Lokale Kultur

Die Entdecker weit gereister Melodien

REICHENBACH Am Samstag, 12. Januar, gastiert um 20 Uhr "Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle" mit ihrer "skrupellosen Hausmusik" in der Halle in Reichenbach. Karten gibt es an der Abendkasse und an den bekannten Vorverkaufsstellen.

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Im mittlerweile 18. Jahr ihres Bestehens sind die Mitglieder von "Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle" nun auf einer ungebremsten Tour. Bei mehr als 2 000 Konzerten haben sich die vier Ostälbler einen legendären Ruf als Wiederentdecker weit gereister Melodien verdient. Mehr und mehr gehören auch Stücke aus eigener Feder zum Programm von "Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle".

Die Mitglieder dieser Musikformation holen sich Jazz, Blues, Folk und die Lieder ihrer ostälblerischen Heimat nach Hause und beleben sie mit der bodenlosen Tiefe schwäbischer Mundart. Mit dem Handwerkszeug eines durchgeknallten Orchesters und Texten von markerschütternder Ernstlosigkeit legen sie erfahrungsgemäß unschuldig dreinblickend ganze Säle in Lachfalten und verhelfen vielen Seelen zum Glück.

Bei allen Zwerchfellreizen leisten sich die Stumpfes auch melancholische Momente von tief greifender Schönheit und die Zuhörer dürfen die Ohren spitzen, um auch hier das Augenzwinkern im Detail zu entdecken. So sind die Schwaben: Wenn es ganz dicke kommt, wird halt leise gelacht.

Die Mitglieder von "Herrn Stumpfes Zieh- und Zupfkapelle" sind Gralshüter des saftigen und brunnentiefen Schwäbisch. In ihren Liedern verarbeiten die vier Musiker noch immer sprachliche Nuancen, die selbst in den hinteren Winkeln der Ostalb fast vergessen sind. Was Kennern zustimmendes Nicken entlockt, lässt Hochsprachler beim Verstehen die Augenbrauen heben. Den Dialekt ihrer Heimat verwenden die Stumpfes nicht als Gag, sondern als Stilmittel. Wo die bleischwer-kehligen Wörter dieser rauen Sprache fremd sind, lässt sich ihre Bedeutung in den Liedern der Stumpfes fühlen. So schrieb einst ein bekennendes Nordlicht dem Quartett ins Gästebuch: "Ich hab zwar nicht alles verstanden, aber ich war selig."

Die vier Musiker filtern mit feinem Gespür aus allen Stilen die Essenz heraus und würzen sie mit ihren Mitteln: Hawaii-Gitarre trifft auf Hackbrett, eine Tin-Whistle paart sich mit dem Kontrabass und man bläst auf Kamm und Plastik-Saxofon.

pm