: Mit seltener Einhelligkeit haben die Fraktionen im Kreistag gestern den ersten Teil eines Investitionspakets beschlossen, das CDU-Chef Sieghart Friz als „Jahrhundertprojekt“ bezeichnet. Die 38,8 Millionen Euro teure Landratsamts-Außenstelle auf dem Plochinger Stumpenhof markiert den Einstieg in ein Bauprogramm, das den Landkreis in den kommenden sechs Jahren rund eine Viertelmilliarde Euro kosten soll. Neben Investitionen in Schulen und Nahverkehr verschlingt die Modernisierung der Verwaltung das meiste Geld.

Dass der Baubeschluss für Plochingen gestern weitgehend geräuschfrei über die Bühne ging, zeigt, dass die weitreichendste Entscheidung erst noch bevorsteht. Die Kosten für Abriss und Neubau des Landratsamtes in Esslingen werden auf mehr als 140 Millionen Euro geschätzt. Genau weiß das im Moment noch niemand. Baumaßnahmen, die so unumgänglich wie zukunftsweisend sind, wie Politiker quer durch alle Fraktionen nicht müde werden zu betonen. Eine Investition für Generationen, wirtschaftlich durchdacht und ökologisch vorbildlich. CDU-Mann Sieghart Friz erinnerte daran, dass der vorgezogene Bau in Plochingen trotz der gewaltigen Kosten Geld spare, weil ein Großteil der Behörden-Mitarbeiter bereits umgezogen sein wird, wenn am Standort Esslingen der Abriss beginnt. Dadurch entfällt ein Großteil an Mietkosten für die übergangsweise Unterbringung des Personals während der Bauzeit.

„Mit Plochingen verschaffen wir uns Luft,“ meint auch Bernhard Richter, der Vorsitzende der Freien Wähler. Was für ihn und seine Fraktionskollegen allerdings nicht bedeutet, dass man den nächsten Schritt als alternativlos betrachtet. Mit Blick auf den Neubau in Esslingen kündigte Richter an, man werde nötigenfalls auf einem Kostendeckel beharren, sollten die Finanzen aus dem Ruder laufen. Auch wenn das Gesamtkonzept nachvollziehbar und schlüssig sei. „Falls nötig, werden wir darauf drängen, das Fass nochmal aufzumachen,“ stellte er klar. Soll heißen: Auch die Möglichkeit einer Sanierung käme dann erneut auf den Tisch. Richter: „Wir gehen den Weg mit - aber nicht unendlich.“

Bei der geplanten Erhöhung der Kreisumlage von 30,7 auf 32 Prozent, wie sie die Verwaltung im Etatentwurf vorgeschlagen hatte, wollen Freie Wähler und SPD schon jetzt nicht mitgehen. Richter will die Kommunen entlasten, hält seinen Kompromissvorschlag von 31 Prozent für „auskömmlich,“ wie er sagt. Ein Vorschlag, dem auch der neue SPD-Fraktionschef Michael Medla folgt: Eine Erhöhung sei zwar notwendig, „aber nicht in dieser Höhe,“ meinte Medla angesichts des noch fehlenden Haushaltbeschlusses im Land, der auch im Kreisetat noch viele Fragen offen lässt.

Ein klares Bekenntnis zum Landratsamts-Neubau legten gestern auch die Grünen ab. Fraktionschefin Marianne Erdrich-Sommer äußerte allerdings Kritik am Parkkonzept und den in Plochingen geplanten 183 Pkw-Stellplätzen. Dies sei viel Geld und bei einem Bau für die nächsten 50 Jahre nicht mehr zeitgemäß. Daher ihr Vorschlag: Die Zahl der Parkplätze auf das gesetzliche Mindestmaß zu reduzieren und das Geld in eine bessere Busanbindung und eine Station für Leih-Fahrräder zu stecken.

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