Lokale Kultur

"Die Botschaft der Bilder muss positiv sein"

WENDLINGEN Die Galerie der Stadt Wendlingen zeigt bis Sonntag, 27. November, Malerei des Künstlerehepaares Carmen Campanini und Cristian Korn. Abstrakt, aber nicht extrem abstrakt ist der Expressionismus, den die beiden Künstler in ihrer Malerei einsetzen. Immer wieder tauchen gegenständliche Formen in ihren Arbeiten auf, die das Auge der Betrachter festhalten und der Fantasie eine Richtung geben.

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Auch die Bildtitel sind richtungsweisend. Bei Cristian Korn sind das Titel wie etwa "Südliche Landschaft", "Das tanzende Blatt" oder "Vence", die seine Vorliebe für landschaftliche, urbane oder die Natur betreffende Themen verdeutlichen. Bei Carmen Campanini heißen die Bilder "Wachstum", "Die Akrobaten des Denkens" oder "Zukünftige Konstruktion" und deuten auf Naturbetrachtungen und auf die Auseinandersetzung mit geistig-abstrakten Themen hin. Beiden Künstlern gemeinsam ist eine explodierende Farbigkeit ihrer Bilder, die eine immense Energie und Dynamik erzeugen, die über deren Bild-Rahmen hinauszuströmen scheinen und den Betrachtern schwingend, klingend und tanzend entgegenströmen und ihre Sinne berühren und berauschen. Als kunstgeschichtliche Vorbilder nennt Cristian Korn die "Koloristen" vergangener Epochen, die Farbe als Ziel ihrer Malerei verstanden haben, so etwa die Renaissance-Maler Fra Angelico und Piero della Francesca oder Henry Matisse, Adolf Hölzel und David Hockney.

Den beiden Künstlern geht es in ihren Arbeiten um Farbe, Form und Komposition, aber auch um Harmonie und Rhythmus. Ein Geflecht von Farbflächen, die von grafischen Linien umfahren sind, nähen die Bilder quasi zusammen. "Die Botschaft der Bilder so es eine gibt muss positiv sein", beansprucht Cristian Korn für sich.

Die Betrachter sind eingeladen in die Bildern einzutauchen, darin spazieren zu gehen, sich darin wohl zu fühlen. Wer will, findet kleine Türen oder Fenster, die das Auge fesseln, und "schon ist der Betrachter mitten drin im Bild". Carmen Campaninis Bilder zeigen eher eine umgekehrte Wirkung. "Es sind Experimente mit Raumbildern, die aus dem Rahmen springen", erklärt sie. Einzelne Bildelemente scheinen dabei auf den Betrachter zuzufliegen, was mitunter beunruhigend und aggressiv anmutet. In einer Serie von kleineren Arbeiten untersucht sie das geometrische Quadrat, stets bestrebt, von dessen statischer Form zu einer Art Bewegung zu gelangen. "Fließen verweilen weitergehen", nennt sie das zentrale Thema dieser Reihe.

Carmen Campanini wurde 1959 in Zarate in Argentinien, geboren. Von 1978 bis 1984 studierte sie bei Roberto Duarte, einem Vasarely-Schüler, an der Escuela National Superior de Arte in Buenos Aires und von 1985 bis 1987 an der Accademia di Belli Arti Brera in Mailand. Beide Studien schloss sie mit einem Diplom in Kunstpädagogik ab. Dazwischen lagen mehrere Studienaufenthalte in Paris und Nizza. Von 1988 bis 1991 folgte ein Studium der Malerei und Glasgestaltung bei Professor Schaffrath an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Sie lebt heute als freischaffende Künstlerin und Kunstdozentin in Stuttgart und lehrt dort an der Merz-Akademie im Fachbereich Farbe und Zeichnen und seit 2001 auch an der Kunstschule Filderstadt.

Cristian Korn wurde 1960 als Sohn deutscher Emigranten in Buenos Aires in Argentinien, geboren. Von 1978 bis 1983 studierte er an der Kunstakademie in Buenos Aires. Er schloss das Studium mit dem Diplom in Kunstpädagogik ab. Von 1986 bis 1987 studierte er an der Kunstakademie in Mailand und von 1988 bis 1992 an der Kunstakademie in Stuttgart. Er ist heute freischaffender Künstler, Mitarbeiter der Staatsgalerie Stuttgart und Kunstdozent an der Merz-Schule in Stuttgart.

pm